Cybersicherheit & KI: Wildbergers Strategie
Digitalminister Wildberger erklärt nach Cyberangriffen auf Supermärkte, wie Deutschland Cybersicherheit und KI-Wachstum miteinander vereinbaren will.
Dieses Video wurde am 03.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Nach einer Serie von Cyberangriffen auf Supermarktketten – ausgelöst unter anderem durch Sicherheitslücken in vernetzten Kühlschranksteuerungen – hat Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung Carsten Wildberger (CDU) die Grundzüge seiner Cybersicherheitsstrategie dargelegt. Beim Digitalgipfel in Berlin machte er deutlich: Digitalisierung und Sicherheit sind für ihn keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Künstliche Intelligenz soll Deutschland voranbringen – aber nur auf einem sicheren Fundament.
Cyberangriffe auf Supermärkte: Warnung kam vom BSI
Die jüngsten Vorfälle in Supermärkten haben gezeigt, wie verwundbar vernetzte Betriebstechnik sein kann. Wildberger verwies darauf, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bereits zwei Wochen vor den Angriffen schriftlich vor genau solchen Szenarien gewarnt hatte. Das BSI habe explizit auf Risiken bei vernetzter Gebäude- und Betriebstechnik hingewiesen und einen konkreten Maßnahmenkatalog herausgegeben.
Die Ursache liege laut Wildberger häufig bei veralteter Software, die von Unternehmen nicht rechtzeitig aktualisiert werde. Er betonte, dass alle Unternehmen – ebenso wie die öffentliche Verwaltung – eine deutlich stärkere Eigenvorsorge im Bereich IT-Sicherheit übernehmen müssten.
- Das BSI warnte zwei Wochen vor den Angriffen schriftlich vor Risiken
- Vernetzte Kühlsysteme und Gebäudetechnik standen im Fokus
- Ein BSI-Maßnahmenkatalog lag bereits vor, muss nun umgesetzt werden
- Veraltete Software gilt als häufigste Angriffsfläche
Digitalgipfel Berlin: KI und Sicherheit als gemeinsames Ziel
Trotz der Sicherheitsvorfälle gibt sich Wildberger auf dem Digitalgipfel in Berlin optimistisch. Deutschland habe erheblichen Nachholbedarf bei der Digitalisierung, doch das Potenzial sei enorm. Laut einer aktuellen Studie arbeiten derzeit nur rund 8 Prozent der deutschen Unternehmen flächendeckend mit Künstlicher Intelligenz. Der Minister sieht darin nicht vorrangig ein Problem, sondern ein Potenzial: 92 Prozent der Unternehmen könnten noch von KI profitieren.
Wildberger betonte, dass Künstliche Intelligenz ohne Sicherheit nicht gedacht werden dürfe. Der Gipfel bringe Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen – ein Austausch, den er als entscheidend für Deutschlands digitales Comeback bezeichnet. In den vergangenen zwölf Monaten sei bereits viel auf den Weg gebracht worden, doch er räumt ein: Es müsse noch deutlich mehr geschehen.
Google-Cloud für Geheimdienste? Souveränität im Fokus
Medienberichte über Pläne, eine gemeinsame Cloud der deutschen Geheimdienste auf Basis von Google-Technologie aufzubauen, kommentierte Wildberger differenziert. Er teilte grundsätzlich die Forderung, stärker auf heimische und europäische Anbieter zu setzen. Gleichzeitig mahnte er zur Differenzierung: Auch Architekturen mit US-amerikanischen Anbietern könnten unter bestimmten Bedingungen souverän und datensicher gestaltet werden – das müsse im Einzelfall geprüft werden.
Für ihn bedeute digitale Souveränität vor allem Wahlmöglichkeit. Internationale Partnerschaften seien weiterhin notwendig, dürften aber nicht dazu führen, dass Deutschland bei der Entwicklung eigener, wettbewerbsfähiger Produkte ins Hintertreffen gerate. Der Staat trage zudem eine Verantwortung als Ankerkunde – also als Auftraggeber, der gezielt heimische und europäische Technologieunternehmen fördert. Konkrete Testbetriebe mit deutschen und europäischen Cloud-Anbietern liefen bereits.
KI-Steuer: Debatte über die Zukunft, nicht die Gegenwart
Aufsehen hatte Wildberger zuletzt mit dem Vorschlag einer möglichen KI-Steuer erregt – einer Abgabe auf Gewinne, die durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz entstehen. Im Interview relativierte er: Zunächst brauche Deutschland das Wirtschaftswachstum, das KI generieren kann. Höhere Gewinne würden automatisch zu höheren Steuereinnahmen führen, die dann für den gesellschaftlichen Umbau genutzt werden könnten.
Eine spezifische KI-Sondersteuer sei erst dann denkbar, wenn KI tatsächlich in der Breite der Wirtschaft angekommen sei und substanzielle Gewinne erzielt würden. Zum jetzigen Zeitpunkt – bei einer KI-Nutzungsquote von rund 8 Prozent – sei eine solche Steuer verfrüht. Wildberger sieht die Debatte dennoch als wichtiges Signal: Deutschland müsse anfangen, wirtschaftspolitisch in die Zukunft zu denken, statt nur auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Wildbergers Strategie – sichere Digitalisierung, gestärkte KI-Nutzung und schrittweise mehr digitale Souveränität – die nötige politische und wirtschaftliche Unterstützung findet. Die Cyberangriffe auf Supermärkte haben jedenfalls eines klargemacht: Der Handlungsdruck ist real und wächst.
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