Landtagswahl MV & Berlin: Umfragen vor der Wahl
Zwei Tage vor der Landtagswahl in MV und der Berliner Abgeordnetenhauswahl zeigen Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen – mit Überraschungen für CDU und AfD.
Dieses Video wurde am 18.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Zwei Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und der Berliner Abgeordnetenhauswahl verdichten sich die Vorzeichen für historische Ergebnisse. Die aktuellsten Umfragen offenbaren ein Kopf-an-Kopf-Rennen in beiden Bundesländern – mit einer SPD, die in MV die AfD überflügelt, und einer Linkspartei, die in Berlin knapp vorne liegt. Für die CDU zeichnen sich in beiden Ländern schwierige Wahltage ab.
Schwesig vor AfD: SPD-Überraschung in Mecklenburg-Vorpommern
Laut der jüngsten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF kommt die SPD in Mecklenburg-Vorpommern auf 37 Prozent – einen Prozentpunkt mehr als die AfD mit 36 Prozent. Das ist das erste Mal seit Anfang 2023, dass die Sozialdemokraten in Umfragen wieder vor der AfD liegen.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat konsequent auf einen personalisierten Wahlkampf gesetzt und sich geschickt als Gegenpol zur AfD positioniert – spätestens nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt als „die Frau gegen Blau” bekannt. Diese Strategie zahlt sich offenbar aus.
Die weiteren Umfragewerte im Überblick:
- SPD: 37 Prozent
- AfD: 36 Prozent
- Linke: 9 Prozent
- Grüne: ca. 5 Prozent (kämpfen um Einzug in den Landtag)
- CDU: nur noch 6 Prozent
CDU vor dem Supergau: Einzug in den Landtag gefährdet
Für die CDU Mecklenburg-Vorpommern sind diese Zahlen desaströs. Noch vor vier bis fünf Monaten lag die Partei bei rund 10 bis 13 Prozent. Der massive Stimmenverlust erklärt sich wohl durch taktisches Wählerverhalten: Viele CDU-Anhänger dürften ihre Stimme lieber Schwesig geben, als sie an eine Partei zu verlieren, die womöglich an der Fünfprozenthürde scheitert.
Damit steht die CDU erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik vor der Möglichkeit, nicht in den Schweriner Landtag einzuziehen – ein beispielloser Vorgang für eine der beiden großen Volksparteien.
Als mögliche Koalitionen nach der Wahl gelten Rot-Rot-Grün (SPD, Linke, Grüne) sowie das sogenannte Kenia-Bündnis (CDU, SPD, Grüne). Wahrscheinlicher gilt eine Fortsetzung der bisherigen Koalition aus SPD und Linken, die in der Legislaturperiode stabil zusammengearbeitet hat.
Berlin: Linkspartei knapp vor CDU – Wohnungsvergesellschaftung als Zankapfel
In der Hauptstadt zeigt die jüngste Umfrage zur Berliner Abgeordnetenhauswahl ein ähnlich enges Rennen. Die Linkspartei führt hauchdünn mit 22 Prozent vor der CDU mit 20 Prozent. Dahinter folgen die AfD mit 18 Prozent sowie die Grünen und die SPD.
Zentrales Streitthema im Berliner Wahlkampf ist die Vergesellschaftung von Wohnungen. Die Linkspartei plant, rund 220.000 Wohnungen in städtischen Besitz zu überführen. Die Partei kalkuliert die Kosten auf 8 bis 14 Milliarden Euro, die über Kredite finanziert und durch Mieteinnahmen refinanziert werden sollen.
Kritiker widersprechen dieser Rechnung scharf: Der Rechnungshof beziffert die notwendigen Entschädigungszahlungen auf rund 36 Milliarden Euro, hinzu kämen jährliche Zusatzinvestitionen von 700 Millionen bis einer Milliarde Euro durch den Berliner Senat. Bei einem Schuldenstand der Stadt von bereits über 60 Milliarden Euro sei das Vorhaben schlicht nicht finanzierbar, so die Kritik.
Ausblick: Alles offen bis Sonntagabend
In beiden Bundesländern bleibt die Lage bis zum Wahltag dynamisch. Bundespolitische Themen – etwa mögliche Entlastungen bei den Spritpreisen – könnten noch Einfluss auf die Entscheidung unentschlossener Wählerinnen und Wähler nehmen. Koalitionsarithmetisch wäre in Berlin theoretisch ein Rot-Grün-Rot-Bündnis möglich, allerdings nur bei einem stabilen Ergebnis der Linkspartei.
Für die CDU steht in beiden Hauptstädten viel auf dem Spiel: In Schwerin droht der historische Rauswurf aus dem Landtag, in Berlin der Absturz auf den dritten Platz. Die Ergebnisse am Sonntagabend werden nicht nur die Landespolitik prägen, sondern auch als Signal für die Bundespolitik gewertet werden.
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