US-Midterms: Chrupalla kritisiert Trump scharf
Nach den US-Midterms übt AfD-Chef Tino Chrupalla deutliche Kritik an Donald Trump: gebrochene Wahlversprechen und neue Kriege seien die Ursache der Niederlage.
Dieses Video wurde am 04.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die US-Midterms haben Donald Trump und die Republikaner hart getroffen: Die Demokraten gewannen beide Kammern des US-Kongresses zurück – ein klares Votum gegen den amtierenden Präsidenten. Bemerkenswert ist dabei, wer Kritik an Trump übt: Tino Chrupalla, Bundesvorsitzender der AfD, einer Partei, die Trump lange als politisches Vorbild feierte. Im Interview mit dem WELT Nachrichtensender zieht Chrupalla eine ernüchternde Bilanz der Trump-Regierung und nennt gebrochene Wahlversprechen als entscheidende Ursache für das Wahlergebnis.
Gebrochene Versprechen als Hauptgrund der Niederlage
Chrupalla sieht die Wurzel von Trumps Wahlschlappe in einer klaren Diskrepanz zwischen Ankündigungen und Realität. Trump habe den amerikanischen Bürgern Frieden und soziale Sicherheit versprochen – geliefert habe er das Gegenteil.
Besonders das Scheitern beim Ukraine-Versprechen wiegt schwer: Trump hatte angekündigt, den Krieg bereits am ersten Tag seiner Amtszeit zu beenden. Zur Halbzeit seiner Präsidentschaft dauern die Kämpfe an. Stattdessen seien neue Konflikte hinzugekommen, darunter ein Krieg gegen den Iran, der zur Sperrung der Straße von Hormus geführt und die Energiepreise in den USA massiv in die Höhe getrieben habe.
„Das ist die Quittung dafür, wenn man Wahlversprechen nicht einhält”, so Chrupalla wörtlich. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten hätten die amerikanischen Wählerinnen und Wähler den Republikanern nicht verziehen.
Ukrainekrieg und Iran: Chrupallas außenpolitische Forderungen
Mit Blick auf die außenpolitischen Konsequenzen des Wahlergebnisses hofft Chrupalla auf ein Umdenken Trumps. Vor allem im Irankonflikt fehle bislang eine erkennbare Exitstrategie – selbst innerhalb der Republikanischen Partei wachse die Kritik daran, wie man aus diesem Krieg noch gesichtswahrend herauskomme.
Beim Ukrainekrieg plädiert Chrupalla für verstärkten Druck auf Präsident Selenskyj, um zunächst einen Waffenstillstand zu erreichen und anschließend Verhandlungen mit Russland auf Augenhöhe zu führen. Die bisherigen westlichen Sanktionen – er nennt über 22 Pakete der EU – hätten den Krieg nicht beendet, sondern verschärft. Stattdessen habe vor allem die amerikanische Rüstungsindustrie profitiert, während zunehmend Europäer und Deutsche die finanziellen Lasten trügen.
Positiv bewertet Chrupalla die Bereitschaft des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, gemeinsam mit Trump und Putin Gespräche aufzunehmen. Europa hingegen befinde sich erneut an der Außenlinie, weil es den Konflikt durch weitere Waffenlieferungen befeuere.
AfD und die Konsequenzen für Deutschland
Chrupalla zieht eine direkte Parallele zwischen den USA und Deutschland. Wer Wahlversprechen breche und die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung verschlechtere, müsse mit ähnlichen Wahlergebnissen rechnen. Diese Warnung richtet er ausdrücklich an Friedrich Merz: Wer seine Umfragewerte verbessern wolle, müsse die Folgen weiterer Aufrüstung für die Wirtschaft stärker berücksichtigen.
Für Deutschland fordert Chrupalla konkrete Schritte zur Kostensenkung:
- Rückkehr zur Kernenergie
- Wiederaufnahme russischer Gasimporte
- Stopp der Deindustrialisierung durch günstigere Energiepreise
- Sicherung des sozialen Zusammenhalts durch wirtschaftliche Stabilität
Auf die Frage, ob die AfD nach den Midterms nun auch Kontakte zu den Demokraten ausbaue, antwortete Chrupalla pragmatisch: Die Partei führe Gespräche mit allen wichtigen Handelspartnern und schließe keine Seite aus – einschließlich Russlands als Energielieferant.
Einordnung: Was das Ergebnis für Trump bedeutet
Die Midterm-Niederlage verändert die Machtarithmetik in Washington grundlegend. Mit einer demokratischen Mehrheit in beiden Kammern wird Trumps Handlungsspielraum in der Innen- wie Außenpolitik deutlich enger. Ob dies zu einem außenpolitischen Kurswechsel führt – etwa in der Ukraine- oder Iranpolitik – bleibt offen. Für die europäischen Partner, darunter Deutschland, bedeutet das Ergebnis vor allem eines: Mehr Unsicherheit über den künftigen Kurs der USA, aber möglicherweise auch neue Verhandlungsspielräume. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Trump aus der Wahlschlappe Konsequenzen zieht oder seinen bisherigen Kurs beibehält.
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