Dieses Video wurde am 12.08.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Goldsektor erlebt eine starke Erholungswoche – doch Barrick Mining (ABX) fällt dabei negativ auf. Während Goldpreis, Silber und die meisten Minenaktien deutlich zulegen, kassierte die Barrick-Aktie nach den jüngsten Quartalszahlen und einem strategisch umstrittenen Deal erhebliche Verluste. Auslöser ist ein Streit mit Partner Newmont rund um das gemeinsame Joint Venture Nevada Gold Mines – und ein Einigungspreis, den Analysten als deutlich zu niedrig einstufen.
Goldmarkt dreht nach oben – Zinswende im Fokus
Hintergrund der Goldmarktrally sind veränderte Zinserwartungen in den USA. Ein überraschend schwacher Arbeitsmarktbericht hat die Annahme, die US-Notenbank Fed werde im September die Zinsen anheben, ins Wanken gebracht. Nicht nur die aktuellen Zahlen enttäuschten – die Beschäftigungsdaten für Mai und Juni wurden zudem kräftig nach unten revidiert.
Rund 50 Prozent der Marktteilnehmer rechnen laut dem FedWatch-Tool noch mit einer Zinspause, 50 Prozent mit einer Senkung. Wichtige Inflationsdaten dürften das Bild weiter schärfen. Ein schwächeres Zinsumfeld gilt traditionell als Rückenwind für Gold und Silber.
Beim Goldpreis zeichnet sich laut Chartanalyse eine Bodenbildung ab. Ein tieferes Tief ist zwar nicht ausgeschlossen, wird aber als zunehmend unwahrscheinlich bewertet. Auch Silber hat wichtige Unterstützungsbereiche hinter sich gelassen – nennenswerte Widerstände liegen bei rund 67 und 70 US-Dollar sowie bei rund 90 US-Dollar, dem Hoch aus dem Mai.
Barrick Mining: Streit um Nevada Gold Mines und Vormeil-Projekt
Während der Sektor aufatmet, steht Barrick Mining unter Druck. Das Unternehmen plant, einen Anteil von 10 bis 15 Prozent seiner nordamerikanischen Assets – darunter der Joint-Venture-Anteil an Nevada Gold Mines und die Mine Pueblo Viejo in der Dominikanischen Republik – separat an die Börse zu bringen.
Newmont, das 38,5 Prozent an Nevada Gold Mines hält, widerspricht: Eigentumsverhältnisse einzelner Minen seien noch nicht abschließend geklärt, insbesondere beim Vormeil-Projekt. Dieses Projekt gehörte bislang vollständig Barrick. Im Zuge einer Einigung wurde Vormeil nun in das Joint Venture eingebracht – Newmont erhält dafür 38,5 Prozent und zahlt 1,95 Milliarden US-Dollar.
Analysten reagierten skeptisch:
- Die Schätzungen für den Wert des Vormeil-Projekts lagen bei 10 bis 20 Milliarden US-Dollar.
- Für knapp 40 Prozent hätte Barrick rechnerisch rund 6 bis 7 Milliarden Dollar erhalten sollen.
- Selbst unter Einrechnung weiterer Newmont-Projekte liegt der erzielte Preis bei geschätzt rund 3 Milliarden – etwa die Hälfte der fairen Bewertung.
- Aktionäre profitieren vom geplanten Börsengang nicht direkt: Freiaktien sind nicht vorgesehen.
Barrick argumentiert, der Deal spare Kosten für Bankenstudien und ermögliche eine eigenständige Entwicklung ohne externe Finanzintermediäre. Marktbeobachter halten das jedoch nicht für eine ausreichende Rechtfertigung des Bewertungsabschlags.
Weitere Moves: Senegal-Verkauf, Aris Mining und Kinross
Parallel hat Barrick sein Joint-Venture-Projekt im Senegal für 200 Millionen US-Dollar an Fortuna Mining verkauft. Das Projekt liegt südlich von Diambasu, das Fortuna ohnehin entwickeln will – eine Kombination, die für Fortuna strategisch sinnvoll erscheint, auch wenn bislang keine eigene Ressource vorlag.
Aris Mining wurde von einem Analysten abgestuft, weil der Cashflow durch ein neues Projekt in der Elfenbeinküste temporär sinken könnte. Kritiker dieser Einschätzung verweisen darauf, dass Aris zu den Unternehmen gehört, die die höchste Ausschüttungsquote der Branche aufrechterhalten – selbst bei einer Reduktion von 50 auf 30 Prozent des freien Cashflows bliebe das Unternehmen branchenführend.
Bei Kinross (Kör Mining) sorgte die erste vollständige Bilanzierung der übernommenen New-Gold-Minen Rainy River und New Efton zunächst für Verstimmung: Die Prognosen für beide Minen wurden gesenkt, Kupfer- und Goldausstoß blieben hinter den Erwartungen zurück. Der Markt erholte sich jedoch rasch – ein Zeichen dafür, dass der übergeordnete Bullenmarkt bei Minenaktien intakt ist.
Ausblick: Kupfer, Lithium und Explorationsrisiken
Kupferaktien wie Freeport-McMoRan versuchen nach oben auszubrechen. Zahlreiche weitere Kupferwerte präsentieren sich charttechnisch stark. Als strukturelles Zukunftsthema bleibt Kupfer aufgrund der Energiewende relevant – mögliche Zollmaßnahmen unter der US-Regierung könnten kurzfristig für Volatilität sorgen, gelten aber als Kaufgelegenheit.
Im Lithiumsegment zeigen Aktien wie die PLS Group erste Lebenszeichen nach einem mehrteiligen Abverkauf. Ein neuer Aufwärtstrend ist noch nicht etabliert, eine Stabilisierung zeichnet sich aber ab.
Ein Explorationsrückschlag traf Kingfisher Mining, an dem Barrick beteiligt ist: Bei einer Tiefbohrung ging ein bereits gesetztes Bohrloch unter schwierigen geologischen Bedingungen verloren. Solche Ereignisse sind bei sehr tiefen Bohrungen nicht ungewöhnlich, dämpfen aber kurzfristig das Anlegersentiment. Insgesamt bleibt der Goldsektor trotz einzelner Rückschläge in einer konstruktiven Ausgangslage – getragen von einem schwächeren Zinsausblick und einem technisch stabileren Goldpreis.
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