Peter Thiel erhält Axel-Springer-Award in Berlin
Peter Thiel wurde in Berlin mit dem Axel-Springer-Award ausgezeichnet – trotz Kritik an der Demokratie. Vor dem Verlagsgebäude gab es Proteste.
Dieses Video wurde am 25.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der US-Investor und PayPal-Mitgründer Peter Thiel ist am Donnerstag in Berlin mit dem Axel-Springer-Award ausgezeichnet worden. Die Ehrung sorgte für Kontroversen: Vor dem Hauptgebäude des Axel-Springer-Konzerns versammelten sich Demonstranten, um gegen die Preisvergabe zu protestieren. Thiel steht seit Jahren in der Kritik, weil er sich skeptisch gegenüber der Demokratie als Staatsform geäußert und die Vorzüge von Monopolen – insbesondere im Technologiesektor – öffentlich verteidigt hat.
Kritik an der deutschen Medienlandschaft
Bei der Preisverleihung nutzte Thiel die Bühne für eine scharfe Abrechnung mit den deutschen Medien. Er bezeichnete Teile der Medienlandschaft als „linke Hassfabrik” und beklagte eine weitreichende Einseitigkeit in der Berichterstattung.
Dem Axel-Springer-Verlag sprach Thiel ausdrücklich Lob aus: „Sie sind die Gegenstimmen in dieser sehr einseitigen Medienlandschaft, die bei weitem nicht so frei ist, wie wir es uns wünschen würden.” Springer-Vorstandschef Matthias Döpfner moderierte das Gespräch und lobte Thiel als Vordenker der Technologieszene.
Döpfner fragte Thiel, ob er seiner früheren Heimat Deutschland in Technologiefragen helfen könne. Thiels Antwort fiel schmunzelnd aus: „Ihr müsst nur fragen.”
Demokratieskepsis und Monopol-Befürwortung als Kritikpunkte
Die Vergabe des Awards an Thiel ist vor allem deshalb umstritten, weil der Investor in der Vergangenheit mehrfach die Demokratie als Staatsform infrage gestellt hat. Darüber hinaus hat er sich kritisch gegenüber freiem Wettbewerb geäußert und stattdessen Monopole – etwa im Technologiebereich – als wirtschaftlich sinnvoll bezeichnet.
Kritiker sehen in der Auszeichnung ein problematisches Signal, das antidemokratische Positionen salonfähig mache. Befürworter hingegen betonen Thiels Verdienste als Unternehmer und Investor, der maßgeblich zur Entstehung globaler Technologiekonzerne beigetragen hat.
- Mitgründer von PayPal, einem der weltweit führenden Zahlungsdienstleister
- Mitgründer von Palantir, dessen KI-gestützte Datenintegrationstools von Regierungen und Unternehmen weltweit genutzt werden
- Frühzeitiger Investor bei Facebook (heute Meta)
- Öffentliche Kritik an Demokratie und freiem Wettbewerb
- Unterstützer rechtslibertärer politischer Bewegungen in den USA
Europas Abhängigkeit von US-Technologie im Fokus
Die Auszeichnung fällt in eine Zeit, in der europäische Regierungen – darunter auch die Bundesregierung – zunehmend ihre Abhängigkeit von US-amerikanischen Technologieplattformen diskutieren. Besonders Palantirs KI-gestützte Datenanalysetools stehen im Mittelpunkt dieser Debatte, da sie sowohl von Behörden als auch von Privatunternehmen in großem Umfang eingesetzt werden.
Die Frage nach digitaler Souveränität und der strategischen Kontrolle über kritische Infrastruktur gewinnt in Europa an politischem Gewicht. Thiels Angebot, Deutschland in Technologiefragen zu unterstützen, dürfte vor diesem Hintergrund ambivalent aufgenommen werden.
Prominente Reihe bisheriger Preisträger
Mit dem Axel-Springer-Award reiht sich Thiel in eine Gruppe hochkarätiger Preisträger ein. Zu den bisherigen Empfängern zählen Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk sowie Sam Altman, der Vorstandsvorsitzende von OpenAI. Der Award gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen der Medien- und Technologiebranche im deutschsprachigen Raum.
Die Preisvergabe an Thiel zeigt, wie eng die Grenzen zwischen Technologieelite, Medienmacht und politischer Meinungsbildung geworden sind – und wie kontrovers diese Verbindungen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Ob Thiels Auszeichnung die Debatte über demokratische Werte und den Einfluss von Tech-Milliardären in Europa weiter befeuert, bleibt abzuwarten.
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