Arbeitgebertag: Dulger kritisiert Lähmungszustand
Beim Arbeitgebertag in Berlin übt Präsident Dulger scharfe Kritik an der schwarz-roten Koalition. Rentenreform und Reformstau stehen im Mittelpunkt.
Dieses Video wurde am 13.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Beim Arbeitgebertag in Berlin am 13. Oktober steht die schwarz-rote Bundesregierung unter massivem Druck. Arbeitgeberpräsident Reiner Dulger spricht offen von einem Lähmungszustand in der Regierung und warnt vor fatalen Folgen, sollten bis 2029 keine spürbaren Reformen auf den Weg gebracht werden. Kanzler Friedrich Merz ist als Redner geladen – und dürfte sich auf deutliche Worte einstellen müssen.
Dulger warnt vor fatalen Folgen des Reformstaus
Bereits am Morgen des Arbeitgebertags meldete sich Dulger in einem Interview mit der FAZ zu Wort. Seine Botschaft war unmissverständlich: Sollte die Koalition aus CDU/CSU und SPD bis zum Ende der Legislaturperiode keine wesentlichen wirtschaftspolitischen Fortschritte erzielen, hätte sie bewiesen, dass sie zu grundlegenden Reformen nicht mehr in der Lage ist. Das Wort „fatal” fiel dabei nicht zufällig – es beschreibt die tiefe Frustration, die sich in der deutschen Unternehmerschaft aufgebaut hat.
Dieser Unmut ist kein kurzfristiges Phänomen. Seit Monaten beklagen Arbeitgeber, dass politische Entscheidungen verschleppt werden, Bürokratie wächst und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland leidet. Der Arbeitgebertag bietet nun die öffentliche Plattform, diesen Druck zu kanalisieren.
Rentenreform als zentrales Streitthema
Ein Kernthema auf dem Arbeitgebertag ist die Rentenreform. Dulger pocht seit Langem darauf, dass die Politik endlich handelt – insbesondere bei zwei Punkten, die innerhalb der Koalition hoch umstritten sind:
- Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren
- Eine grundlegende Neuausrichtung des Rentensystems hin zu mehr Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit
- Anreize für längeres Arbeiten, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken
Die Rente mit 63 gilt den Arbeitgebern als Symbol für eine Politik, die dem Arbeitsmarkt Fachkräfte entzieht, anstatt sie zu halten. Solange diese Frühverrentungsoption bestehe, verliere Deutschland jedes Jahr tausende erfahrene Arbeitskräfte zu früh.
Kanzler Merz unter Zugzwang
Kanzler Friedrich Merz sollte auf dem Arbeitgebertag um 10 Uhr sprechen. Sein Auftritt dürfte von großer symbolischer Bedeutung sein – denn die Unternehmerverbände erwarten keine Ankündigungen, sondern konkrete Signale zur Umsetzungsbereitschaft der Regierung.
Pikant: Der neue Arbeitsminister war zum Zeitpunkt des Arbeitgebertags noch nicht mit von der Partie – er wurde erst am Nachmittag desselben Tages vereidigt. Im Vorjahr hatte seine Vorgängerin Bärbel Bas mit ihrem Auftritt auf dem Arbeitgebertag für Aufsehen gesorgt. Die personelle Lücke am Vormittag unterstreicht symbolisch die Diskontinuität, die viele Unternehmer der Regierung vorwerfen.
Dass Merz und die Koalition unter Beobachtung stehen, ist kein Geheimnis. Der Arbeitgebertag am Berliner Alexanderplatz ist für Wirtschaftsvertreter eine der wichtigsten Bühnen des Jahres, um gegenüber der Politik Klartext zu reden.
Standort Deutschland braucht Reformen – jetzt
Im Kern geht es beim Arbeitgebertag 2025 um eine grundsätzliche Frage: Ist die schwarz-rote Koalition handlungsfähig – oder verwaltet sie nur den Status quo? Arbeitgeberpräsident Dulger und die Unternehmensverbände lassen keinen Zweifel daran, dass sie strukturelle Reformen erwarten: beim Rentensystem, beim Bürokratieabbau und bei der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Regierung die Signale des Arbeitgebertags ernst nimmt. Sollte der Reformstau anhalten, droht nicht nur weiterer Vertrauensverlust bei der Wirtschaft – sondern auch eine zunehmende Debatte über die Regierungsfähigkeit der Großen Koalition insgesamt.
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