Iran-Krieg und Ölpreis: Was Experten warnen
Der Iran-Krieg hält den Ölpreis über 100 Dollar – Trump schließt Angriffe vor den Midterms aus. Börsenstratege warnt: Eine Stabilisierung ist nicht absehbar.
Dieses Video wurde am 09.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Iran-Krieg bleibt das beherrschende Thema an den Energiemärkten. US-Präsident Donald Trump hat auf seiner Plattform Truth Social erklärt, die USA würden den Iran vor den Kongresswahlen am 3. November nicht erneut angreifen. Zugleich spricht er von „produktiven Gesprächen” mit Teheran – eine Darstellung, die sich nicht unabhängig bestätigen lässt und die der Iran bereits mehrfach als Unwahrheit zurückgewiesen hat. Der Ölpreis reagierte auf Trumps Aussagen mit einem Rückgang von 1,3 Prozent, notiert aber weiterhin deutlich über der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel.
Waffenruhe auf Zeit – Iran-Krieg ohne klares Ende
Börsenstratege Oliver Roth beschreibt die aktuelle Lage als relativen Stillstand: Zwar werden vereinzelte Angriffe geflogen, doch unter dem Strich ist die militärische Aktivität seit mehreren Wochen gedämpft. Eine dauerhafte Lösung sei das jedoch nicht. Roth warnt ausdrücklich: Es sei „völlig unabsehbar”, wann eine echte Entspannung eintreten werde.
Zusätzlichen Druck erzeugt die Lage im Roten Meer. Neue Angriffe auf saudische Energieanlagen im Jemen haben den Ölpreis in dieser Woche erneut nach oben getrieben. Hinzu kommen schrumpfende Öllagerbestände weltweit, die den Markt weiter anfällig machen.
Roth weist zudem auf ein politisches Risiko hin: Trump könnte die parlamentarische Übergangsphase nach den Midterms nutzen, um die Lage gegenüber dem Iran erneut zu eskalieren. Eine schnelle Beruhigung des Marktes hält er für unwahrscheinlich.
Zinsen und Inflation: Ein historischer Renditeschock
Der anhaltend hohe Ölpreis befeuert die Inflation und damit den Druck auf die Notenbanken. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen in dieser Woche auf den höchsten Stand seit 2002 – auf bis zu 5,3 Prozent. Roth bezeichnet das als stärksten Zinsanstieg seit 1994 und als einen „Renditeschock” mit weitreichenden Folgen.
- Hohe Staatsverschuldung und steigende Neuverschuldung in den USA treiben die Renditen
- Kapitalströme aus Europa in den US-Anleihemarkt schwächen den Euro
- Der Euro fiel auf ein 17-Monatstief
- Druck auf die Federal Reserve, die kurzfristigen Zinsen anzupassen, wächst
- Experten schließen bei anhaltender Entwicklung einen Marktcrash nicht aus
Besonders im Fokus steht Frankreich: Die französischen Staatsanleihenzinsen stiegen deutlich. Investoren zweifeln, ob die Regierung ihren Sparhaushalt durch das Parlament bringt. Im Mai stehen Präsidentschaftswahlen an, bei denen Marine Le Pen als Favoritin gilt – was die Sorge vor einer erneuten Eurokrise verstärkt.
DAX zwischen 24.000 und 25.500 Punkten erwartet
Der DAX profitierte am Berichtstag kurzfristig von der Ölpreisentspannung und stieg wieder über die Marke von 25.000 Punkten – ein Plus von 0,9 Prozent. Doch Roth dämpft die Erwartungen: Eine nachhaltige Erholung sei angesichts der volatilen Lage bei Öl und Renditen nicht realistisch.
Für die kommende Woche erwartet er den DAX in einer Spanne zwischen 24.000 und 25.500 Punkten – mit Schwankungen von rund 300 Punkten um die 25.000er-Marke. Die Lage sei „zu prekär” für eine deutliche Aufwärtsbewegung.
Zusätzlich belastend wirkt der Kurseinbruch bei der Deutschen Telekom, die nach der Meldung, dass SpaceX sich ein landesweites Mobilfunkfrequenzportfolio für 8 Milliarden Dollar gesichert hat, rund 6,4 Prozent verliert. Investoren fürchten einen aggressiven Preiskampf auf dem US-Mobilfunkmarkt, in dem die Telekom-Tochter T-Mobile US aktiv ist.
Porsche und BASF: Einzelwerte im Fokus
Abseits der makroökonomischen Themen sorgen zwei DAX-Konzerne für Aufmerksamkeit. Porsche meldet für die ersten neun Monate einen weltweiten Absatzrückgang von 16 Prozent auf rund 178.500 Fahrzeuge. Besonders stark betroffen ist China mit einem Minus von 33 Prozent – eine Folge der dortigen Immobilienkrise, die wohlhabende Käufer zur Zurückhaltung zwingt. In Nordamerika beträgt das Minus 13 Prozent.
BASF hingegen zeigt sich im Übernahmepoker um den Chemiekonzern Evonik hartnäckig. Insidern zufolge ist die aktuelle Offerte nicht das letzte Wort – bei direkten Gesprächen sei eine Aufstockung möglich. Die Evonik-Aktie legte daraufhin zu, BASF notiert leicht im Minus.
Die Gemengelage aus geopolitischen Risiken, steigenden Zinsen und Unternehmenssorgen dürfte die Märkte noch Wochen beschäftigen. Ob Trumps angekündigte Zurückhaltung gegenüber dem Iran nach den Midterms Bestand hat, bleibt die zentrale offene Frage für Öl, Anleihen und Aktien gleichermaßen.
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