Dieses Video wurde am 13.08.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung im September ist deutlich gesunken. Noch vor eineinhalb Wochen preisten die Märkte eine Chance von rund 70 Prozent ein. Seitdem haben ein schwacher Arbeitsmarktbericht, niedrigere Verbraucherpreise und nun auch überraschend schwache Erzeugerpreise das Bild verändert. An der Wall Street reagierten Anleger mit Erleichterung – die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen fielen auf 4,64 Prozent, der Ölpreis gab im frühen New Yorker Handel ebenfalls rund zwei Prozent nach.
Erzeugerpreise unter den Erwartungen – Zinsdruck lässt nach
Die aktuellen Erzeugerpreisdaten für die USA fielen schwächer aus als erwartet. Im Vergleich zum Vormonat blieben die Preise unverändert, während Ökonomen ein Plus von 0,2 Prozent prognostiziert hatten. Die Kernrate – ohne Nahrungsmittel und Energie – stieg lediglich um 0,2 statt der erwarteten 0,3 Prozent.
Im Vorjahresvergleich lagen auch die Gesamtrate unter den Schätzungen. Nur die Kern-Jahresrate fiel minimal wärmer aus. In der Summe zeichnen die Daten gemeinsam mit dem jüngsten Verbraucherpreisindex ein Bild nachlassenden Inflationsdrucks – ein Signal, das die US-Notenbank zumindest kurzfristig von weiteren Zinsschritten abhalten könnte.
Gleichzeitig gibt es strukturelle Faktoren, die den Renditedruck langfristig hochhalten: hohe Investitionen im KI-Bereich, steigende Staatsdefizite und der wachsende Finanzierungsbedarf der USA.
US-Defizit und Japan als Risikofaktoren für Staatsanleihen
Das US-Haushaltsdefizit hat zuletzt deutlich zugelegt. Im Juni belief es sich auf 291 Milliarden Dollar, im Juli bereits auf 432 Milliarden Dollar. Um diesen Bedarf zu decken, müssen die USA mehr Staatsanleihen ausgeben – was den Markt zusätzlich belastet.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist Japan. Das Land hält rund 1,2 Billionen Dollar in US-Staatsanleihen – mehr als China – und könnte diese Bestände abbauen, um den Yen zu stützen. Die japanische Regierung signalisierte zuletzt, dass die Zentralbank die Leitzinsen weiter anheben dürfe, um die eigene Währung zu stabilisieren. Sollte Japan tatsächlich verstärkt US-Papiere verkaufen, würde das die amerikanischen Renditen weiter nach oben treiben.
Tech-Quartalsergebnisse: Starke Zahlen, gemischte Reaktionen
An der Wall Street dominierten Quartalszahlen aus dem Technologiesektor das Geschehen – mit starken Ergebnissen, aber verhaltenen Kursreaktionen.
- Cisco: Umsatzwachstum von 18 Prozent, Gewinn je Aktie 1,22 Dollar – fünf Cent über den Erwartungen. Für das Fiskaljahr 2027 werden Umsätze von rund 72 Milliarden Dollar erwartet, rund drei Milliarden über den Schätzungen. Kursziele der Analysten reichen von 123 bis 150 Dollar.
- Cerebras: Ergebnis, Margen und Jahresaussichten über den Erwartungen. Belastend wirken stagnierende Auftragsrückstände und wachsender Wettbewerb im KI-Chip-Segment durch Amazon, Nvidia und Google.
- Coherent: Umsatz, Gewinn und Margen allesamt besser als erwartet, Aussichten angehoben. Analyst bei Needham setzt Kursziel auf 420 Dollar und sieht das Unternehmen gut im Rechenzentrumsbereich positioniert.
- Birkenstock: Das deutsche Unternehmen legte an der Wall Street rund 18 Prozent zu – Umsatzwachstum und EBITDA-Schätzungen wurden angehoben.
Trotz insgesamt guter Fundamentaldaten reagierten Anleger bei Cisco und Cerebras mit Gewinnmitnahmen. Der gemeinsame Kritikpunkt: leicht schwächere Bruttomargen im laufenden Quartal. Analysten von Morgan Stanley und Keybank verweisen auf möglichen Margendruck im weiteren Jahresverlauf, empfehlen die Aktien jedoch weiterhin zum Kauf.
Konsument unter Druck – Anthropic-Börsengang als nächster Katalysator
Außerhalb des Technologiesektors geriet Tapestry (Marken Coach und Kate Spade) mit einem Kursrückgang von rund 15 Prozent unter Druck. Der Umsatz lag nur im Rahmen der Erwartungen. Das fügt sich in ein breiteres Bild: Im Einzel- und Restauranthandel mehren sich Anzeichen, dass der amerikanische Konsument vorsichtiger wird. Rekordhohe Benzinpreise im August, ein schwacher Arbeitsmarkt und weiterhin erhöhte Inflation dürften die Konsumfreude dämpfen.
Positiv gestimmt sind die Märkte hingegen für Microsoft und Salesforce, für die JP Morgan Kaufempfehlungen mit Kurszielen von 625 beziehungsweise 250 Dollar ausgegeben hat. Ein weiteres Highlight steht im Herbst bevor: Der KI-Spezialist Anthropic könnte im Oktober an die Börse gehen. Investoren hoffen auf eine Marktkapitalisierung von zwei bis drei Billionen Dollar – getragen von jährlich wiederkehrenden Umsätzen, die bis Jahresende auf rund 110 Milliarden Dollar steigen könnten, was einer Verzehnfachung im Jahresverlauf entspräche. Nach dem erwarteten SpaceX-Börsengang wäre Anthropic das nächste große Kapitalmarktereignis der KI-Ära.
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