Saturday, 10. October 2026
Start›Wirtschaft & Finanzen›Anleiherenditen
Anleiherenditen

Anleihekrise vs. Aktienmarkt: Wie lange hält die Rally?

Die Anleihekrise mit US-Renditen auf 20-Jahres-Hoch trifft den Aktienmarkt bislang kaum – doch unter der Oberfläche brodelt es bereits. Eine Analyse.

Redaktion · 9. October 2026, 17:49 Uhr · 5 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 09.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die Anleihekrise macht sich an den Aktienmärkten bislang kaum bemerkbar: US-Anleiherenditen haben das höchste Niveau seit dem Jahr 2002 erreicht, und dennoch erklommen der S&P 500 sowie der Nasdaq 100 in dieser Woche neue Rekordhochs. Auch europäische Indizes wie der DAX notieren nicht weit von ihren Höchstständen entfernt. Doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass die scheinbare Ruhe an der Oberfläche täuscht – denn in der Tiefe des Marktes hat die Anpassung längst begonnen.

Warum der Aktienmarkt die Anleihekrise ignoriert

Der entscheidende Grund für die bisherige Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte sind die Unternehmensgewinne. Im ersten Quartal stiegen die Nettogewinne je Aktie im S&P 500 um rund 30 Prozent im Jahresvergleich, im zweiten Quartal sogar um 50 Prozent. Es war bereits das fünfte Quartal in Folge mit Rekordgewinnen. Auch in Europa verzeichneten Analysten der Deutschen Bank deutlich gestiegene Unternehmensgewinne.

Solange die erwartete Rendite von Aktien die Anleiherenditen übersteigt, können die Märkte mit einem höheren Zinsniveau umgehen. Die starken Gewinnzuwächse – insbesondere aus dem Technologiesektor – kompensieren den Zinseffekt bislang mehr als aus.

Selbst bereinigt um Bewertungsgewinne aus Beteiligungen an Unternehmen wie Anthropic oder OpenAI, die in den Bilanzen einiger Techkonzerne erscheinen, lagen die Gewinne noch immer 20 bis 25 Prozent über dem Vorjahr.

Unter der Oberfläche brodelt es bereits

Das Bild ändert sich grundlegend, sobald man die Indexebene verlässt und einzelne Sektoren betrachtet. Im dritten Quartal legten im S&P 500 lediglich vier von elf Sektoren zu. Zinssensible und konjunkturabhängige Bereiche verzeichneten erhebliche Verluste:

  • Versorger: minus 12 Prozent im dritten Quartal
  • Industriesektor: minus 10 Prozent
  • Immobilien: minus 6 Prozent
  • Zyklische Konsumgüter: minus 5 Prozent

Noch deutlicher wird die Spreizung beim Vergleich verschiedener Indexversionen: Der gleichgewichtete S&P 500 – in dem jede Aktie dasselbe Gewicht hat – fiel seit Anfang Juli um 0,5 Prozent. Der klassische, nach Börsenwert gewichtete S&P 500 legte dagegen um 3,5 Prozent zu. Ein ETF, der ausschließlich aus den „Glorreichen Sieben” – Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Tesla – besteht, stieg im selben Zeitraum sogar um 13 Prozent. Fast 44 Prozent aller Aktien im S&P 500 notieren bereits mehr als 20 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch – technisch also in einem Bärenmarkt.

Wann wird die Anleihekrise zum Problem für Techaktien?

Der IT-Sektor produzierte im dritten Quartal allein ein Indexplus von 2,7 Prozentpunkten für den S&P 500. Ohne diesen Beitrag wäre der Gesamtindex ins Minus gerutscht. Doch wie lange können Technologiekonzerne den Zinsanstieg abfedern?

Höhere Zinsen verteuern Investitionen und ersetzen nach und nach günstige alte Finanzierungen durch teurere neue. Zudem belasten steigende Renditen die Bewertung von Wachstumsaktien, da künftige Gewinne stärker abgezinst werden. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie lange halten die massiven KI-Investitionen der großen Technologiekonzerne in Rechenzentren und Infrastruktur an – und wie lange glaubt der Markt daran?

Hinsichtlich eines kritischen Renditeniveaus gibt es keine einheitliche Expertenmeinung. Als Faustregel gilt in Marktkreisen häufig die Marke von 6 Prozent bei zehnjährigen US-Staatsanleihen als Warnschwelle. Die Bank of America sieht die Bewertungen von Aktien erst ab einem Niveau von 7 Prozent merklich unter Druck geraten – aktuell liegt die Rendite noch darunter.

Wasserstoffprojekt in Deutschland: EU-Regulierung als Bremse

Abseits der Kapitalmärkte plant die EWE AG aus Oldenburg gemeinsam mit der österreichischen Verbund AG den Bau eines Elektrolyseurs zur Wasserstoffherstellung mit einer Leistung von bis zu 500 Megawatt in der Wesermarsch. Es wäre eines der größten Wasserstoffprojekte in Deutschland – größer als das bislang führende 320-Megawatt-Projekt, das EWE derzeit in Emden errichtet. Fertigstellung wäre im Idealfall für 2032 geplant.

Dennoch zögern beide Unternehmen mit einer finalen Investitionsentscheidung. Grund sind zwei zentrale EU-Regulierungsanforderungen: das Prinzip der Zusätzlichkeit – Elektrolyseure dürfen nur mit nachweislich neu geschaffenem erneuerbarem Strom betrieben werden – sowie das Prinzip der Gleichzeitigkeit, das die Wasserstofferzeugung auf Stunden beschränkt, in denen die angebundenen Wind- oder Solaranlagen tatsächlich produzieren. Dies drückt die Auslastung auf möglicherweise 1.000 bis 3.000 von 8.760 Jahresstunden und verteuert grünen Wasserstoff erheblich.

Die EU-Kommission hat zwar eine Lockerung dieser Regeln in Aussicht gestellt, konkrete Maßnahmen stehen jedoch weiterhin aus. EWE und Verbund setzen darauf, dass die Brüsseler Behörde die Bedingungen zeitnah vereinfacht – anderenfalls könnte das Projekt nicht realisiert werden.

Die kommenden Monate dürften an beiden Fronten richtungsweisend sein: Am Kapitalmarkt werden die anstehenden Quartalszahlen zeigen, ob die Gewinnstärke der Technologiekonzerne den Zinsanstieg weiter abfedern kann. Beim Thema Wasserstoff entscheidet Brüssel darüber, ob ambitionierte Großprojekte wie jenes von EWE und Verbund von der Ankündigung in die Realität gelangen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

RE

Redaktion

Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Schnell, klar und rund um die Uhr aktualisiert.

Kommentar schreiben

Mehr aus Wirtschaft & Finanzen

Alle Beiträge →