Altersvorsorgedepot: So funktioniert die neue Förderung
Das Altersvorsorgedepot ersetzt die Riester-Rente – mit staatlichen Zuschüssen, Steuervorteilen und ohne hohe Gebühren. Wie die neue Förderung wirklich funktioniert.
Dieses Video wurde am 15.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Das Altersvorsorgedepot ist die wohl bedeutendste Rentenreform der jüngeren deutschen Geschichte – und dennoch haben die meisten Bürgerinnen und Bürger noch nie davon gehört. Die Bundesregierung hat das neue Förderinstrument beschlossen, das die weitgehend gescheiterte Riester-Rente ablöst. Wer privat für das Alter vorsorgen möchte, bekommt künftig staatliche Zuschüsse, Steuervorteile und kann erstmals ohne hohe Verwaltungskosten echtes Vermögen am Kapitalmarkt aufbauen.
Warum die Riester-Rente scheiterte
Die Riester-Rente war gut gemeint, aber schlecht konstruiert. Das zentrale Problem: eine gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie. Wer Kapitalgarantien verspricht, kann das Geld nicht wirklich am Aktienmarkt anlegen – es versickert in renditeschwachen Zinspapieren. Hinzu kamen überhöhte Gebühren vieler Versicherungsgesellschaften, die staatliche Zuschüsse als lukratives Zusatzgeschäft nutzten, ohne den Sparern echten Mehrwert zu liefern.
Das Ergebnis: Millionen Verträge mit magerer Rendite und hohen Kosten, die den Vermögensaufbau im Alter faktisch verhinderten. Diese strukturellen Fehler hat der Gesetzgeber beim Nachfolgemodell bewusst beseitigt.
So funktioniert das Altersvorsorgedepot
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, das bis zum Renteneintritt – je nach Jahrgang mit 65 oder 67 Jahren – geschützt ist. Es gibt zwei Varianten:
- Standarddepot: Verwaltung übernimmt der Anbieter; automatische Umschichtung in sichere Anlagen kurz vor Rentenbeginn.
- Eigendepot: Anleger verwalten ihr Portfolio selbst und können beispielsweise gezielt ETFs auswählen.
Für das Standarddepot gilt eine gesetzliche Gebührenobergrenze von 1 Prozent. Viele Anbieter gehen deutlich weiter: Der Neobroker Trade Republic – mit rund zehn Millionen Kunden der größte seiner Art in Europa – kündigte an, sowohl Depot als auch Sparplan und die enthaltenen ETF-Produkte vollständig kostenlos anzubieten. Auch andere Broker ziehen nach, weil sie im Altersvorsorgedepot eine Chance sehen, neue Kunden langfristig zu gewinnen.
Staatliche Förderung: Zuschüsse, Kinder- und Steuerbonus
Die finanzielle Förderung macht das Altersvorsorgedepot besonders attraktiv. Wer 150 Euro monatlich einzahlt, erhält automatisch einen staatlichen Grundzuschuss von 45 Euro – also 30 Prozent on top. Darüber hinaus gibt es weitere Förderkomponenten:
- Grundzuschuss: 45 Euro pro Monat bei voller Einzahlung (maximal 540 Euro jährlich).
- Kinderzuschuss: 300 Euro pro Jahr und Kind – förderberechtigt ab 25 Euro monatlichem Eigenbeitrag.
- Berufseinsteiger-Bonus: einmalig 200 Euro für junge Erwachsene zu Beginn der Erwerbstätigkeit.
- Steuerlicher Abzug: Beiträge werden aus dem Bruttogehalt geleistet, was die laufende Steuerlast senkt.
Wichtig zu wissen: Die spätere Auszahlung wird mit dem dann gültigen persönlichen Steuersatz besteuert – ähnlich wie ein Renteneinkommen, nicht als Kapitalertrag. Da der Steuersatz im Alter in der Regel niedriger ist als im Erwerbsleben, ist die Gesamtbilanz dennoch vorteilhaft.
Langfristiger Vermögensaufbau ohne Kosten – ein Rechenbeispiel
Der entscheidende Hebel beim Altersvorsorgedepot ist die Kostenfreiheit. Eine beispielhafte Modellrechnung über 40 Jahre verdeutlicht den Unterschied: Wer monatlich 150 Euro eigenen Beitrag plus 45 Euro staatlichen Zuschuss in einen breit gestreuten MSCI-World-ETF investiert – und dabei keinerlei Gebühren anfallen – könnte am Ende auf rund 740.000 Euro kommen. Mit nur 0,2 Prozent Jahresgebühr schrumpft dieser Betrag bereits spürbar. Genau dort liegt die Revolution des neuen Modells.
Auch Bedenken wegen Börsenschwankungen sind nachvollziehbar, aber relativierbar. Das Standarddepot schichtet automatisch in sichere Anlagen um, je näher der Ruhestand rückt. Wer jung anfängt, profitiert zudem davon, wenn die Märkte zwischenzeitlich fallen – denn für den gleichen Sparbetrag werden dann mehr Anteile erworben. Selbst ein Einstieg mit 50 Jahren lohnt sich angesichts der staatlichen Förderung noch. Und wer klein anfangen möchte: Bereits ab 10 Euro monatlich ist eine Teilnahme möglich.
Das Altersvorsorgedepot startet offiziell Anfang 2027. Um den Zuschuss bereits für das erste Förderjahr zu sichern, genügt es, bis Jahresende 2026 ein Depot zu eröffnen. Anbieter und Konditionen lassen sich einfach vergleichen – auch mithilfe digitaler Tools. Die Nachfrage dürfte steigen, sobald die breite Öffentlichkeit von dieser Reform erfährt.
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