Thursday, 24. September 2026
StartWirtschaft & FinanzenBundesregierung
Bundesregierung

Reformchaos in Deutschland: Kurs halten statt zurückrudern

Das ständige Zurückrudern bei der Wirtschaftsreform schadet dem Standort Deutschland. Ein Ökonom des Kieler Instituts erklärt, was die Bundesregierung jetzt tun muss.

Redaktion · 23. September 2026, 20:00 Uhr · 3 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 23.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Das ständige Nachverhandeln und Zurückrudern bei der Wirtschaftsreform in Deutschland sendet nach Einschätzung von Ökonomen das falsche Signal. Professor Stefan Kurz, Direktor des Forschungszentrums Konjunktur und Wachstum am Kieler Institut für Weltwirtschaft, warnt: Wer immer neue Kriterien aufmacht und bereits beschlossene Vorhaben wieder aufschnürt, erzeugt Unsicherheit — und Unsicherheit ist Gift für die Konjunktur und für Investitionsentscheidungen. Die Bundesregierung steckt in einem selbst verschuldeten Dilemma, aus dem ein Ausweg immer schwieriger wird.

Reformverzögerung als strukturelles Problem

Die Kritik des Ökonomen richtet sich nicht in erster Linie gegen das Wahlvolk, sondern gegen die Regierung selbst. Der Reformprozess hätte laut Kurz bereits vor anderthalb Jahren ernsthaft beginnen müssen — im Wissen, dass einschneidende Maßnahmen zunächst auf Widerstand stoßen, langfristig aber dem gesamten Standort nutzen.

Stattdessen verstreicht wertvolle Zeit. Je länger die Reformen hinausgezögert werden, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Legislaturperiode mit substanziellen, standortstärkenden Entscheidungen endet. Das Ergebnis droht ein bloßes „Dahinplätschern” zu sein — ohne echte strukturelle Weichenstellungen.

Dabei ist der Protest betroffener Gruppen für Kurz kein überraschendes Phänomen: „Das ist immer so, wenn man in Besitzstände einschneiden muss.” Entscheidend sei, dass die Regierung darauf vorbereitet sei — und trotzdem Kurs halte.

Koalitionsstreit als eigentliche Ursache der Unsicherheit

Das weitaus gravierendere Problem sieht Kurz im fehlenden internen Konsens der Regierungskoalition. Weil sich die Koalitionspartner nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können, erkennen Interessengruppen von außen, dass ihr Protest noch Einfluss auf den Reformkurs nehmen kann — und nutzen diese Lücke konsequent.

Solange kein erkennbarer roter Faden durch die Reformagenda zieht, bleibt die Regierung im Modus des „Durchwurstelns” gefangen. Selbst eine Überprüfung auf soziale Gerechtigkeit — wie sie die Union nun fordert — bewertet Kurz als falsches Signal: Sie verzögert nicht nur, sondern verstärkt die Unsicherheit bei Unternehmen, Investoren und Bürgern.

Was eine glaubwürdige Reformagenda leisten muss

Damit Reformen Wirkung entfalten und gesellschaftliche Akzeptanz gewinnen, nennt Kurz mehrere Voraussetzungen:

  • Ein ambitionierter und demografiefester Umbau der sozialen Sicherungssysteme — der bisherige „Rentenkonsens” war nach seiner Einschätzung zu großzügig.
  • Konsequente Deregulierungsmaßnahmen in zentralen Wirtschaftsbereichen.
  • Eine Reform der Energiepolitik, die Planungssicherheit für Unternehmen schafft.
  • Eine erkennbare Handschrift, die sich durch alle Reformvorhaben zieht und zeigt: Jeder leistet einen Beitrag, und alle profitieren am Ende.

Entscheidend sei, dass es sich dabei nicht um eine bloße Umverteilungsaktion handeln dürfe. Am Ende müsse eine „Nettodividende” für den gesamten Wirtschaftsstandort stehen — also ein Mehrwert, der über Gruppeninteressen hinausgeht.

Reformbereitschaft wächst mit klarer Handschrift

Kurz zeigt sich überzeugt: Sobald die Bevölkerung erkennt, dass ein durchdachtes Gesamtkonzept hinter den Reformen steckt und nicht nur selektive Einschnitte, steigt auch die Reformbereitschaft. Wenn jeder sieht, dass alle einen Beitrag leisten und alle gemeinsam profitieren können, schwindet der Nährboden für partikularistischen Protest.

Die Bundesregierung hat nach dieser Analyse noch eine schmale Chance — aber nur, wenn sie aufhört, auf jeden Proteststurm mit Kursänderungen zu reagieren, und stattdessen mit einer klaren, konsistenten Agenda vorangeht. Die verbleibende Zeit der Legislaturperiode lässt dafür wenig Spielraum.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

RE

Redaktion

Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Schnell, klar und rund um die Uhr aktualisiert.

Kommentar schreiben

Mehr aus Wirtschaft & Finanzen

Alle Beiträge →