Dieses Video wurde am 11.08.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der DAX zeigt sich Mitte August in beeindruckender Verfassung: Am 11. August näherte sich der deutsche Leitindex seinem bisherigen Allzeithoch bei 26.415 Punkten auf nur vier Zähler an und schloss auf einem neuen Rekordschlusskurs bei 26.324 Punkten. Doch im Hintergrund brodelt es – steigende Anleiherenditen und geopolitische Unsicherheiten rund um den Iran und die Straße von Hormus mahnen zur Vorsicht. Ein Blick auf die Einzelwerte des Tages zeigt, wo Chancen und Risiken lauern.
DAX nahe Rekordhoch – Renditen bereiten Sorgen
Die Robustheit des Aktienmarktes überrascht angesichts des Zinsumfelds. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt aktuell bei 3,195 Prozent, zeitweise sogar über 3,2 Prozent. In den USA notieren die Treasuries bei 4,72 Prozent. Solche Niveaus gelten als Belastung für Bewertungen, besonders im zinssensitiven Immobiliensegment.
Dennoch bleibt der Aufwärtstrend intakt. Die zentrale Unterstützungszone liegt zwischen 25.900 und 26.000 Punkten. Solange der DAX darüber notiert, gilt das technische Bild als positiv. Kurzfristig ist jedoch eine Lösung im Iran-Konflikt nötig, um ein Übergreifen der Rohstoff- und Zinsturbulenzen auf die Aktienmärkte zu verhindern.
Adidas und Cancom: Tradingchance vs. Zurückhaltung
Adidas steht aus technischer Perspektive wieder interessanter da. Nach dem Kursrückgang infolge enttäuschender Quartalszahlen steuert die Aktie auf ein Kurslücke (Gap) zu, deren obere Kante knapp unterhalb von 180 Euro liegt. Gelingt der Ausbruch über das Julihoch, könnte sich eine kurzfristige Tradingchance ergeben. Fundamental überzeugt Adidas mit einer soliden Modellpolitik, auch wenn die jüngsten Zahlen die Erwartungen verfehlten.
Bei Cancom präsentierte sich das erste Halbjahr zweigeteilt: Der Umsatz ging zurück, doch das EBIT wurde deutlich gesteigert, das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) legte um 34 Prozent zu. Belastend wirkt, dass viele Kunden Investitionsentscheidungen verschieben. Die Jahresprognose wurde bestätigt: Umsatz zwischen 1,75 und 1,85 Milliarden Euro, EBITDA zwischen 110 und 130 Millionen Euro. Die Marktreaktion blieb verhalten – und angesichts anhaltender KI-Disruptionssorgen drängt sich die Aktie derzeit nicht auf.
Rheinmetall, Salzgitter und PNE im Überblick
Für Rheinmetall hat die Royal Bank of Canada eine neue Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.600 Euro und der Einstufung „Outperform” veröffentlicht. Die Analysten erwarten bis 2030 ein durchschnittliches EBITA-Wachstum von 35 Prozent, getrieben durch die europäische Aufrüstung. Technisch wäre ein nachhaltiger Ausbruch über die 1.200-Euro-Marke ein starkes Signal für den Abwärtstrendkanal-Bruch.
Salzgitter überraschte mit soliden Halbjahreszahlen: Das EBITDA stieg um 138 Prozent auf rund 280 Millionen Euro, die operative Gewinnzone wurde zurückerobert. Treiber waren unter anderem die Aurubis-Beteiligung und das Ergebnisprogramm P28. Die Jahresprognose – Umsatz rund 9,5 Milliarden Euro, bereinigtes EBT 200 bis 300 Millionen Euro – wurde bestätigt. Herausforderungen bleiben:
- Hohe Energiekosten belasten die Margen erheblich
- Chinesische Billigimporte setzen die Branche unter Druck
- EU-Schutzmaßnahmen für die Stahlbranche könnten Entlastung bringen
- Nachfrage aus der Rüstungsindustrie stützt das Geschäft
- Charttechnisch gilt die 50-Euro-Marke als wichtige Unterstützung
Bei PNE trübt sich das Bild ein: Berichte über mangelndes Käuferinteresse für das gesamte Aktienpaket drückten den Kurs deutlich. Eine Erholung auf den Übernahme-Spekulationsniveaus erscheint kurzfristig unwahrscheinlich. Das schwierige Branchenumfeld für Windenergie verstärkt die Zurückhaltung.
SÜSS MicroTec und TAG Immobilien unter der Lupe
SÜSS MicroTec gab nach einem kurzfristigen Anstieg über die 80-Euro-Marke wieder nach – im Sog schwacher KI-Zulieferer wie Lumentum und Coherent. Das technische Bild bleibt einigermaßen stabil, solange das jüngste Tief nicht unterschritten wird. Die hohe Bewertung spiegelt viel Vorschusslorbeeren wider: Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen in den kommenden Quartalen die erhofften Aufträge im Packaging-Bereich tatsächlich profitabel abarbeiten kann.
Bei TAG Immobilien zeigte der Halbjahresbericht ein gemischtes Bild. Der FFO (Funds from Operations) verbesserte sich um 9 Prozent, der Substanzwert je Aktie stieg auf 21,38 Euro. Belastend wirkt der gestiegene Loan-to-Value (LTV), der auf höhere Zinskosten hinweist. Positiv: Das Mietwachstum bleibt robust, und das stark ausgebaute Wohnportfolio in Polen sowie der Börsengang der dortigen Tochter stärken die Bilanz und den Finanzierungsspielraum. Für eine nachhaltige Kurserholung in Richtung 16 bis 16,80 Euro sind jedoch spürbar sinkende Zinsen – idealerweise unter 3 Prozent – unabdingbar.
Insgesamt bleibt der Markt in einer heiklen Balance: Die Aktienmärkte trotzen dem Zinsanstieg bemerkenswert gut, doch die Luft wird dünner. Anleger sind gut beraten, neben der Fundamentalanalyse die charttechnischen Signale im Blick zu behalten und bei Einzelwerten wie Cancom oder PNE vorerst abzuwarten.
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