Berlin: Linke, SPD und Grüne sondieren wieder
Nach einer kurzen Unterbrechung laufen die Berliner Koalitionssondierungen zwischen Linke, SPD und Grünen wieder. Elif Eralp spricht von ausgeräumten Missverständnissen.
Dieses Video wurde am 15.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Berliner Koalitionssondierung zwischen Linke, SPD und Grünen nimmt wieder Fahrt auf. Nachdem Differenzen über die Haltung der Linken zu Antisemitismus die Gespräche zwischenzeitlich belastet hatten, erklärte Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, die Missverständnisse seien ausgeräumt. Für heute ist ein weiteres Sondierungstreffen der drei Parteien geplant — ein Signal, dass eine mögliche rot-grün-rote Koalition in der Hauptstadt nach wie vor im Bereich des Möglichen liegt.
Antisemitismus-Streit bremste Sondierungen aus
Der Stolperstein in den Gesprächen war die ungeklärte Positionierung der Berliner Linken im Umgang mit Antisemitismus. Die Partei sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, keine hinreichend klare Haltung zu diesem Thema einzunehmen — ein Punkt, der für SPD und Grüne offenbar nicht verhandelbar ist.
Die Debatte hatte die Sondierungen zeitweise ins Stocken gebracht und Zweifel daran genährt, ob eine gemeinsame Regierungsbildung überhaupt möglich sei. Das gegenseitige Vertrauen der drei Parteien stand auf dem Prüfstand.
Gemeinsame Erklärung soll in Koalitionsvertrag
Der nun erzielte Kompromiss sieht vor, dass Linke, SPD und Grüne ihre gemeinsame Erklärung gegen Antisemitismus verbindlich in einen möglichen Koalitionsvertrag aufnehmen. Damit wird das Bekenntnis zur Bekämpfung von Antisemitismus nicht nur als politisches Signal verstanden, sondern soll rechtlich und programmatisch verankert werden.
Dieser Schritt gilt als wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Sondierungsgespräche überhaupt in konkrete Koalitionsverhandlungen münden können. Eralp wertete die Einigung als konstruktives Zeichen für den weiteren Prozess.
Linken-Parteitag entscheidet über Koalitionsverhandlungen
Der Fahrplan sieht nun folgende Schritte vor:
- Fortsetzung der Sondierungsgespräche zwischen Linke, SPD und Grünen
- Abschluss der Sondierungsphase mit einem gemeinsamen Ergebnispapier
- Entscheidung des Linken-Parteitags über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen
- Erst danach möglicher Beginn formeller Koalitionsverhandlungen
Die Basis der Linken hat damit das letzte Wort darüber, ob ihre Partei in eine Berliner Landesregierung eintritt. Das verleiht dem Parteitag eine besondere Bedeutung für den weiteren politischen Kurs in der Hauptstadt.
Ausblick: Rot-Grün-Rot als Berliner Modell?
Sollten die Sondierungen erfolgreich abgeschlossen werden und der Linken-Parteitag grünes Licht geben, wäre eine rot-grün-rote Koalition in Berlin ein politisch weitreichendes Signal — auch über die Hauptstadt hinaus. Ein solches Bündnis würde zeigen, dass Linke, SPD und Grüne trotz inhaltlicher Differenzen regierungsfähig zusammenfinden können.
Die kommenden Sondierungsrunden werden zeigen, ob das fragile Vertrauen zwischen den drei Parteien trägt. Die Einigung beim Thema Antisemitismus ist ein erster wichtiger Schritt — doch bis zur fertigen Koalition ist es noch ein weiter Weg.
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