Trump-Wähler enttäuscht: Warum sie trotzdem treu bleiben
Viele Trump-Wähler sind enttäuscht: Benzinpreise gestiegen, Versprechen gebrochen. Warum trotzdem zwei Drittel hinter ihm stehen – ein Bericht aus New Jersey und Georgia.
Dieses Video wurde am 03.11.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Günstigeres Benzin, sinkende Preise, keine Inflation mehr – Donald Trump hat seinen Wählern im Wahlkampf 2024 große Versprechen gemacht. Doch rund ein Jahr nach seiner Rückkehr ins Weißhaus sind viele Trump-Wähler enttäuscht. Die Lebenshaltungskosten steigen weiter, Löhne halten nicht Schritt, und das Vertrauen in das politische System bröckelt. Ein Besuch in New Jersey und Georgia zeigt, wie gespalten das Land kurz vor den Midterm-Wahlen ist – und warum dennoch eine klare Mehrheit der Trump-Anhänger an ihm festhält.
Gestiegene Preise, gebrochene Versprechen
In einer Kleinstadt in New Jersey, rund eine Autostunde von New York entfernt, sitzt Joe an der Theke eines Diners. Seit 1989 kommt er hierher, drei- bis viermal die Woche. Doch nicht alle seiner Freunde können sich das noch leisten. „Das Geld reicht nicht mehr so weit wie früher”, sagt er. Arztrechnung, steigende Mieten, alltägliche Einkäufe – vieles wird teurer.
Besonders schmerzhaft: die Benzinpreise. Trump hatte versprochen, die Energiekosten innerhalb seines ersten Amtsjahres zu halbieren. Stattdessen sind die Spritpreise laut Berichten um rund 40 Prozent gestiegen. Ein Diner-Stammgast erinnert sich, sein Motorrad früher für vier Dollar volltanken zu können – heute kostet es 15 Dollar.
Die Zahlen bestätigen die persönlichen Eindrücke: Im September lagen die Verbraucherpreise rund 3,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im gleichen Zeitraum nur um etwa 3 Prozent – ein realer Kaufkraftverlust für Millionen Amerikaner.
Wer bereut seine Wahl – und wer nicht?
Laut einer Umfrage bereut rund ein Viertel aller Trump-Wähler seine Entscheidung. Besonders hoch ist die Enttäuschung bei jungen Menschen: Etwa ein Drittel der 18- bis 34-jährigen Trump-Wähler würde heute anders abstimmen. Doch nur einer von zehn würde tatsächlich für einen anderen Kandidaten stimmen.
Der Grund für diese Diskrepanz liegt in einer tiefen, parteiübergreifenden Politikverdrossenheit. Viele Amerikaner fühlen sich von beiden großen Parteien enttäuscht und bekommen – so ihr Eindruck – nur leere Versprechen.
- Schwarze und Latino-Wähler bereuen ihre Stimme für Trump überdurchschnittlich häufig.
- Besonders junge Menschen der Generation Z wenden sich von Trump ab.
- Manche ziehen sich ganz aus der Politik zurück und verweigern künftig die Wahl.
- Nur eine Minderheit wechselt aktiv zur anderen Partei.
- Zwei Drittel der Trump-Wähler von 2024 stehen weiterhin hinter ihm.
Die Erzählung der gestohlenen Wahl lebt weiter
In Georgia, wo Trump 2020 mit nur knapp 11.780 Stimmen Rückstand verlor, ist die Debatte um die Legitimität von Wahlergebnissen omnipräsent. Laut Umfragen zweifeln noch immer rund ein Drittel der Amerikaner daran, dass Joe Biden die Wahl 2020 rechtmäßig gewonnen hat.
Rita, eine Deutsch-Amerikanerin mit doppelter Staatsbürgerschaft, engagiert sich aktiv für die Demokraten – nicht als Parteimitglied, sondern aus Überzeugung. Sie geht von Haustür zu Haustür, um zur Wahl aufzurufen. Dabei begegnet ihr vor allem eines: Resignation. Junge Männer erklären ihr offen, dass Wählen „sowieso keinen Sinn” mache. Das Vertrauen in das Wahlsystem ist bei Teilen der Bevölkerung grundlegend erschüttert.
Diese Stimmung macht die Midterm-Wahlen zu einem Stimmungstest: Wer die Mehrheit im Kongress kontrolliert, bestimmt, wie viel Trump in seiner zweiten Amtszeit tatsächlich umsetzen kann. Zuletzt zogen sich zwei große republikanische Geldgeber aus dem Wahlkampf in New Jersey zurück – ein Signal, dass interne Umfragen der Partei dort einen Sieg als unwahrscheinlich einstufen.
Milliarden-Wahlkampf und gespaltene Nation
Diese Zwischenwahlen gelten als die teuersten in der US-Geschichte. Schätzungen zufolge werden rund 11,6 Milliarden Dollar in den Wahlkampf investiert – mehr als bei der Präsidentschaftswahl zwei Jahre zuvor. Wer das meiste Geld für Werbung ausgibt, hat in der amerikanischen Politik traditionell einen entscheidenden Vorteil.
Trotz Rekordbörsen und milliardenschwerer Investitionen – vor allem in künstliche Intelligenz – spüren viele einfache Bürger diesen Aufschwung nicht im Alltag. „Wenn wir eine Lohnerhöhung bekommen, bist du froh über einen Dollar mehr – und er reicht noch nicht mal, um die gestiegenen Kosten aufzufangen”, sagt eine Frau aus New Jersey.
Das gespaltene Amerika zeigt sich auch in den Early-Voting-Stationen: Demokraten und Republikaner stehen Schulter an Schulter in der Warteschlange – mit grundverschiedenen Hoffnungen. Die einen wollen Trump stoppen, die anderen glauben, dass er am Ende seiner Amtszeit liefern wird. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die eigene Stimme etwas verändern kann – auch wenn viele längst daran gezweifelt haben.
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