CSU zu Merz: Söder hält sich alle Optionen offen
CSU-Fraktionschef Hollecheck verteidigt Söders Zurückhaltung beim CDU-Brief und weicht der Kanzlerfrage aus. Was das für die Union bedeutet.
Dieses Video wurde am 17.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin spitzt sich die Debatte über die Führungsstärke der Bundesregierung zu. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Bundeskanzler Friedrich Merz das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen kann – und welche Rolle Markus Söder dabei spielt. Klaus Hollecheck, CSU-Fraktionsvorsitzender, stellte sich am Mittwoch den Fragen und verteidigte die Haltung seiner Partei, ohne sich klar auf den Kanzler festzulegen. Gerade diese Zurückhaltung lässt aufhorchen.
Söder unterschreibt nicht – und das hat einen Grund
Ein Brief der CDU-Ministerpräsidenten, der Friedrich Merz den Rücken stärken soll, sorgt für Wirbel. Söder unterstützt den Brief inhaltlich, hat ihn aber nicht mitunterzeichnet. Hollecheck begründet das damit, Söder habe sich „die letzten Tage eindeutig positioniert” – eine Unterschrift sei daher nicht notwendig gewesen.
Kritiker sehen das anders: Der CSU-Chef halte sich bewusst eine Tür offen, um im Falle eines schlechten Wahlergebnisses nicht als Unterstützer eines gescheiterten Kanzlers dazustehen. Hollecheck wies diesen Verdacht zurück und bezeichnete die CSU als „stabiles Element” der Koalition.
Tatsächlich drängt sich die Frage auf, ob Söders Zurückhaltung strategisch kalkuliert ist – zumal er selbst als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt wird, sollte die Union einen personellen Neustart erwägen.
Merz: unbeliebtester Kanzler – und trotzdem Rückendeckung?
Hollecheck betont seine persönliche Wertschätzung für Friedrich Merz und dessen langjährige politische Arbeit. Doch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Merz gilt laut Umfragen als der unbeliebteste Kanzler, den Deutschland bisher hatte.
Innenpolitisch kann die Regierung bislang kaum Erfolge vorweisen. Die angekündigten Entlastungen beim Tanken und in anderen Bereichen sind vertagt. Hollecheck räumt ein, dass an Kommunikation und Umsetzung noch gearbeitet werden müsse – ein indirektes Eingeständnis der Schwäche.
- Keine nennenswerten Reformen vor den Landtagswahlen
- Geplante Entlastung bei Spritpreisen auf unbestimmte Zeit verschoben
- Schlechte Umfragewerte für Merz und die Koalition insgesamt
- Drohende Verluste der Union in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
„Es geht nicht nur um den Kanzler alleine”
Ein Satz von Hollecheck stach besonders heraus: „Es geht ja nicht nur um den Kanzler alleine, es geht um das Team, die Mannschaft.” Diese Formulierung lässt Interpretationsspielraum. Einerseits kann sie als Solidaritätsgeste gegenüber Merz gelesen werden – andererseits relativiert sie dessen Stellung erheblich.
Hollecheck betonte mehrfach, dass die CSU die Koalition stabilisiere und man gemeinsam Verantwortung trage. Die Personaldebatte bezeichnete er als zweitrangig gegenüber dem Lösen konkreter Probleme der Bürgerinnen und Bürger – von der Pflege über das Gesundheitswesen bis hin zu den Alltagskosten.
Gleichzeitig machte er klar: Ein Brief der Ministerpräsidenten allein reiche nicht. „Briefe alleine sind nicht entscheidend, sondern entscheidend ist, was wir gemeinsam tun.” Die Menschen müssten spüren, dass die Politik Mut und Umsetzungskraft zeige.
Ausblick: Wahlen als Wegscheide für die Union
Die Landtagswahlen am Sonntag gelten als wichtiger Stimmungstest für die Bundesregierung. In Mecklenburg-Vorpommern droht der Union der Einzug in den Landtag zu verpassen, in Berlin sind empfindliche Verluste möglich. Wie die CSU auf ein mögliches Debakel reagieren wird, bleibt offen.
Hollecheck rief zu Kampagneneinsatz bis zur letzten Stunde auf und ließ Konsequenzen für Merz im Falle schlechter Ergebnisse ausdrücklich unbeantwortet. Genau diese Offenheit dürfte in den kommenden Tagen für weiteren Gesprächsstoff sorgen – innerhalb der Union und darüber hinaus.
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