Dieses Video wurde am 14.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die anhaltende Hitzewelle des Sommers 2026 trifft die deutsche Landwirtschaft mit voller Wucht. Vertrocknendes Getreide, kollabierender Futterbestand und explodierende Betriebskosten bei gleichzeitig niedrigen Erzeugerpreisen: Der Deutsche Bauernverband schlägt Alarm und warnt vor einem historisch schlechten Erntejahr. Besonders dramatisch ist die Lage im Süden Deutschlands, wo inzwischen einzelne Betriebe Tiere früher als geplant schlachten lassen müssen, weil das Futter ausgeht.
Ernteausfall bei Weizen, Raps und Gemüse
Die dritte Hitzeperiode in Folge, kombiniert mit Hagelschlag und Extremniederschlägen, hat die Ernte 2026 zu einer der schwierigsten der jüngeren Geschichte gemacht. Besonders betroffen sind die wichtigsten Ackerkulturen des Landes:
- Weizen und Raps verzeichnen teils totale Ertragsausfälle
- Kartoffeln und Zuckerrüben leiden unter der Trockenheit auf den Feldern
- Auch Gemüsekulturen sind flächendeckend betroffen
- Auf vertrockneten Wiesen wächst kein Futtergras nach
Der Landesbauernverband Baden-Württemberg berichtet, dass Landwirte aktuell 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung haben als in einem normalen Jahr. Die Situation auf den Weiden ist so kritisch, dass keine Erholung mehr vor dem Herbst zu erwarten ist.
„Toxische” Lage für die Betriebe
Der Bauernverband beschreibt die wirtschaftliche Gesamtlage der Betriebe als toxisch. Auf der einen Seite stehen weit unterdurchschnittliche Erträge, auf der anderen Seite drücken hohe Kosten für Energie und Diesel auf die Bilanzen. Dazu kommen weiterhin niedrige Erzeugerpreise, die den Betrieben kaum Spielraum lassen.
Viele Landwirte stehen damit vor einer existenzbedrohenden Situation. Einzelne Betriebe im Süden Deutschlands sind bereits gezwungen, ihren Tierbestand vorzeitig zu reduzieren, weil die Futterreserven schlicht nicht ausreichen, um die Tiere durch den Sommer zu bringen.
Bauernverband fordert sofortige politische Hilfen
Angesichts der dramatischen Lage richtet der Bauernverband konkrete Forderungen an die Politik. Gefordert werden unter anderem:
- Mehr finanzielle Unterstützung für Düngemittel
- Vorzeitige Auszahlung der EU-Direktzahlungen
- Steuererleichterungen beim Agrardiesel
- Einführung einer steuerfreien Rücklage für wirtschaftlich schlechte Jahre
Die Forderung nach einer steuerfreien Rücklage ist dabei besonders langfristig gedacht. Sie soll Betrieben ermöglichen, in guten Jahren Kapital zurückzulegen, um Krisenzeiten wie die aktuelle besser abzufedern.
Sorgen reichen bereits bis ins Jahr 2027
Die Auswirkungen der Erntekrise 2026 könnten weit über dieses Jahr hinausreichen. Wenn Betrieben das Geld für Dünger fehlt, werden die Ernte-Ergebnisse für 2027 voraussichtlich noch schlechter ausfallen, warnt der Bauernverband. Ein Teufelskreis droht: Schlechte Ernte führt zu weniger Einnahmen, weniger Einnahmen bedeuten weniger Investitionen in die Felder, was wiederum die nächste Ernte gefährdet.
Die Saison 2026 gilt Branchenvertretern bereits jetzt als eine der herausforderndsten seit Jahrzehnten. Ob und wie schnell die Politik reagiert, dürfte über das Überleben zahlreicher landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland entscheiden. Der Druck auf Bund und Länder wächst mit jedem weiteren Hitzetag.
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