EU-Paketgebühr trifft Shein, Temu und AliExpress
Die EU erhebt eine neue Paketgebühr von 2 € pro Artikel auf Sendungen aus Drittländern. Das trifft vor allem chinesische Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress.
Dieses Video wurde am 30.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Online-Shopper in der Europäischen Union müssen sich auf höhere Kosten einstellen: Die EU erhebt künftig eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr von 2 Euro pro Artikel auf Pakete aus Nicht-EU-Ländern. Besonders stark betroffen sind Bestellungen bei chinesischen Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress, die für den Großteil der betroffenen Warensendungen verantwortlich sind. Die neue EU-Paketgebühr kommt zu bereits bestehenden Zöllen hinzu, die seit Juli 2025 für Kleinsendungen gelten.
Was die neue EU-Paketgebühr konkret bedeutet
Die neue Regelung sieht vor, dass für jede Sendung aus einem Drittland eine Bearbeitungsgebühr von mindestens 2 Euro pro Artikel anfällt. Diese Gebühr wird zusätzlich zu den seit Juli geltenden Zöllen auf Kleinpakete erhoben und gilt unabhängig vom Warenwert der Sendung.
Wer also beispielsweise drei Artikel in einem Paket bestellt, muss künftig mit einer Zusatzbelastung von mindestens 6 Euro rechnen — noch bevor eventuelle Zölle und Einfuhrumsatzsteuer hinzukommen. Für Vielbesteller bei günstigen Plattformen kann das die vermeintlichen Schnäppchen deutlich verteuern.
Die wichtigsten Punkte der neuen Regelung im Überblick:
- 2 Euro Bearbeitungsgebühr pro Artikel in einer Sendung aus Nicht-EU-Ländern
- Die Gebühr gilt zusätzlich zu den bereits seit Juli 2025 erhobenen Zöllen auf Kleinpakete
- Betroffen sind alle Warensendungen aus Drittstaaten, nicht nur aus China
- Ziel ist die Kostendeckung gestiegener Aufwendungen bei den EU-Zollbehörden
Paketflut aus China als Auslöser
Der Hintergrund der neuen Abgabe liegt in der massiv gestiegenen Zahl von Paketsendungen, die in den vergangenen Jahren in die EU gelangt sind. Ein Großteil dieser Sendungen stammt aus China und wird über Plattformen wie AliExpress, Shein und Temu abgewickelt, die mit extrem niedrigen Preisen und kostenlosem Versand um europäische Kundschaft werben.
Die Flut an Kleinsendungen hat die Kapazitäten der nationalen Zollbehörden erheblich belastet. Personal, Infrastruktur und Kontrollaufwand sind in den letzten Jahren deutlich gewachsen — Kosten, die bislang weitgehend von den Steuerzahlern getragen wurden. Mit der neuen Gebühr soll dieses Ungleichgewicht korrigiert werden.
Die Einnahmen aus der Bearbeitungsgebühr sind zweckgebunden und sollen direkt zur Finanzierung der Zollabwicklung verwendet werden.
Auswirkungen für Verbraucher und den Online-Handel
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet die Neuregelung, dass sich das Einkaufen bei asiatischen Online-Marktplätzen spürbar verteuert. Waren, die bislang durch niedrige Preise und kostenlosen Versand attraktiv waren, könnten durch die Kombination aus Zöllen und Paketgebühr an Wettbewerbsvorteil verlieren.
Europäische Händler und Marktverbände hatten seit Langem kritisiert, dass chinesische Plattformen durch den früheren Wegfall von Zöllen auf Kleinsendungen unter einem sogenannten De-minimis-Schwellenwert einen strukturellen Vorteil genossen. Die schrittweise Abschaffung dieser Regelungen soll faire Wettbewerbsbedingungen im europäischen Binnenmarkt wiederherstellen.
Ausblick: Mehr Regulierung für asiatische Plattformen
Die neue EU-Paketgebühr ist Teil einer breiteren politischen Strategie der Europäischen Union, den Marktzugang für Anbieter aus Drittstaaten stärker zu regulieren. Neben den Zollreformen stehen Plattformen wie Temu und Shein auch im Fokus des Digital Services Act und weiterer Verbraucherschutzvorschriften.
Es ist davon auszugehen, dass die Plattformen die Mehrkosten zumindest teilweise an die Endkunden weitergeben werden. Wie stark die Nachfrage europäischer Verbraucher tatsächlich einbricht, bleibt abzuwarten. Die EU setzt mit diesen Maßnahmen jedoch ein klares Signal: Das Zeitalter der unreguliert günstigen China-Pakete neigt sich dem Ende zu.
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