Donbas-Krieg: Putins Ziele und Kiews Lage
Putin behauptet, den Donbas in anderthalb Jahren zu erobern. Was steckt dahinter – und wie gefährdet sind Kiews Brücken durch russische Kamikaze-Drohnen?
Dieses Video wurde am 02.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Donbas-Krieg hat der russische Präsident Wladimir Putin ein ambitioniertes Ziel ausgegeben: In weniger als anderthalb Jahren will er das gesamte Donbas-Gebiet unter russische Kontrolle bringen – möglicherweise sogar früher. Diese Aussage tätigte Putin auf dem Waldai-Diskussionsforum in Moskau, wo er über dreieinhalb Stunden sprach. Gleichzeitig greifen russische Drohnen zunehmend die Transportinfrastruktur in und um Kiew an. Die Lage am Boden ist komplex – und Putins Darstellung weicht deutlich von den tatsächlichen Gegebenheiten ab.
Putins Donbas-Versprechen: Anspruch und Wirklichkeit
Auf dem Waldai-Forum behauptete Putin, die Ukraine halte im Gebiet Donezk noch lediglich elf Prozent des Territoriums. Unabhängige Einschätzungen gehen hingegen davon aus, dass ukrainische Kräfte mindestens 20 Prozent der Region kontrollieren. Die Provinz Luhansk befindet sich praktisch vollständig unter russischer Kontrolle, während Donezk zu etwa 80 Prozent von russischen Truppen besetzt ist.
Die russischen Streitkräfte üben derzeit Druck auf mehrere Orte aus, darunter Kostiantyniwka sowie den Raum Slowjansk-Kramatorsk. Gleichzeitig musste Russland im Bereich Lyman, ebenfalls in der Provinz Donezk, Rückschläge hinnehmen: Ukrainische Einheiten haben dort in den vergangenen Monaten bis zu 200 Quadratkilometer zurückerobert.
Putins Zeitplan von anderthalb Jahren gilt Beobachtern als äußerst ambitioniert. Die Ukraine ist nicht nur defensiv aufgestellt, sondern führt auch eigene Gegenangriffe durch und erhält weiterhin westliche Unterstützung in Form von Waffen und Material.
Friedensverhandlungen: Diktatfrieden statt Diplomatie
Putin bekräftigte auf dem Forum erneut, eine diplomatische Lösung des Konflikts zu bevorzugen. In der Praxis knüpft er Gespräche jedoch an Bedingungen, die für die Ukraine nicht akzeptabel sind. Die russischen Kernforderungen lauten:
- Vollständige Übergabe und Integration der Provinzen Donezk und Luhansk in die Russische Föderation
- Neutralitätsstatus der Ukraine – kein NATO-Beitritt
- Kein Einsatz westlicher Soldaten auf ukrainischem Territorium zu irgendeinem Zeitpunkt
An diesen Positionen hat sich seit Beginn des Krieges nichts geändert. Was Putin als Verhandlungsbereitschaft darstellt, läuft in der Einschätzung westlicher Beobachter auf einen Diktatfrieden hinaus, den Kiew ablehnt. Trotz dreieinhalb Stunden Redezeit beim Waldai-Forum waren den Aussagen des russischen Präsidenten kaum neue Signale zu entnehmen.
Drohnenangriffe auf Kiews Infrastruktur nehmen zu
Parallel zur Lage im Donbas verschärft Russland seine Angriffe auf die Infrastruktur der ukrainischen Hauptstadt. Im Fokus stehen dabei die Brücken über den Dnipro, die den Ost- und Westteil Kiews miteinander verbinden, sowie Hochspannungsleitungen im Großraum der Stadt.
Eingesetzt werden dafür neuartige Kamikaze-Drohnen mit Düsenantrieb – die sogenannten Geranij-4 und Geranij-5. Diese Waffen gelten als besonders schnell und präzise. Infolge der Angriffe musste der Verkehr auf mehreren Brücken zeitweise eingestellt werden, was den Alltag der Bevölkerung und den Warentransport erheblich beeinträchtigt.
Die Ukraine hat bislang noch keine vollständig wirksamen Gegenmaßnahmen gegen diese Drohnengeneration entwickelt. Zwar arbeiten ukrainische Streitkräfte und Techniker aktiv an Lösungen, doch solange dieser technologische Vorteil auf russischer Seite besteht, werden die Angriffe fortgesetzt. Eine vollständige Zerstörung der massiven, noch zu Sowjetzeiten gebauten Brückenkonstruktionen gilt als unwahrscheinlich – doch die anhaltenden Unterbrechungen verursachen wirtschaftliche Schäden und belasten die Bevölkerung.
Einordnung: Ein Krieg ohne absehbares Ende
An Tag 1682 des Ukraine-Krieges bleibt die militärische Lage im Donbas unübersichtlich. Russische Truppen erzielen an einigen Frontabschnitten Geländegewinne, verlieren an anderen. Putins Versprechen einer raschen Einnahme des Donbas erscheint angesichts des hartnäckigen ukrainischen Widerstands und der anhaltenden westlichen Unterstützung wenig realistisch. Wie lange der Kampf um den Donbas noch andauern wird, lässt sich seriös nicht vorhersagen. Fest steht: Beide Seiten sind nicht bereit, freiwillig Gebiet aufzugeben – und die humanitären wie wirtschaftlichen Kosten des Konflikts steigen täglich weiter.
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