US-Zwischenwahlen: Diese Senatssitze entscheiden
Bei den US-Zwischenwahlen kämpfen Demokraten und Republikaner um die Senatsmehrheit. Welche Battleground States den Ausschlag geben und was auf dem Spiel steht.
Dieses Video wurde am 10.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Vier Wochen vor den US-Zwischenwahlen verdichtet sich der Kampf um die Senatsmehrheit auf wenige umkämpfte Bundesstaaten. Während Prognosen den Demokraten im Repräsentantenhaus eine Gewinnchance von rund 75 Prozent einräumen, ist das Rennen im Senat deutlich offener: Politische Beobachter sehen die Chancen dort bei etwa 55 zu 45 zugunsten der Demokraten – ein hauchdünner Vorsprung, der sich bis zum Wahltag noch verschieben kann. Für eine Senatsmehrheit müssen die Demokraten netto vier Sitze gewinnen, denn die Republikaner halten derzeit 53 der 100 Mandate.
Repräsentantenhaus und Senat: Zwei sehr unterschiedliche Rennen
Bei den Zwischenwahlen werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie in diesem Jahr 35 der 100 Senatssitze neu vergeben – regulär wäre es ein Drittel, also 33, doch zwei Sitze werden nachgewählt: die ehemals von Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio gehaltenen Mandate aus Ohio und Florida, die nach deren Eintritt in die Regierung vakant wurden.
Im Repräsentantenhaus rechnen Analysten damit, dass die Demokraten zwischen fünf und 15 Sitze zulegen und damit die nötige Schwelle von 218 Mandaten überschreiten könnten. Erschwerend wirkt das sogenannte Gerrymandering: Die Neueinteilung von Wahlkreisen verschafft den Republikanern schätzungsweise neun Zusatzsitze, die die Demokraten zunächst aufholen müssen.
Der Senat dagegen gilt als das eigentliche Schlachtfeld. Dort spielen Bundesstaatsgrenzen als Wahlkreise keine Rolle für Gerrymandering – dafür aber die politische Zusammensetzung der einzelnen Bundesstaaten und die Qualität der jeweiligen Kandidaten.
Die wichtigsten Battleground States im Überblick
Im Senatskampf stechen sechs Bundesstaaten als mögliche Wendepunkte hervor:
- Texas: Demokrat James Treviño führt laut Umfragen mit 51 zu 45 Prozent gegen den unbeliebten Republikaner Ken Paxton – eine für einen roten Staat bemerkenswerte Ausgangslage.
- Iowa: Ein offener republikanischer Sitz, bei dem Josh Turck (D) und Ashley Hinson (R) innerhalb der statistischen Fehlermarge liegen – 48 zu 47 Prozent für Hinson.
- Michigan: Abdul El-Sayed (D) führt mit 51 zu 44 Prozent gegen Mike Rogers (R) in einem klassischen Swing State, den Trump zuletzt für sich entschieden hatte.
- Georgia: Amtsinhaber Jon Ossoff (D) gilt als klar favorisiert; CNN sieht ihn deutlich vorne in einem Staat, den Trump bei der letzten Präsidentschaftswahl gewann.
- Ohio: Ex-Senator Sherrod Brown (D) liegt knapp mit drei Prozentpunkten vor Republikaner Jon Husted – ein ehemals demokratischer Staat, der sich wirtschaftlich bedingt nach rechts verschoben hat.
- Maine: Republikanerin Susan Collins verteidigt ihr Mandat gegen den nachnominierten Demokraten Troy Jackson, nachdem der ursprüngliche Kandidat wegen Vorwürfen zurückgetreten war.
Als sechster möglicher Flip gilt North Carolina, wo Roy Cooper (D) nach aktuellen Umfragen mit fast zehn Prozentpunkten Vorsprung als sicherer Gewinner gilt.
Kandidatenprofile und Wahlkampfstrategien
Ein wiederkehrendes Muster im demokratischen Wahlkampf ist die Anti-Establishment-Rhetorik: Kandidaten wie James Treviño in Texas positionieren sich gegen milliardärsfinanzierte Eliten – eine Strategie, die Donald Trump bei seinem ersten Wahlsieg erfolgreich einsetzte. Die Ironie liegt darin, dass die Demokraten damit eine ursprünglich republikanische Erzählung adaptieren.
Kandidaten wie Abdul El-Sayed in Michigan oder Sherrod Brown in Ohio demonstrieren dabei, dass moderatere Profile in hart umkämpften Staaten entscheidend sein können. Ein zu weit links positionierter Kandidat hätte in Ohio kaum Chancen. Alaska sticht mit einem besonderen Wahlsystem heraus: Dort können Wähler Präferenzlisten vergeben, was Prognosen erschwert – die demokratische Kandidatin Mary Peltola gilt dort dennoch als ernstzunehmende Herausforderin des republikanischen Amtsinhabers Dan Sullivan.
Was eine demokratische Mehrheit bewirken könnte
Selbst wenn die Demokraten beide Kammern gewinnen sollten, wären ihre legislativen Möglichkeiten begrenzt: Präsident Trump kann jede Gesetzesinitiative per Veto blockieren. Für eine Überstimmung wären in beiden Kammern jeweils zwei Drittel der Stimmen nötig – eine Mehrheit, die unter den aktuellen politischen Bedingungen unrealistisch ist.
Realistischer wäre der Einsatz parlamentarischer Kontrollwerkzeuge: Untersuchungsausschüsse zu Korruptionsvorwürfen sowie mögliche Amtsenthebungsverfahren gegen Regierungsmitglieder würden die Aufmerksamkeit binden und die Regierung in die Defensive zwingen. Bei Zöllen, die Trump per Exekutivorder verhängt hat, ist der Kongress weitgehend machtlos – der juristische Weg über die Gerichte bleibt die einzige realistische Gegenwehr.
Politikwissenschaftler sehen in einer demokratischen Kongresskontrolle vor allem einen strategischen Vorteil mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2028: Untersuchungen würden politisches Material liefern, Kontrollfunktionen öffentliche Sichtbarkeit schaffen. Mittelfristig kommt es jedoch darauf an, ob die Demokraten in der Zwischenzeit auch eine eigene, positive politische Vision entwickeln – statt sich ausschließlich als Anti-Trump-Kraft zu definieren.
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