Fed-Zinsentscheidung: Zinserhöhung trotz Iran-Krise?
Die Fed steht vor einer wegweisenden Zinsentscheidung: Angesichts hoher Inflation und steigender Ölpreise durch den Iran-Konflikt rechnen Märkte mit 90 % Wahrscheinlichkeit mit einer Erhöhung.
Dieses Video wurde am 16.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Fed-Zinsentscheidung vom 16. September steht im Mittelpunkt der weltweiten Finanzmärkte. Angetrieben von anhaltend hoher Inflation und einem durch den Iran-Konflikt destabilisierten Ölmarkt rechnen Analysten mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Für Chefvolkswirt Carsten Mumm von Donner & Reuschel wäre „alles andere eine große Überraschung”. Die Entscheidung der US-Notenbank fällt um 20 Uhr deutscher Zeit – mit weitreichenden Folgen für Aktienmärkte, Anleihen und den Ölpreis.
Ölpreis und Iran-Konflikt belasten die Inflation
Der eskalierende Konflikt rund um den Iran hat die Energiemärkte in Aufruhr versetzt. Ein Drohnenangriff zwang Saudi-Arabien, seine Ostwest-Pipeline abzuschalten, woraufhin die Verladung von Rohöl am Exportknotenpunkt Yanbu am Roten Meer zeitweise ausgesetzt wurde. Riad strich daraufhin Lieferungen an europäische Kunden.
Als Reaktion bietet Saudi-Arabien asiatischen Raffinerien nun Rohölladungen über Umladungen auf offener See vor dem Hafen von Sohar in Oman an – ein Notbehelf, der die schlimmsten Versorgungsängste etwas dämpft. Der Brent-Ölpreis gab daraufhin um 1,1 Prozent nach, bleibt aber auf sehr hohem Niveau.
Zugleich meldeten die USA einen überraschenden Anstieg der Rohölvorräte: In der Woche zum 11. September wuchsen die Lagerbestände um 7,1 Millionen Barrel – Analysten hatten einen Rückgang um 1,6 Millionen Barrel erwartet. Für den DAX bedeutete die leichte Entspannung am Ölmarkt ein moderates Plus von 0,3 Prozent.
US-Inflation zwingt die Fed zum Handeln
Die Inflation in den USA verharrt auf hartnäckig hohem Niveau. Im August stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 3,4 Prozent – exakt so viel wie im Juli. Das Fed-Ziel von 2 Prozent wird damit seit fünf Jahren verfehlt.
Fed-Chef Christopher Waller hatte beim Notenbankertreffen in Jackson Hole ungewöhnlich deutliche Worte gefunden: Man müsse davon überzeugt sein, dass sich die Kerninflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit dem Ziel annähere – andernfalls sei noch einiges zu tun. Diese Aussagen befeuerten Spekulationen über eine erneute Zinsstraffung.
- Aktuelle US-Inflation (August): 3,4 Prozent im Jahresvergleich
- Fed-Inflationsziel: 2 Prozent
- Bisherige Zinsspanne: 3,5 bis 3,75 Prozent (seit fünf Sitzungen unverändert)
- Erwartete Erhöhung: 25 Basispunkte
- Marktwahrscheinlichkeit für Zinserhöhung: rund 90 Prozent
US-Präsident Donald Trump dagegen drängt weiterhin auf Zinssenkungen und hat erneut mit einem Handelsstopp gegenüber Ländern gedroht, sollte die Fed die Geldpolitik nicht lockern.
Anleihemärkte und Aktienbörsen im Fokus
An den Anleihemärkten sorgte der jüngste Zinsanstieg für erhebliche Turbulenzen. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg auf über 5 Prozent – den höchsten Stand seit Beginn der Finanzkrise 2007. Steigende Langfristzinsen belasten gleichzeitig die Aktienmärkte und schüren Fragen, wie lange Staaten diese Zinsniveaus noch tragen können.
Ökonom Carsten Mumm erwartet, dass eine klare Zinserhöhung der Fed paradoxerweise entspannend wirken könnte: Indem die Notenbank glaubwürdig Inflationsbekämpfung signalisiert, dürften die langfristigen Anleiherenditen etwas nachgeben – was wiederum Entlastung für die Wall Street bedeuten würde.
Eine klare Forward Guidance für weitere Zinsschritte erwartet Mumm hingegen nicht. Die Lage sei zu volatil, die Fed werde datenabhängig entscheiden – geprägt vor allem vom unberechenbaren Ölpreis.
DAX: KI-Aktien erholen sich, Autobauer unter Druck
Im DAX zeigten sich am Mittwoch deutliche Branchenunterschiede. KI-Profiteure wie Bauer von Rechenzentren legten bis zu 3,5 Prozent zu, Siemens Energy gewann 2,3 Prozent. Auch RWE, Continental und Infineon – als Chiplieferant für Rechenzentren relevant – schlossen im Plus.
Auf der Verliererseite standen Automobilwerte: Volkswagen verlor trotz erhöhter Kursziele durch Kepler und Berenberg 2,7 Prozent und war größter DAX-Verlierer. BMW büßte 1,2 Prozent ein, obwohl Berenberg die Aktie auf „Kaufen” hochgestuft hatte. Mercedes-Benz gab 2,4 Prozent nach.
Die Fed-Entscheidung am Abend dürfte auch für die weitere Entwicklung an den europäischen Börsen richtungsweisend sein. Entscheidend bleiben dabei zwei Faktoren: der weitere Verlauf des Nahost-Konflikts und damit des Ölpreises – sowie die Frage, wie schnell die Inflation auf das angestrebte Niveau zurückfällt.
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