AfD-Kandidat Holm im Interview: MV-Wahl 2026
Drei Tage vor der Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern spricht AfD-Spitzenkandidat Erik Holm über Umfragen, Schwesigs Wahlkampf und eine mögliche CDU-Koalition.
Dieses Video wurde am 17.09.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Drei Tage vor der Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD in der jüngsten INSA-Umfrage mit 37 bis 38 Prozent knapp vor der SPD mit 33 bis 35 Prozent. Im Interview äußert sich AfD-Spitzenkandidat Erik Holm zur rasanten Aufholjagd der Sozialdemokraten, zu Vorwürfen gegen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, zu einer möglichen Koalition mit der CDU und zur Drohung des Bundeskanzlers mit dem sogenannten Bundeszwang.
Aufholjagd der SPD: Amtsinhaberbonus als entscheidender Faktor
Noch im Juni lagen die Sozialdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern bei rund 28 Prozent – inzwischen haben sie auf 33 bis 35 Prozent aufgeholt. Holm erklärt diesen Anstieg vor allem mit dem Amtsinhaberbonus von Manuela Schwesig. Die Ministerpräsidentin habe mit ihrer Kampagne „Frau gegen Blau” bewusst auf Polarisierung gesetzt und damit Wähler aus dem CDU-Lager an die SPD gebunden. Die Union steht aktuell nur noch bei rund sieben Prozent.
Der AfD-Kandidat räumt ein, dass der Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern schwieriger sei als etwa in Sachsen-Anhalt, wo sein Amtskollege den Abstand zur Konkurrenz kontinuierlich ausgebaut hatte. Schwesig sei eine „hervorragende Wahlkämpferin”, auch wenn Holm ihr inhaltliche Falschaussagen vorwirft – unter anderem zur Haltung der AfD gegenüber dem Mindestlohn und Frauenrechten.
Strategie im Endspurt: Nichtwähler mobilisieren
Holms zentrales Ziel für die verbleibenden Tage vor der Wahl ist die Mobilisierung von Nichtwählern. Er verweist auf die Erfahrungen aus Sachsen-Anhalt, wo die AfD zuletzt deutlich mehr bisherige Nichtwähler erreichte als erwartet – und am Ende über den Umfragewerten lag. Ähnliche Aufbruchstimmung nehme er an Infoständen und bei Veranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern wahr.
Besonders unter jungen Wählern sehe er Rückhalt für seine Partei, wie eine aktuelle Umfrage unter Jugendlichen zeige. Schwieriger gestalte sich die Ansprache älterer Wähler, die sich weniger über das Internet informierten und daher anfälliger für das seien, was Holm als Falschinformationen der politischen Konkurrenz bezeichnet.
- AfD: 37–38 % (INSA und Infratest dimap)
- SPD: 33–35 % (deutlicher Anstieg seit Juni)
- Linke: 9–10 %
- CDU: 7 % (stabil)
- Grüne: 5 %, BSW: 3–4 % (um die 5-Prozent-Hürde)
Koalition mit der CDU: Skepsis, aber wachsende Gesprächsbereitschaft
Eine Koalition zwischen AfD und CDU gilt offiziell als ausgeschlossen – CDU-Landeschef Daniel Peters lehnt eine Zusammenarbeit mit AfD und Linken weiterhin ab. Doch aus den Reihen der Union werden die kritischen Stimmen lauter: Der Vizekreisvorsitzende der CDU in Vorpommern-Greifswald, Sascha Ort, sowie der frühere CDU-Chef in Greifswald, Axel Hochschild, fordern ein Ende der sogenannten Brandmauer.
Holm hält eine Koalition derzeit für „wahrscheinlich unrealistisch”, begrüßt die Entwicklung aber ausdrücklich. Kommunal arbeite die AfD in Mecklenburg-Vorpommern bereits punktuell mit der CDU zusammen. Inhaltlich sieht er erhebliche Schnittmengen – in der Bildungspolitik, bei der inneren Sicherheit und der Wirtschaftsförderung. Konkrete Koalitionsverhandlungen wolle er aber erst nach dem Wahltag führen.
Bundeszwang, Rundfunk und Migrationspolitik
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte nach der Wahl in Sachsen-Anhalt erklärt, notfalls von Artikel 37 des Grundgesetzes – dem sogenannten Bundeszwang – Gebrauch zu machen, sollte ein AfD-geführtes Land Bundesrecht nicht umsetzen. Holm wertet dies als politisches Druckmittel ohne praktische Relevanz: Die AfD sei eine „rechtsstaatstreue Partei” und werde Bundesrecht vollständig umsetzen – in der Migrationspolitik sogar konsequenter als die amtierende Landesregierung. Schwesig habe im ersten Halbjahr lediglich 79 Personen abgeschoben, rund 50 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Beim Thema öffentlich-rechtlicher Rundfunk setzt Holm auf die Kündigung des Rundfunkstaatsvertrages. Ziel sei nicht die Abschaffung des NDR, sondern eine ausgewogenere Berichterstattung, niedrigere Rundfunkbeiträge und die Entfernung aktiver Landtagspolitiker aus den Aufsichtsgremien. Im TV-Duell mit Schwesig war er nach eigener Darstellung nach wenigen Sätzen von den NDR-Moderatoren unterbrochen worden.
Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag gilt als wichtiges politisches Signal weit über das Land hinaus – nicht zuletzt für die Frage, ob eine schwarz-blaue Mehrheit rechnerisch möglich wird und welche Konsequenzen das für die Bundesebene und den Kurs der CDU hätte.
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