Dieses Video wurde am 05.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein Jahr im Amt – und die Bilanz fällt gemischt aus: Friedrich Merz als Bundeskanzler hat die hohen Erwartungen, die er selbst geweckt hatte, bislang nicht vollständig erfüllt. ARD-Hauptstadtkorrespondentin Efi Seibert, die die Bundesregierung aus nächster Nähe beobachtet, analysiert im Tagesschau-Podcast 11KM, wo der CDU-Politiker Fortschritte erzielt hat – und wo er immer wieder stolpert. Das Urteil fällt differenziert aus: zwischen echtem Lernprozess, kommunikativen Patzern und dem schwierigen Spagat zwischen Parteiführung und Regierungsverantwortung.
Vom Oppositionsführer zum Regierungschef: Ein schwieriger Übergang
Friedrich Merz galt als begnadeter Oppositionspolitiker – scharf in der Analyse, pointiert in der Kritik. Mit dem Anspruch „Ich komme und ich mache” trat er die Kanzlerschaft an. Die Realität einer parlamentarischen Demokratie hat ihn seitdem eingeholt. Gesetzgebungsprozesse dauern, Kompromisse sind zwingend, und der Hebel lässt sich nicht einfach umlegen.
Dieser Lernprozess war für Merz erkennbar mühsam. Wer jahrelang die Fehler anderer analysiert hat, tut sich schwer damit, selbst Geduld aufzubringen. Nach einem Jahr im Amt wirkt er dennoch weiterhin motiviert – er freue sich erkennbar über seinen Job, so die Einschätzung aus dem ARD-Hauptstadtstudio.
Auf Reisen, etwa nach Indien, zeigt sich Merz nahbarer als bei offiziellen Terminen. Im direkten Austausch stellt er sich Fragen, erklärt Zusammenhänge und lässt sich beobachten – eine Seite, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft untergeht.
Erwartungsmanagement als größte Schwäche
Der gravierendste Kritikpunkt an Merz ist sein Erwartungsmanagement. Versprechen wie „Im Sommer werden Sie Verbesserungen spüren” oder das Schlagwort „Herbst der Reformen” blieben uneingelöst – und das, obwohl er als langjähriger Parlamentarier die Langsamkeit politischer Prozesse kennen musste.
Hinzu kommen Aussagen, die zwar inhaltlich nicht falsch sind, aber in ihrer Zuspitzung für Aufruhr sorgen:
- Die Bemerkung über das „Stadtbild” bei Migration ließ viele Menschen, die sich nicht repräsentiert fühlten, aufhorchen.
- Kritik an mangelnder Arbeitsleistung und Work-Life-Balance kränkte Pflegekräfte und andere Berufsgruppen mit harten Arbeitsbedingungen.
- Aussagen zur gesetzlichen Rente lösten Panik aus – besonders im Osten, wo viele keine private Vorsorge haben.
- Ein Kommentar zu Trumps Strategie im Schulbesuch gelangte bis ins Weiße Haus und belastete kurzzeitig das deutsch-amerikanische Verhältnis.
Das Muster ist laut Seibert klar: Merz sagt, was er denkt – aber er vergisst dabei zu oft, dass er als Kanzler spricht, nicht als Oppositionspolitiker.
Koalitionsführung und Personalfragen
Im Kabinett gelingt es Merz, die Große Koalition mit der SPD zusammenzuhalten – eine Leistung, die angesichts der vielfältigen Krisen nicht selbstverständlich ist. Die Zusammenarbeit mit Vizekanzler Lars Klingbeil funktioniert nach außen hin solide, auch wenn unionsinterne Kritiker meinen, die SPD bestimme im Hintergrund zu viel.
Bei der Personalauswahl zeigt sich eine Schwäche: Merz fehlt ein belastbares Netzwerk enger Vertrauter, wie es frühere Kanzler besaßen. Viele Ministerinnen und Minister der Union kamen ohne Regierungserfahrung ins Amt. Das war riskant – kann sich aber als Chance erweisen. Das Beispiel Gesundheitsministerin Nina Warken zeigt, dass Neulinge durchaus liefern können: Die zunächst belächelte Ministerin hat ihre Gesundheitsreform durchgeboxt.
Kanzleramtsminister Torsten Frei hingegen steht in der Kritik: Seine Aufgabe, intern zu koordinieren und den Kanzler abzusichern, erfüllt er nach Einschätzung vieler Beobachter nur unzureichend.
Fazit: Lernkurve erkennbar, Glaubwürdigkeit angekratzt
Nach einem Jahr im Amt ist Friedrich Merz kein gescheiterter, aber auch kein überzeugend angekommener Kanzler. Er bringt Gestaltungswillen mit, kämpft aber mit dem Widerspruch zwischen seiner direkten Kommunikationsart und den Anforderungen des Amtes. Merz selbst zitierte zuletzt den Philosophen Epiktet: „Nicht die Taten bewegen die Menschen, sondern die Worte über die Taten.” – und räumte ein, daran noch arbeiten zu müssen.
Genau das dürfte das Programm für sein zweites Amtsjahr sein: weniger zugespitzte Versprechen, mehr einlösbare Zusagen – und eine Kommunikation, die verbindet statt spaltet. Ob ihm das gelingt, wird maßgeblich darüber entscheiden, wie dauerhaft seine Kanzlerschaft Bestand hat.
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