Dieses Video wurde am 20.08.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Berlin ist Opfer eines schwerwiegenden Hackerangriffs auf das IT-Landesnetz der Verwaltung geworden. Das bestätigte der Senat am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Forensische Untersuchungen hätten eine sogenannte Inkriminierung des Netzes ergeben – also einen gezielten, tief gehenden Eingriff in die IT-Infrastruktur. Als Sofortmaßnahme wurden zwei Berliner Senatsverwaltungen bereits am vergangenen Freitag vollständig vom Landesnetz getrennt. Angesichts der bevorstehenden Abgeordnetenhauswahl am 20. September gibt es vorerst eine teilweise Entwarnung: Die für die Wahl benötigten Systeme sind nach aktuellem Stand nicht betroffen.
Hackerangriff auf das Landesnetz: Was bisher bekannt ist
Regierender Bürgermeister Kai Wegner bestätigte den Vorfall öffentlich und sprach von einem Angriff auf das gesamte Berliner Landesnetz. Die Tragweite des Angriffs wird derzeit noch vollständig ermittelt. Konkrete Angaben zu den Hintergründen oder den mutmaßlichen Tätern machten die Verantwortlichen mit Verweis auf laufende Ermittlungen vorerst nicht.
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls wurden umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Im Zentrum stand dabei die Einrichtung eines Notfallkrisenstabs, der die Absicherungs- und Untersuchungsmaßnahmen koordiniert.
Zwei Senatsverwaltungen vom Netz isoliert
Besonders betroffen sind zwei Berliner Behörden, die bereits am Freitag präventiv vom Landesnetz getrennt wurden:
- Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
- Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
Bürgermeister Wegner erklärte, dass intensiv daran gearbeitet werde, beide Verwaltungen so schnell wie möglich wieder in das Netz einzubinden. Dieser Prozess werde jedoch noch einige Tage in Anspruch nehmen, da die forensischen Untersuchungen laufend fortgesetzt werden müssen, bevor eine sichere Wiederanbindung möglich ist.
Die Isolierung der Behörden soll verhindern, dass sich ein möglicherweise eingeschleuster Schadcode weiter im Netz ausbreitet oder Angreifer dauerhaft Zugriff auf weitere Systeme erlangen.
Ermittlungsbehörden und BSI eingeschaltet
Die Aufklärung des Angriffs liegt nicht allein in den Händen der Berliner Verwaltung. Mehrere Stellen sind in die Ermittlungen eingebunden:
- Das Landeskriminalamt Berlin
- Die Staatsanwaltschaft Berlin
- Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
Die Einbindung des BSI unterstreicht die Schwere des Vorfalls. Die Bundesbehörde ist für Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur und staatliche Stellen zuständig und bringt spezialisierte forensische Kapazitäten mit.
Wahlsysteme vorerst nicht betroffen
Angesichts der Abgeordnetenhauswahl am 20. September richtet sich das besondere Augenmerk auf die Integrität der wahlrelevanten IT-Systeme. Innensenatorin Iris Spranger gab hierzu eine vorsichtige Entwarnung: Nach aktuellem Ermittlungsstand seien die Systeme, die für die Durchführung der Wahl benötigt werden, nicht betroffen.
Spranger betonte jedoch, dass die Untersuchungen noch laufen und eine abschließende Bewertung noch nicht möglich sei. Die Sicherheit des Landesnetzes habe für den Senat derzeit oberste Priorität.
Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie verwundbar öffentliche IT-Infrastrukturen gegenüber Cyberangriffen sind. Gerade im Vorfeld von Wahlen stehen staatliche Stellen unter besonderem Druck, die Integrität digitaler Systeme zu gewährleisten. Ob und wer hinter dem Angriff steckt, dürfte die Ermittler noch länger beschäftigen – mit möglicherweise weitreichenden Konsequenzen für die IT-Sicherheitsstrategie des Landes Berlin.
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