Dieses Video wurde am 20.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der bekannte Plagiatsjäger Stefan Weber hat schwerwiegende Vorwürfe gegen die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg erhoben. Laut Weber enthält ihre rechtswissenschaftliche Dissertation insgesamt 83 Plagiatsfragmente – darunter sogar die persönliche Danksagung an ihre Eltern. Weber stuft den Fall als den schwersten Plagiatsskandal in der Rechtswissenschaft seit Karl-Theodor zu Guttenberg ein. Badenberg hat inzwischen reagiert und eine unabhängige Prüfung ihrer Arbeit beantragt.
Plagiat Badenberg: Sogar die Danksagung betroffen
Besonders brisant an dem Fall ist, dass die kopierten Passagen bereits auf den ersten Seiten der Dissertation beginnen. Schon in der Danksagung – einem der persönlichsten Teile einer wissenschaftlichen Arbeit – soll Badenberg Formulierungen aus einer nicht zitierten Originalquelle übernommen haben. Ein direkter Textvergleich zeigt dabei teils wortgleiche Übernahmen, ohne diese als Zitate kenntlich zu machen.
Bereits auf Seite 1 der Dissertation finden sich laut Weber zwei weitere Stellen, an denen längere Passagen ohne entsprechende Quellenangabe übernommen wurden. Dies gilt in der Wissenschaft als klarer Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis.
Hinweise auf vorsätzlichen Textbetrug
Weber geht in seiner Analyse noch einen Schritt weiter: Er sieht eindeutige Hinweise auf vorsätzlichen Textbetrug. Als zentrales Indiz nennt er die mehrfache Verwendung des Ausdrucks „meines Erachtens” in Passagen, die aus fremden Quellen übernommen wurden. Durch diese Formulierung werde suggeriert, es handle sich um die eigene Einschätzung der Autorin – obwohl der Text nachweislich aus anderen Werken stamme.
Die Schwere der Vorwürfe fasst Weber in einem Vergleich zusammen:
- 83 identifizierte Plagiatsfragmente in der gesamten Dissertation
- Betroffene Stellen bereits ab der Danksagung und Seite 1
- Teils wortgleiche Übernahmen ohne Zitatnachweis
- Verwendung von Ich-Perspektive in kopierten Passagen als möglicher Vorsatzindikator
- Einordnung als schwerster Fall in der Rechtswissenschaft seit dem Guttenberg-Skandal
Badenberg beantragt unabhängige Prüfung durch die Universität Köln
Die im Iran geborene Senatorin hat sich mittlerweile gegenüber der Berliner Zeitung und dem Tagesspiegel zu den Vorwürfen geäußert. Sie betonte, die Dissertation nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt zu haben. Gleichzeitig habe sie die Universität zu Köln, an der die Arbeit eingereicht wurde, gebeten, die Dissertation unabhängig und umfassend zu prüfen.
Damit liegt die Entscheidung über mögliche Konsequenzen nun bei der Hochschule. Je nach Ergebnis der Prüfung könnte ihr der akademische Titel aberkannt werden – wie es bereits in anderen prominenten Plagiatsfällen geschehen ist.
Politisch brisante Rolle: Badenberg leitet das Berliner Justizprüfungsamt
Die Affäre erhält eine besondere politische Dimension durch Badenbergs Amt. Als Berliner Justizsenatorin ist sie auch für das Berliner Justizprüfungsamt zuständig – jene Behörde, die die juristischen Staatsprüfungen in der Hauptstadt organisiert und bewertet. Ausgerechnet die Behörde, die Prüflinge an strengen wissenschaftlichen und rechtlichen Maßstäben misst, wird damit von einer Senatorin geleitet, der selbst schwere Verstöße gegen akademische Integrität vorgeworfen werden.
Ob Badenberg ihr Amt bis zum Abschluss der Untersuchung behalten kann und wie die Universität Köln urteilen wird, dürfte in den kommenden Wochen zu einer ernsthaften politischen Belastungsprobe werden. Der Fall zeigt einmal mehr, wie Plagiatsskandale im digitalen Zeitalter schnell und detailliert aufgedeckt werden können.
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