DAX-Check: Bilfinger, Commerzbank, Infineon im Fokus
Der DAX-Check vom 17. September analysiert Bilfinger, Commerzbank, Infineon, Lufthansa, RWE und Wacker Chemie – mit Blick auf Fed-Entscheid und Marktlage.
Dieses Video wurde am 17.09.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der DAX-Check vom 17. September steht ganz im Zeichen der jüngsten Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve. Die Fed erhöhte den Leitzins erwartungsgemäß um 25 Basispunkte und stellte weitere Erhöhungen in Aussicht. Die Märkte reagierten zunächst mit Verlusten – der US-Bankenindex gab rund 2,9 Prozent nach –, doch am Donnerstagmorgen präsentierte sich die Stimmung an den europäischen und asiatischen Börsen wieder deutlich freundlicher. Der DAX startete mit einem Plus von rund 0,7 Prozent bei 25.718 Punkten in den Handelstag.
Fed-Entscheid belastet kurzzeitig – Märkte stabilisieren sich
Der Dow Jones verlor nach der Zinsentscheidung zeitweise über 600 Punkte. Haupttreiber der Verluste waren Bankaktien, die unter den Perspektiven steigender Kreditausfallrisiken und nachlassender Kreditnachfrage litten. Trotz steigender Zinsen – die grundsätzlich als günstig für Bankmargengalten – überwogen die Sorgen vor einer Kreditklemme.
Positiv wirkte hingegen, dass die Renditen wieder leicht zurückkamen. In den USA fielen sie unter die Marke von 5 Prozent, in Deutschland lagen sie bei 3,51 Prozent. Auch die Ölpreise gaben nach: Brent-Futures notierten bei rund 103 Dollar, nachdem sie zwischenzeitlich fast 110 Dollar erreicht hatten. Sinkende Ölpreise entlasten Unternehmen wie Lufthansa spürbar.
Bilfinger mit Gewinnwarnung – Aktie auf Zwölfmonatstief
Das schwächste Bild im heutigen DAX-Check liefert Bilfinger. Der Industrie- und Infrastrukturdienstleister senkte seine Jahresprognose deutlich: Die bereinigte EBIT-Marge wird nur noch mit 4,6 bis 5 Prozent angegeben, statt der bislang erwarteten 5,8 bis 6,2 Prozent. Unbereinigt liegt die Marge sogar nur noch bei 3 bis 3,6 Prozent. Auch die Umsatzspanne wurde auf 5,3 bis 5,7 Milliarden Euro reduziert.
Als Ursachen nennt das Unternehmen Investitionszurückhaltung sowie Projektverschiebungen infolge des Nahostkonflikts. Als Gegensteuern wurde ein neues Programm namens „Agil” aufgelegt. Die Aktie verlor rund 15 Prozent und markierte ein neues Zwölfmonatstief. Der Stoppkurs wurde gerissen, die Gesamtperformance liegt bei minus 23 Prozent. Die Empfehlung lautet derzeit: Abwarten, bis sich eine Bodenbildung abzeichnet.
Commerzbank, Infineon und Lufthansa: Unterschiedliche Signale
Bei der Commerzbank bleibt die Lage vielschichtig. Zwar war die Aktie zuletzt auf ein neues Zehnjahreshoch gestiegen, doch im Sog der US-Bankenschwäche gab sie nach. Die Übernahmefantasie durch die italienische UniCredit – die mittlerweile die Mehrheit hält – bleibt ein Kurstreiber. Die Bundesregierung knüpft eine mögliche Übernahme an Bedingungen wie den Erhalt des deutschen Börsenlistings und die Funktion als Mittelstandsfinanzierer. Fazit: Gewinne laufen lassen, kein Verkaufsgrund in Sicht.
Infineon hat den Verkauf seines Speichergeschäfts zu einem schulden- und liquiditätsfreien Kaufpreis von 1,12 Milliarden US-Dollar angekündigt. Der Abschluss ist für die zweite Jahreshälfte geplant. Der Konzern will sich stärker auf seine Wachstumsbereiche konzentrieren. Die Aktie pendelt knapp oberhalb der Unterstützungszone bei 54 Euro – langfristig gilt die Bewertung als konstruktiv.
Bei Lufthansa bieten sinkende Ölpreise Rückenwind. Zudem arbeitet das Unternehmen an aerodynamischen Optimierungen, die tonnenweise Kerosin einsparen sollen. Technisch hat die Aktie die Marke von 7,50 Euro dreimal erfolgreich getestet. Als Trading-Position mit engem Stopp bei 7,40 Euro und einem Kursziel zwischen 8 und 8,20 Euro gilt sie als interessant.
RWE und Wacker Chemie mit neuen Strategien
Für RWE gibt es positive Nachrichten: Der Energiekonzern stockte seinen Anteil an der Beteiligungsgesellschaft M31 um weitere 3 Prozent auf nun 58 Prozent auf – und damit indirekt seinen Anteil an Amprion. Die Aktie legte rund 1,7 Prozent zu und nähert sich einem technischen Ausbruch. Das nächste rechnerische Kursziel liegt bei rund 70 Euro.
Wacker Chemie präsentierte auf seinem Kapitalmarkttag in London die neue Strategie „Refocus”. Die wichtigsten Eckpunkte:
- EBITDA-Marge soll auf 15 Prozent (Zielband: 13–17 %) verbessert werden
- Kapitalrendite soll nachhaltig über 10 Prozent steigen
- Brutto-Einsparungen von 300 Millionen Euro ab 2028, über 50 Prozent davon EBITDA-wirksam
- Investitionen werden auf 300 bis 400 Millionen Euro reduziert – unterhalb der Abschreibungen
Die Aktie notierte zuletzt über der 90-Euro-Marke, nahe der 50-Tageslinie. Eine sofortige Kaufempfehlung wird noch nicht ausgesprochen – zunächst soll abgewartet werden, ob die Maßnahmen greifen. Als Watchlist-Kandidat gilt das Unternehmen jedoch als attraktiv, zumal es bei Polysilizium eine starke Marktposition für den US-Markt hält.
Insgesamt zeigt der Markt am 17. September eine bemerkenswerte Resilienz. Trotz des restriktiven Fed-Kurses signalisiert die positive Eröffnung in Europa, dass Anleger die Unabhängigkeit der Notenbank als stabilisierendes Signal werten. Weitere Impulse liefern am heutigen Tag die Zinsentscheidung der Bank of England sowie US-Konjunkturdaten wie der Philadelphia-Fed-Index und Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
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