Europas KI-Abhängigkeit: Wird der Kontinent erpressbar?
Judith Dada warnt: Europas KI-Abhängigkeit von USA und China könnte den Kontinent bis 2031 politisch und wirtschaftlich erpressbar machen. Was jetzt getan werden muss.
Dieses Video wurde am 18.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Judith Dada, Co-Chefin des Berliner KI-Startups Langdock und eine der bekanntesten Investorinnen der deutschen Startup-Szene, schlägt Alarm: Die KI-Abhängigkeit Europas von den USA und China könnte den Kontinent innerhalb weniger Jahre in eine gefährliche politische und wirtschaftliche Schieflage bringen. Gemeinsam mit Wissenschaftlern und KI-Experten hat sie das Szenario Europe 2031 entwickelt – eine narrative Warnung, die aufzeigt, wohin die Reise geht, wenn Europa die KI-Revolution verschläft.
Das Schreckensszenario: Europa als Vasall zwischen USA und China
Das Szenario beschreibt eine Europäische Union, die unter dem Druck der KI-Transformation auseinanderbricht. Einzelne Länder schließen eigene Deals mit amerikanischen oder chinesischen Konzernen, das europäische Sozialmodell erodiert, und der Kontinent verkommt zum Spielball der Großmächte. Dada spricht von einem Europa als Vasallen, das nicht mehr in der Lage ist, seine Bürgerinnen und Bürger ausreichend zu schützen.
Besonders konkret wird das Szenario beim Thema Rechenkapazität. Europa verfügt heute über lediglich rund 5 Prozent der globalen KI-Recheninfrastruktur, während die USA etwa 75 Prozent kontrollieren – obwohl Europa rund 20 bis 25 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Diese Lücke macht den Kontinent verwundbar.
Ein zentrales Beispiel im Szenario ist ASML, der niederländische Hersteller von Lithografiemaschinen, die zur Produktion von KI-Chips unverzichtbar sind. Die USA könnten Europa unter Druck setzen, indem sie den Export dieser Maschinen nach China einschränken – und Europa dabei als Verhandlungsmasse nutzen.
KI-Recheninfrastruktur: Das Stromnetz der Zukunft
Dada zieht einen einprägsamen Vergleich: KI-Recheninfrastruktur ist das Stromnetz der Zukunft. So wie heute kein Unternehmen ohne Strom wettbewerbsfähig agieren kann, werde in zehn bis zwanzig Jahren kein Unternehmen ohne Zugang zu ausreichender KI-Rechenleistung bestehen können. Fehlt diese Infrastruktur oder ist man vollständig von ausländischen Anbietern abhängig, droht ein wirtschaftlicher Stillstand – vergleichbar mit einem Land ohne funktionierendes Stromnetz.
Die Forderung des Szenarios ist klar: Europa muss seine KI-Rechenkapazität auf 15 bis 20 Prozent des globalen Niveaus ausbauen, was etwa 50 Gigawatt entspricht. Da dies allein durch europäische Investitionen kaum zu stemmen ist, plädiert Dada dafür, amerikanische Hyperscaler dazu zu bewegen, ihre Rechenzentren auf europäischem Boden zu bauen – als pragmatischen Zwischenschritt auf dem Weg zu mehr Souveränität.
- Europa hält heute nur ca. 5 % der globalen KI-Rechenkapazität
- Die USA kontrollieren rund 75 % dieser Infrastruktur
- Ziel: Ausbau auf 15–20 % entsprechend Europas wirtschaftlichem Gewicht
- Ein Gigawatt Recheninfrastruktur kostet rund 40 Milliarden Euro
- ASML ist der einzige Hersteller weltweit für bestimmte Lithografiemaschinen
Kündigungsschutz lockern – für mehr soziale Sicherheit?
Dada provoziert bewusst mit einer weiteren These: Um das europäische Sozialmodell langfristig zu erhalten, müsse der Kündigungsschutz gelockert werden. Der scheinbare Widerspruch löst sich in ihrer Argumentation schnell auf. Nur eine wettbewerbsfähige, dynamische Wirtschaft erwirtschafte die Mittel, die für soziale Absicherung notwendig sind.
Als Vorbild nennt sie das Flexicurity-Modell skandinavischer Länder: Arbeitgeber können Mitarbeitende flexibler entlassen, dafür greift ein gut ausgebautes soziales Netz. Startups wie Langdock scheitern heute häufig daran, Toptalente mit sechsmonatiger Kündigungsfrist abzuwerben – eine Zeitspanne, die im schnellen KI-Umfeld einer halben Ewigkeit entspricht.
Gleichzeitig kritisiert Dada bürokratische Hürden wie die Notarpflicht bei Unternehmensänderungen und fordert, dass die GmbH als Rechtsform international wettbewerbsfähiger wird. Als positives Beispiel nennt sie die europäische SE (Societas Europaea), unter der Langdock inzwischen firmiert – nach dem Rückzug aus einer amerikanischen Inc.-Struktur.
Langdock: Vom DSGVO-konformen ChatGPT zum europäischen Hyperscaler
Langdock startete als datenschutzkonforme Alternative zu ChatGPT für Unternehmen und wächst rasant: Mehr als 13.000 Unternehmen nutzen die Plattform bereits, das Berliner Team umfasst 60 Personen. Die Plattform ist modellagnostisch – Nutzer können alle gängigen KI-Modelle einsetzen, ohne Daten an die Modellanbieter preiszugeben.
Die Ambition geht inzwischen weit darüber hinaus. Langdock will eine eigene KI-Cloud aufbauen und damit zum nächsten europäischen Hyperscaler werden – einem Anbieter, der souveräne Rechenkapazität mit der Nutzerfreundlichkeit amerikanischer Dienste verbindet. Dada sieht darin einen strategischen Vorteil: Anders als reine Infrastrukturanbieter kommt Langdock von der Anwendungsseite und bringt bereits eine große Nutzerbasis mit.
Ob Europa das Ruder noch herumreißen kann, hängt laut Dada von politischem Willen, koordinierter Strategie und unternehmerischem Mut ab. Die Grundwerte – Demokratie, Gleichheit, Selbstbestimmung – seien vorhanden. Was fehle, sei die Bereitschaft, überkommene Prozesse zu reformieren, bevor es zu spät ist.
Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.