Dieses Video wurde am 21.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Ukraine-Krieg hält der russische Präsident Wladimir Putin trotz stagnierender Frontlage an seinen Maximalzielen fest. Politikwissenschaftler Professor Gerhard Mango ordnet die aktuelle Lage ein: Putin sei über die tatsächliche Situation an der Front unzureichend informiert, glaube dennoch an eine baldige Eroberung des gesamten Donbas — und unterschätze dabei systematisch die Stärke des ukrainischen Widerstands. Gleichzeitig eskaliert Russland sowohl im Luft- und Seekrieg als auch im hybriden Angriff auf westliche Staaten.
Putin und das unrealistische Ziel: Donbas vollständig erobern
Laut Mango wird Putin von seinen eigenen Nachrichtenkanälen getäuscht. Die tatsächlichen Fortschritte der russischen Bodenoffensive im Donbas werden ihm offenbar geschönt dargestellt. Das bestärkt ihn in der Überzeugung, Russland sei militärisch deutlich stärker, als es die Frontlage zeigt.
Putin halte daher an seinem erklärten Ziel fest, die gesamte Region Donezk unter russische Kontrolle zu bringen — möglicherweise noch bis Ende 2026 oder Mitte 2027. Mango bewertet diese Einschätzung als „sehr, sehr unrealistisch”. Die militärischen Ressourcen und die tatsächliche Dynamik an der Front stützen diese Erwartung nicht.
Luftkrieg: Massive Raketenangriffe auf Kiew
Russland nutzt eine zentrale Verwundbarkeit der Ukraine gnadenlos aus: den Mangel an Patriot-Flugabwehrraketen. Da der Westen kaum noch neue Systeme liefern kann, dringen ballistische Raketen zunehmend ungehindert in den ukrainischen Luftraum vor. Die Angriffe auf Kiew und ukrainische Infrastruktur haben in den vergangenen drei Monaten massiv zugenommen.
Die Ukraine kann allerdings mit eigenen Mitteln zurückschlagen. Langstreckendrohnen und Marschflugkörper wie der FP5 verursachen auf russischem Territorium erheblichen Schaden. Allein ein Angriff auf ein großes russisches Logistikzentrum verursachte nach Schätzungen Schäden von mehr als zwei Milliarden Dollar — weit mehr, als Moskau offiziell einräumt.
Seekrieg und Welternährungskrise als unterschätzte Front
Weniger im öffentlichen Fokus steht der eskalierende Seekrieg im Schwarzen Meer. Beide Seiten beschießen Frachtschiffe und Hafenanlagen. Die Folgen sind weitreichend:
- Die Ukraine kann ihr bereits geerntetes Getreide kaum exportieren.
- Auch russische Getreideexporte sind massiv eingeschränkt.
- Steigende Preise für Weizen und Mais treffen ärmere Länder besonders hart.
- Experten warnen vor einer globalen Welternährungskrise.
Dieser wirtschaftliche Druck könnte die Ukraine laut Mango im bevorstehenden Winter zunehmend zur Verhandlungsbereitschaft zwingen — besonders wenn die Energieinfrastruktur weiter systematisch zerstört wird.
Hybrider Krieg gegen den Westen: Russlands neue Eskalationsstufe
Parallel zum Frontgeschehen intensiviert Russland seinen Hybridkrieg gegen westliche Staaten. Sabotageakte, Cyberangriffe, Desinformationskampagnen und der Einsatz von Agenten sind seit Jahren Instrumente russischer Außenpolitik — doch Mango warnt vor einer deutlichen Ausweitung dieser Aktivitäten.
Außenminister Sergej Lawrow hatte offen damit gedroht, alles zu zerstören, was die „Kriegsmaschine Kiews” im Westen unterstütze. Aus russischer Sicht sei der Westen durch Waffenlieferungen bereits zur Kriegspartei geworden — eine Einschätzung, die völkerrechtlich nicht haltbar ist, wie Mango betont. Waffenlieferungen an die Ukraine begründen nach internationalem Recht keine Kriegspartnerschaft.
Dennoch berechtigt sich Russland damit zu Gegenschlägen unterhalb der militärischen Schwelle. Die Resilienz europäischer Staaten, darunter Deutschland, sei für die Dichte und Schwere dieser Angriffe derzeit nicht ausreichend vorbereitet. Aufrüstung — auch im zivilen Bereich — und eine stärkere Absicherung kritischer Infrastruktur bleiben dringende Aufgaben.
Die Gesamtlage zeigt: Der Ukraine-Krieg ist längst kein regionaler Konflikt mehr. Er entfaltet sich gleichzeitig an der Front, im Luft- und Seekrieg sowie als hybrider Angriff auf die westliche Staatengemeinschaft. Ob Verhandlungen in absehbarer Zukunft realistisch werden, hängt maßgeblich davon ab, wie stark die Ukraine den kommenden Winter militärisch und wirtschaftlich übersteht.
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