AfD-Normalisierung: Jeder Zweite dagegen
Eine aktuelle CWA-Umfrage zeigt: 51 % der Deutschen bewerten die AfD-Normalisierung negativ. Auch die Wahl Rauchs zum Landtagspräsidenten spaltet die Gesellschaft.
Dieses Video wurde am 11.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die AfD-Normalisierung polarisiert Deutschland wie kaum ein anderes politisches Thema. Das zeigen aktuelle Daten des Meinungsforschungsinstituts CWA, die im Rahmen einer bundesweiten repräsentativen Befragung erhoben wurden. Ob die Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt, eine mögliche projektbezogene Zusammenarbeit der CDU mit der AfD oder die Koalitionssondierungen in Berlin – in allen Fragen zeigt sich eine tiefe gesellschaftliche Spaltung, bei der jeweils etwa die Hälfte der Bevölkerung klare Ablehnung signalisiert.
Rauchs Wahl zum Landtagspräsidenten sorgt für Unruhe
In Sachsen-Anhalt wurde der AfD-Politiker Tobias Rauch zum Landtagspräsidenten gewählt – offenbar mit Stimmen, die über die eigene Fraktion und das BSW hinausgehen. Das Ergebnis gilt als politischer Einschnitt in der Geschichte des Bundeslandes.
Die bundesweite CWA-Umfrage zur Bewertung dieser Wahl ergibt ein deutliches Bild:
- 40 % der Befragten bewerten das Ergebnis als positiv.
- 12 % haben keine starke Meinung dazu.
- 48 % – also rund jeder Zweite – bewerten es als negativ.
Die Zahlen verdeutlichen, wie tief die Gesellschaft in dieser Frage gespalten ist. Viele Menschen verbinden die Wahl Rauchs mit der Sorge vor einem weiteren Erstarken der AfD in institutionellen Positionen.
Brandmauer unter Druck: Soll die CDU mit der AfD zusammenarbeiten?
Mit der Wahl Rauchs wächst der Druck auf die Union, sich klar zu positionieren. Der Verdacht, dass CDU-Abgeordnete ihre Stimmen für den AfD-Kandidaten abgegeben haben, befeuert die Debatte über eine projektbezogene Zusammenarbeit – also nicht eine Koalition, sondern eine gemeinsame Abstimmung bei einzelnen politischen Vorhaben.
Auch hier zeigt die CWA-Umfrage eine gespaltene Gesellschaft:
- 48 % befürworten eine projektbezogene Zusammenarbeit von CDU und AfD.
- 11 % sind unentschieden.
- 41 % lehnen jede Form der Kooperation klar ab.
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Unionsanhänger selbst: Hier sagen jeweils 41 % sowohl Ja als auch Nein zur Zusammenarbeit – eine klare parteiinterne Linie fehlt. Bei SPD-Anhängern hingegen sprechen sich nur 13 % für eine Kooperation aus; die große Mehrheit will den sogenannten Rechtsrutsch verhindern.
AfD-Normalisierung: 51 Prozent sehen sie kritisch
Die übergeordnete Frage lautet: Führt jede dieser Entscheidungen zu einer schleichenden Normalisierung der AfD im politischen Alltag? Laut CWA-Daten sehen das so:
- 39 % bewerten die zunehmende Normalisierung als positiv.
- 10 % sind unentschieden.
- 51 % bewerten sie als negativ.
Bemerkenswert ist dabei, dass die 39 % Zustimmung zur Normalisierung kaum über dem AfD-Anteil in aktuellen Sonntagsfragen von rund 30 % liegt. Die Befürworter einer normalisierten AfD rekrutieren sich also nur zu einem kleinen Teil aus dem Nichtwählerlager – ein Hinweis darauf, dass die gesellschaftliche Akzeptanz der Partei jenseits ihres Kernwählerstamms begrenzt bleibt.
Berlin: Koalitionssondierungen mit der Linken stoßen auf Skepsis
Während in Sachsen-Anhalt die Frage nach dem rechten Rand die Gemüter bewegt, sorgen in Berlin Sondierungsgespräche zwischen SPD, Grünen und der Linken für Diskussionen. Die CWA-Umfrage zeigt auch hier eine mehrheitliche Ablehnung:
- 30 % begrüßen die Sondierungsgespräche.
- 16 % sind unentschieden.
- 54 % bewerten das Vorhaben als negativ.
Die Ablehnung erklärt sich laut CWA auch damit, dass sich eine Mehrheit der Bevölkerung nicht dem linken Lager zuordnet. Innerhalb der Sondierungsparteien sieht es ganz anders aus: Bei SPD-Anhängern finden 59 % die Gespräche positiv, bei den Grünen sind es 61 %. Die größte Zustimmung kommt erwartungsgemäß von den Anhängern der Linken – 86 % von ihnen begrüßen die neue Machtoption.
Die Umfrageergebnisse zeigen insgesamt, wie stark die politischen Entwicklungen in Sachsen-Anhalt und Berlin die gesellschaftliche Spaltung in Deutschland widerspiegeln. Ob die Brandmauer der Union gegenüber der AfD standhält oder ob die projektbezogene Zusammenarbeit zur neuen politischen Normalität wird, dürfte eine der zentralen Debatten der kommenden Monate bleiben.
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