ETF-Entsparplan: So schützt du dein Kapital
Beim ETF-Entsparplan droht das Renditereihenfolgerisiko. Wie du dein Kapital clever in Töpfe aufteilst und Börsencrashs aussitzt – konkrete Strategie.
Dieses Video wurde am 04.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Wer jahrelang mit einem ETF-Sparplan Vermögen aufgebaut hat, steht irgendwann vor einer neuen Herausforderung: dem geordneten Entsparen. Der Wechsel vom Aufbau zur Auszahlung klingt simpel, birgt aber ein oft unterschätztes Risiko – das sogenannte Renditereihenfolgerisiko. Ein konkretes Beispiel macht deutlich, warum ein durchdachter ETF-Entsparplan entscheidend ist und wie Anleger ihr Kapital clever schützen können.
Das Renditereihenfolgerisiko: Der unterschätzte Feind beim Entsparen
Während des Vermögensaufbaus ist ein Börsencrash zwar unangenehm, aber beherrschbar – man kauft einfach weiter und profitiert sogar von günstigeren Kursen. Beim Entsparen dreht sich dieser Mechanismus jedoch um. Wer regelmäßig Anteile verkaufen muss, ist auf Gedeih und Verderb dem aktuellen Kursniveau ausgeliefert.
Ein historisches Rechenbeispiel mit DAX-Daten verdeutlicht das Problem drastisch: Wer Anfang 1999 mit 50.000 Euro startete und monatlich 1.000 Euro entnahm, schaffte 50 volle Monatsraten. Wer nur ein Jahr später – kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase – begann, kam lediglich auf 36 Monatsraten. Ein einziges Jahr Unterschied beim Startpunkt kostete in dieser Modellrechnung 14 Monatsraten. Entscheidend ist also nicht allein die durchschnittliche Rendite, sondern wann Gewinne und Verluste auftreten.
Die Topf-Strategie: Kapital clever aufteilen
Die Lösung liegt in einer strukturierten Aufteilung des vorhandenen Kapitals. Statt das gesamte Geld in einem Welt-ETF zu belassen, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Kurzfristiger Topf (ca. 25 %): Verbleibt im Aktien-ETF für den langfristigen Horizont und kann Börsenschwankungen aussitzen.
- Mittelfristiger Topf (ca. 50 %): Festgeld, kurzlaufende Anleihen oder Laufzeit-ETFs, die zu den jeweiligen Auszahlungszeitpunkten fällig werden.
- Kurzfristiger Puffer (ca. 25 %): Tagesgeldkonto oder Geldmarkt-ETF für die unmittelbar bevorstehenden Auszahlungen.
Diese „Treppenstrategie” sorgt dafür, dass immer dann Kapital sicher verfügbar ist, wenn es tatsächlich gebraucht wird. Der Aktienanteil bekommt Zeit – und muss nicht im falschen Moment verkauft werden.
Flexibel bleiben: Aktienanteil dynamisch anpassen
Der Aktienanteil sollte nicht statisch bleiben. Läuft die Börse in der Anfangsphase des Entsparens gut, lohnt es sich, einen Teil der Gewinne in den sicheren Puffer umzuschichten – denn der Anlagehorizont wird mit jeder Auszahlung kürzer.
Bricht die Börse hingegen ein, kann zunächst aus dem Sicherheitspuffer gezahlt werden. Die Aktienanteile bleiben dann unangetastet und können an einer späteren Erholung teilhaben. Der Puffer kauft damit etwas Unbezahlbares: Zeit.
Wie hoch der Aktienanteil sein darf, hängt auch von der individuellen Situation ab. Wer außerhalb des Depots noch ausreichende Reserven oder ein stabiles laufendes Einkommen hat, kann eine höhere Aktienquote von beispielsweise 40 % verantworten. Die entscheidende Frage lautet: Welchen Betrag kann ich nach einem Börsencrash unangetastet lassen, ohne das eigentliche Ziel – etwa die Studienfinanzierung – zu gefährden?
Unterschied zum Ruhestand: Langfristiges Entsparen ist anders
Für Rentner gelten andere Maßstäbe. Wer mit 67 Jahren ein größeres Depot hat und dieses über 20 bis 30 Jahre entspart, kann einen deutlich größeren Anteil in Aktien investiert lassen. Der Zeithorizont ist länger, der Handlungsdruck pro Monat geringer.
Dennoch gilt auch hier: Ein Sicherheitspuffer für mindestens ein bis zwei Jahre laufender Entnahmen schützt davor, in einem Crash zu ungünstigen Kursen verkaufen zu müssen.
Die übergeordnete Lektion lautet: Vermögen aufbauen und Vermögen auszahlen sind zwei grundverschiedene Disziplinen. Beim Sparen ist Zeit der größte Verbündete des Aktienanlegers. Beim Entsparen kann ein fixer Auszahlungstermin zum Gegner werden. Je näher und zwingender der Zeitpunkt des Geldbedarfs rückt, desto weniger sollte dieses Kapital vom tagesaktuellen Börsenkurs abhängen – eine Wahrheit, die manchmal bedeutet: nicht alles auf Aktien.
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