Abhängigkeit von China: Wo Deutschland verwundbar ist
IT-Sicherheitsexperte Manuel Atug warnt: Deutschlands Abhängigkeit von China bei Solartechnik, Pharma und Drohnen gefährdet Versorgung und Sicherheit.
Dieses Video wurde am 08.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Abhängigkeit von China bei sicherheitsrelevanten Technologien und Produkten stellt Deutschland vor ernste strategische Risiken. IT-Sicherheitsexperte Manuel Atug warnt: China steuere mit einer klaren Langzeitstrategie maßgeblich den Weltmarkt – nicht nur in Deutschland, sondern global. Betroffen sind Schlüsselbereiche wie Batteriespeicher, Drohnen, Solarwechselrichter und pharmazeutische Wirkstoffe. Die Konsequenzen für die Versorgungssicherheit und kritische Infrastrukturen können gravierend sein.
Chinas Strategie: Marktmacht durch Industriezerstörung
China verfolgt nach Einschätzung von Atug über Jahrzehnte eine gezielte Strategie, die in anderen Ländern heimische Industrien verdrängt. Besonders deutlich zeigt sich das im Bereich erneuerbarer Energien: Solarwechselrichter und Batteriespeicher werden weltweit überwiegend von chinesischen Herstellern dominiert.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Brisanz: Kürzlich wurde bekannt, dass eine Sicherheitslücke in chinesischen Systemen rund 250.000 Solaranlagen in Deutschland betrifft. Das zeigt, dass die Abhängigkeit von chinesischer Hardware nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine sicherheitspolitische Dimension hat.
Atug kritisiert zudem die bisherige Wirtschaftspolitik: Statt in heimische Solar- und Speichertechnologien zu investieren, sei durch politische Entscheidungen deren finanzielle Grundlage geschwächt worden – mit dem Ergebnis, dass fossile Energiequellen wieder an Bedeutung gewannen. Eine Strategie, die er als grundlegend falsch bewertet.
Deutschland könnte unabhängiger werden – wenn der politische Wille da wäre
Technisch gesehen ist Deutschland durchaus in der Lage, sicherheitsrelevante Bauteile selbst herzustellen. Die nötigen Technologien und das Know-how sind vorhanden. Das Problem liegt laut Atug nicht in der technischen Machbarkeit, sondern in falschen Prioritäten bei Investitionen.
- Kritische Infrastrukturen sind zwar gesetzlich definiert – ihre physische und digitale Absicherung bleibt aber oft ungeklärt.
- Investitionen in Cybersicherheit und physische Sicherheit von Anlagen werden zu selten gezielt gesteuert.
- Heimische Produzenten von Solartechnik und Speichersystemen wurden durch politische Fehlentscheidungen geschwächt.
- Das Potenzial einer europäisch koordinierten Industriepolitik bleibt weitgehend ungenutzt.
Rohstoffarmut sei dabei kein unüberwindbares Hindernis: Deutschland und Europa könnten Dienstleistungen, technologisches Wissen und Innovationskraft als Gegenleistung für Rohstofflieferungen einsetzen – sofern das Verhältnis auf Augenhöhe gestaltet wird.
Europäische Einheit als Schlüssel: NIS-2 und KRITIS-Dachgesetz
Auf europäischer Ebene gibt es bereits regulatorische Ansätze, die gezielt auf mehr Resilienz abzielen. Die NIS-2-Richtlinie zur Cybersicherheit kritischer Infrastrukturen und das deutsche KRITIS-Dachgesetz für physische Sicherheitsanforderungen wurden bewusst auf europäischer Ebene definiert – um gemeinsam stärker zu sein als jedes einzelne Land.
Atug betont: Eine geeinte europäische Wirtschaftszone ist entscheidend, um gegenüber China auf Augenhöhe verhandeln zu können. Handelsverflechtungen seien in beide Richtungen wirksam – auch China sei auf europäische Märkte und Technologien angewiesen. Diesen Hebel gelte es konsequenter zu nutzen.
Gesundheitsversorgung: Generika-Engpässe als unterschätztes Risiko
Auch die Arzneimittelversorgung ist von der Abhängigkeit von China betroffen. Viele Generika und pharmazeutische Wirkstoffe werden in China produziert, weil dort die Herstellungskosten deutlich niedriger sind. Unternehmen handeln dabei rational: Sie optimieren ihre Gewinne.
Aus staatlicher Perspektive jedoch ergibt sich ein anderes Bild. Atug mahnt: Fällt die Versorgung aus China aus, können selbst alltägliche Medikamente plötzlich zum Engpassprodukt werden – ein Szenario, das in Teilen bereits Realität ist. Die Lösung liegt für ihn klar auf der Hand: Produktionsstätten für systemrelevante Arzneimittel müssen zurück nach Deutschland oder zumindest nach Europa verlagert werden, um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung langfristig zu gewährleisten.
Die Debatte über Chinas wirtschaftliche Einflussnahme dürfte in den kommenden Jahren an Schärfe gewinnen. Ob Politik und Wirtschaft die notwendigen Konsequenzen ziehen, wird entscheidend dafür sein, wie resilient Deutschland in einer zunehmend instabilen Weltlage aufgestellt ist.
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