Die Linke: Poschardt warnt vor Linksruck in Berlin
Ulf Poschardt bezeichnet Die Linke als gefährlichste Partei Deutschlands. Anlass: Fraktionschef Pellmann tritt dem linksextremen Verein Rote Hilfe bei.
Dieses Video wurde am 02.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Linksfraktionschef Sören Pellmann ist dem Verein Rote Hilfe beigetreten – einer Organisation, die der Bundesverfassungsschutz als linksextrem einstuft. Der Zeitpunkt des Beitritts sorgt für Aufsehen: Pellmann vollzog diesen Schritt bewusst, nachdem frühere Mitgliedschaften aus seiner politischen Umgebung öffentlich kritisiert worden waren. Für Publizist Ulf Poschardt, freier Mitarbeiter bei Axel Springer, ist das ein gezieltes politisches Signal – und ein Beleg dafür, dass Die Linke die gefährlichste Partei in Deutschland sei. Sein Urteil fiel im Rahmen eines WELT-Interviews scharf und unmissverständlich aus.
Pellmanns Beitritt zur Roten Hilfe: Provokation oder Überzeugung?
Poschardt wertet Pellmanns Entscheidung als Ausdruck eines „absoluten Selbstbewusstseins”. Die Linkspartei befinde sich nach einem erfolgreichen Wahlkampf in Berlin im Aufwind und scheue sich nicht mehr, offen mit linksextremen Strukturen zu sympathisieren. Der Verein Rote Hilfe war bereits in den 1970er Jahren im Umfeld des sogenannten Deutschen Herbstes als Sympathisantenorganisation bekannt.
Pellmann komme aus einer politischen Familie mit tiefen Wurzeln in der antikapitalistischen Linken und der SED. Poschardt sieht darin eine konsequente Familientradition, die nun offen ausgelebt werde. Die Botschaft, die Pellmann damit sende, sei eindeutig: Die Partei lasse sich von öffentlicher Kritik nicht einschüchtern.
Bemerkenswert sei zudem die Wirkung auf die Mitgliederzahlen der Roten Hilfe: Seit Pellmanns Beitritt hätten sich nach Poschardts Angaben rund zwanzigmal so viele Menschen wie üblich bei dem Verein angemeldet. Der Beitritt funktioniere damit als gezielte Werbekampagne für eine vom Verfassungsschutz beobachtete Organisation.
Die Linke und ihr Verhältnis zur freiheitlichen Demokratie
Poschardt spart nicht mit grundsätzlicher Kritik an der Partei. Die Linke sei die Nachfolgepartei der SED, der Mauerschützenpartei, und stehe mit ihrer Politik jenseits der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Als Belege nennt er die Haltung der Partei zur Meinungsfreiheit sowie Forderungen nach weitreichenden Enteignungen.
Besonders scharf kritisiert er, dass Linksextremismus in der öffentlichen Debatte jahrelang systematisch ausgeblendet worden sei:
- Demonstrationen gegen Rechtsextremismus seien vielfach von Organisatoren mitgetragen worden, die nach links keine Grenzen kennen.
- Linksextreme und linksmilitante Gruppen hätten so gesellschaftliche Akzeptanz gewonnen.
- Der Fokus auf den Kampf gegen rechts habe dazu geführt, dass linke Radikalisierung kaum thematisiert wurde.
- Die Linke verstehe es, Social Media, Populismus und politische Zuspitzung professionell einzusetzen.
- Selbst etablierte Medien hätten diese Entwicklung lange nicht kritisch hinterfragt.
Gefahr für die politische Mitte: Was droht SPD und Grünen?
Die eigentliche politische Brisanz sieht Poschardt in der Frage, wie sich SPD und Grüne gegenüber der Linkspartei positionieren. Sollte in Berlin eine Koalition unter Einbeziehung der Linken zustande kommen, würde das nach seiner Einschätzung die „politische Tektonik des Landes” verschieben.
Beide Parteien würden sich damit dauerhaft von der politischen Mitte verabschieden und ihre bisherigen Argumente gegen Extremismus unglaubwürdig machen. Wer gemeinsam mit einer Partei regiere, die offen linksextreme Vereine unterstütze, könne nicht gleichzeitig für sich beanspruchen, gegen Extreme zu stehen.
Poschardt fordert eine konsequent politische Auseinandersetzung mit der Linkspartei – mit Argumenten statt mit juristischen Mitteln. Rechtsradikale wie Linksradikale müssten gleichermaßen politisch gestellt werden. Eine Koalition mit der Linken wäre für SPD und Grüne aus seiner Sicht ein strategischer Fehler mit langfristigen Folgen für das gesamte demokratische Spektrum Deutschlands.
Einordnung: Ein Symptom größerer Verschiebungen
Der Fall Pellmann steht exemplarisch für eine breitere Debatte über die Grenzen des politisch Akzeptablen in Deutschland. Während der öffentliche Diskurs sich jahrelang fast ausschließlich auf Rechtsextremismus konzentriert hat, gewinnen linksextreme Strukturen an Sichtbarkeit und Zulauf. Die Frage, wie demokratische Parteien der Mitte darauf reagieren – durch Abgrenzung oder durch Kooperation – wird die politische Landschaft in den kommenden Monaten maßgeblich prägen.
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