Friday, 6. November 2026
Halbleiter

Nasdaq-Crash: KI-Blase oder Sektorkrise?

Der Nasdaq 100 erlebte seinen schlechtesten Tag seit dem Corona-Crash: Was hinter dem Nasdaq-Crash steckt, was Rheinmetall damit zu tun hat und was Anleger jetzt tun sollten.

Redaktion · 6. November 2026, 04:45 Uhr · 5 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 06.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der Nasdaq 100 hat seinen schlimmsten Handelstag seit dem Corona-Crash im März 2020 erlebt: Ein Einbruch von 6,4 Prozent vernichtete an einem einzigen Tag rund 2,3 Billionen Dollar an Börsenwert – das entspricht knapp der Hälfte der gesamten deutschen Jahreswirtschaftsleistung. Auslöser war eine abrupte Neubewertung der KI-Infrastruktur nach den US-Zwischenwahlen. Gleichzeitig belastete eine erneute Prognosesenkung von Rheinmetall den deutschen Markt.

Nasdaq-Crash: Was an diesem Handelstag geschah

Der S&P 500 verlor 4,4 Prozent, der Dow Jones fiel um 3,4 Prozent – rund 1.800 Punkte. Damit räumte die Wall Street die gesamten Kursgewinne vom Wahltag in einem einzigen Handelstag wieder ab. Das Angstbarometer VIX schoss um mehr als 60 Prozent nach oben.

Am härtesten traf es Halbleiterwerte. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor über 12 Prozent – ebenfalls der größte Tagesverlust seit der Pandemie.

  • Nvidia: minus 9,3 Prozent, rund 450 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet
  • Broadcom: minus 10 Prozent
  • Qualcomm: minus 9,5 Prozent trotz geschlagener Quartalszahlen
  • ARM Holdings: minus 12 Prozent
  • Speicherhersteller Seagate, Western Digital und SanDisk: Verluste bis zu 22 Prozent

Auch Tesla und SpaceX blieben nicht verschont. Beide Unternehmen verloren seit Dienstag zusammen rund 420 Milliarden Dollar an Börsenwert – eine persönliche Niederlage für Elon Musk, der laut Financial Times mit 470 Millionen Dollar der größte republikanische Wahlkampfspender gewesen war, dessen Kandidaten in Texas, Ohio und Georgia jedoch mehrheitlich scheiterten.

Politischer Auslöser, strukturelle Ursache

Die Zwischenwahlen waren der Funke, das eigentliche Pulverfass aber stand längst bereit. In Texas, Ohio und Georgia setzten sich Kandidaten durch, die sich gegen den Bau neuer Rechenzentren ausgesprochen hatten. Investoren befürchten nun, dass ein demokratisch kontrollierter Kongress den Ausbau der KI-Infrastruktur erschweren könnte.

Dazu kommen strukturelle Zweifel: Die großen Hyperscaler – Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta – verschlingen mit neuen Rechenzentren so viel Kapital, dass ihr freier Cashflow massiv unter Druck gerät. Gleichzeitig zeigt sich, dass KI-Agenten im operativen Betrieb oft noch nicht kostendeckend verkauft werden können. Technologisch funktioniert vieles beeindruckend, ökonomisch noch nicht.

Verstärkend wirkt, dass dieselben Techkonzerne ihre Aktienrückkäufe stark reduziert haben, weil das Geld in Rechenzentren fließt – genau dann also, wenn fallende Kurse eigentlich Stützungskäufe nötig machten. Hinzu kommen Margin Calls: Laut US-Aufsicht FINRA hatten Anleger im September knapp 1,5 Billionen Dollar an Wertpapierkrediten aufgenommen – 700 Milliarden mehr als zwei Jahre zuvor.

Sektorrotation statt Systembruch

Trotz der heftigen Verluste sprechen Marktbeobachter eher von einer Sektorrotation als von einem breiten Börsencrash. Defensive Branchen laufen seit Wochen stärker, Kapital wandert in Anleihen und Geldmarktfonds. Apple notierte am Absturztag sogar leicht im Plus.

Ein positives Einzelbeispiel lieferte AppLovin: Das Unternehmen, das KI-gesteuerte Werbung in Mobil-Apps vermarktet, stieg inmitten des Ausverkaufs um knapp 30 Prozent. Der Quartalsumsatz wuchs um 55 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so schnell wie die großen Werbeplattformen der Branche. Besonders bemerkenswert: Von jedem Umsatzdollar bleiben 84 Cent als bereinigtes operatives Ergebnis.

Der Nasdaq 100 liegt inzwischen mehr als 10 Prozent unter seinem Rekordhoch – das entspricht einer Korrektur, aber noch keinem Bärenmarkt, der erst bei minus 20 Prozent beginnt. Investor Joachim Pech sieht das als Kaufgelegenheit für selektive Positionen und verweist auf Warren Buffetts Grundsatz: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind – und gierig, wenn andere ängstlich sind.”

Rheinmetall: Konzern auf Bewährung

Parallel zum Wall-Street-Beben erschütterte eine weitere Hiobsbotschaft den deutschen Markt: Rheinmetall senkte zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate seine Prognose. Der Rüstungskonzern rechnet nun nur noch mit einem Umsatz von rund 13,2 Milliarden Euro statt der bisher anvisierten 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Die operative Marge soll bei 18,5 statt 19 Prozent liegen.

Besonders schmerzt der Cashflow: Das ursprüngliche Ziel, mehr als 40 Prozent des operativen Ergebnisses in freien Cashflow umzuwandeln, wurde gestrichen. In den ersten neun Monaten steht ein Minus von 1,7 Milliarden Euro. Ursachen sind Verzögerungen bei Genehmigungen für den Transportpanzer Boxer, spätere Abnahme von Artilleriemunition und ein langsameres Raketengeschäft mit dem niederländischen Partner Destinus.

Dabei sind die Wachstumszahlen an sich stark: Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um 38 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro, das Auftragsbuch umfasst 78 Milliarden Euro – das Sechsfache des Jahresumsatzes. Das Problem ist die Frage, wie pünktlich Rheinmetall aus diesen Aufträgen tatsächlich Umsatz und Cash macht.

Der Bloomberg-Konsens aus 26 Analysten sieht ein durchschnittliches Kursziel von rund 1.520 Euro – rund 78 Prozent über dem aktuellen Niveau von etwa 850 Euro. Eine einzige Verkaufsempfehlung findet sich darunter nicht. Entscheidend wird der Kapitalmarkttag Ende November, an dem Konzernchef Armin Papperger erklären muss, wie realistisch das Ziel von 50 Milliarden Euro Umsatz bis 2030 noch ist. Bis dahin behandelt die Börse Rheinmetall wie einen Konzern auf Bewährung.

Die KI-Story an der Börse ist nicht vorbei – aber die Ära, in der allein das Wort „Rechenzentrum” für steigende Kurse reichte, dürfte fürs Erste enden. Für Anleger könnte eine Phase beginnen, in der weniger Euphorie, dafür aber mehr Auswahl bei qualitativ hochwertigen Investments wartet.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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