Geburtenrate Deutschland: Warum bleiben Kinder aus?

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Dieses Video wurde am 06.05.2026 von DW auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die Geburtenrate in Deutschland ist 2025 auf den niedrigsten Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gesunken. Rund 350.000 mehr Menschen starben, als Kinder geboren wurden. Dabei zeigen Umfragen immer wieder: Deutsche wollen durchaus Familien gründen. Was verhindert also, dass aus diesem Wunsch Wirklichkeit wird? Demografieforscher liefern klare Antworten – und zeigen, welche Rolle Politik dabei spielen kann.

Geburtenrate auf historischem Tiefstand

Seit Mitte der 1970er Jahre bewegt sich die Fertilitätsrate in Deutschland konstant zwischen 1,2 und 1,6 Kindern pro Frau – weit unter dem Wert von etwa 2,0, der für eine stabile Bevölkerungsgröße notwendig wäre. Das bedeutet: Bereits die Elterngeneration war klein, und die Kindergeneration ist noch kleiner.

Professor Martin Bujard, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, beschreibt das Kernproblem nicht als schrumpfende Bevölkerung an sich, sondern als wachsendes Ungleichgewicht im Altersaufbau. Immer weniger junge Menschen finanzieren die Renten und Gesundheitsversorgung einer wachsenden Zahl von Ruheständlern.

Waren es früher fünf Erwerbstätige, die für einen Rentner aufkamen, werden es bald nur noch zwei sein. Die Folge: Entweder sinkt der Lebensstandard der Älteren, oder der der Jüngeren – oder beides.

Krisen als Hauptursache für den Geburtenrückgang

Der aktuelle Einbruch der Geburtenzahlen hat laut Bujard vor allem eine Ursache: die Mehrfachkrise der 2020er Jahre. Die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine, der Klimawandel und wirtschaftliche Unsicherheit haben dazu geführt, dass junge Menschen den Kinderwunsch nicht aufgegeben, sondern aufgeschoben haben.

Das belegt die Freda-Familienstudie, in der jährlich rund 30.000 junge Menschen zu ihren Familienabsichten befragt werden. Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • Der durchschnittliche Kinderwunsch liegt konstant bei 1,8 Kindern pro Frau und pro Mann.
  • Im Jahr 2021 lagen Kinderwunsch (1,8) und tatsächliche Fertilitätsrate (1,6) noch nah beieinander.
  • Heute klafft die Lücke: Kinderwunsch weiterhin 1,8 – tatsächliche Fertilitätsrate nur noch 1,3.
  • Bei den 20- bis 29-Jährigen liegt der Kinderwunsch sogar bei rund 2,0.

Die Schlussfolgerung ist klar: Deutsche wollen Kinder – sie warten nur auf den richtigen Moment, der sich unter den aktuellen Bedingungen immer weiter verschiebt.

Familienpolitik als Schlüssel: Erfolge und offene Baustellen

Deutschland hatte in den 2000er und 2010er Jahren bewiesen, dass Familienpolitik wirkt. Mit dem Ausbau von Kita-Plätzen, der Einführung von Ganztagsschulen und dem einkommensabhängigen Elterngeld stieg die Fertilitätsrate von 1,3 auf 1,6. Ein Blick auf Frankreich und die skandinavischen Länder hatte als Blaupause gedient: Dort sind sowohl die Geburtenraten als auch die Erwerbstätigkeit von Müttern höher.

Doch der Reformschwung reicht noch nicht weit genug. Bujard plädiert für ein Umdenken beim Thema Arbeitszeit, besonders in der sogenannten „Rushhour des Lebens” – den Jahren, in denen Kinder klein und besonders betreuungsintensiv sind.

Umfragen zeigen: Wenn das jüngste Kind zwei bis vier Jahre alt ist, halten junge Menschen eine Wochenarbeitszeit von rund 34 Stunden für Väter und weniger für Mütter für ideal. Sobald die Kinder in die Schule kommen, wollen beide Partner wieder Vollzeit arbeiten. Ein familienpolitisches Modell, das diesen Rhythmus unterstützt, könnte laut Bujard entscheidend dazu beitragen, den Wunsch nach Kindern in die Realität zu überführen.

Kann Zuwanderung den Geburtenrückgang ausgleichen?

Eine naheliegende Frage ist, ob Einwanderung das demografische Problem lösen kann. Die Antwort der Forschung ist klar: nein – zumindest nicht grundlegend. Zuwanderung ist wichtig, um Engpässe auf dem Arbeitsmarkt abzupuffern. Doch sie löst das strukturelle Ungleichgewicht im Altersaufbau nicht.

Der Grund: Auch Zugewanderte werden älter, und ihre Fertilitätsrate gleicht sich erfahrungsgemäß schnell der des Aufnahmelandes an. Migration kann also ein ergänzendes Instrument sein, aber kein Ersatz für eine nachhaltige Bevölkerungspolitik.

Der demografische Wandel in Deutschland ist damit keine unausweichliche Schicksalsfrage, sondern eine politische Gestaltungsaufgabe. Die Voraussetzung dafür – der Wunsch der Menschen nach Kindern – ist vorhanden. Ob die Rahmenbedingungen folgen, entscheidet sich in den kommenden Jahren in Parlamenten, Unternehmen und Kitas.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (DW). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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