Thursday, 17. September 2026
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Fed hebt Zinsen an: Reaktionen und Folgen

Die US-Notenbank Fed erhöht erstmals seit 2023 den Leitzins auf 3,75–4,0 %. Was das für Märkte, Trump und die Wirtschaft bedeutet.

Redaktion · 17. September 2026, 06:02 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 17.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins erstmals seit Mitte 2023 wieder angehoben – und damit eine heftige Reaktion von US-Präsident Donald Trump ausgelöst. Der geldpolitische Schlüsselsatz steigt um einen Viertelprozentpunkt auf die neue Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent. Gleichzeitig kämpft Audi mit einer massiven Verzögerung beim neuen Elektro-A4, und die EU-Kommission plant ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren. Ein ereignisreicher Tag am globalen Parkett.

Fed Zinserhöhung: Ökonomen jubeln, Trump tobt

Fed-Präsident Kevin Wash und seine Kollegen folgten den Erwartungen der Volkswirte und stimmten einstimmig für die Zinserhöhung. Begründung: die anhaltend hohe Inflation. An den Märkten kam die Entscheidung wenig erfreulich an.

  • Der Dow Jones schloss 1,2 Prozent im Minus.
  • Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,4 Prozent nach.
  • Im Zinsausblick signalisierten die Währungshüter eine mögliche weitere Erhöhung noch vor Jahresende.

Trump reagierte umgehend auf seiner Plattform Truth Social und forderte in Großbuchstaben schnelle Zinssenkungen. Er hatte der Fed zuvor gedroht, im Fall von Zinserhöhungen den Handel mit einzelnen Ländern auszusetzen – ein Zusammenhang, der wirtschaftlich kaum nachvollziehbar ist.

Audi Elektro-A4: Vorzeigeprojekt kommt verspätet

Der neue elektrische Audi A4 E-Tron gilt intern als Beweis dafür, dass Audi den Sprung ins Elektrozeitalter schafft – und dass die neue Konzernplattform SSP des VW-Konzerns funktioniert. Doch aus Konzernkreisen verlautet, dass die Produktion frühestens im März 2029 anlaufen wird. Insider rechnen eher mit Ende April oder Anfang Mai.

Damit hinkt Audi den direkten Wettbewerbern deutlich hinterher: BMW und Mercedes bringen ihre elektrischen Konkurrenzmodelle im für Firmenwagen wichtigen Segment noch in diesem Jahr auf die Straße. Ein Insider verglich die Situation mit dem Bahnprojekt Stuttgart 21: „nicht unlustig, aber auch nicht wirklich zum Lachen.”

Die Verzögerung heizt intern eine alte Debatte an: Braucht der VW-Konzern einen zentralen Konzern-CTO, der Technik, Beschaffung und Entwicklung konzernweit bündelt und Sonderwege der Marken begrenzt? Der Betriebsrat ist offen dafür, die Marken sind dagegen. Audi-Chef Gernot Döllner soll von der Idee wenig begeistert sein – es sei denn, er bekäme den Posten selbst.

EU plant Social-Media-Verbot für Minderjährige

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nutzte ihre Rede zur Lage der Union in Straßburg für eine weitreichende Ankündigung: Die Kommission will ein Gesetz vorschlagen, das den Zugang von Kindern zu sozialen Netzwerken stark einschränkt.

  • Unter 13 Jahren: kein Zugang zu sozialen Medien.
  • Ab 13 bis 14 Jahren: nur betreute Jugendkonten.
  • Eigene Konten erst ab 15 Jahren, verbunden mit einem täglichen Zeitlimit.

„Wir bestimmen unsere Regeln – nicht Big Tech”, erklärte von der Leyen. Die Regelung trifft vor allem US-amerikanische Plattformbetreiber und dürfte die ohnehin angespannten Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA weiter belasten.

Weitere Schlaglichter: Singapur, Standort Deutschland, falscher Bezos

Singapurs Premierminister Lawrence Wong erhält künftig umgerechnet 2,8 Millionen Dollar Jahresgehalt – das Siebenfache von Donald Trumps Amtsbezügen. Das Land setzt bewusst auf marktgerechte Vergütung, um Spitzenmanager in die Politik zu holen.

Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller plädiert derweil für einen Aufbruch am Wirtschaftsstandort Deutschland. Ihre Forderungen: flexiblere Arbeitszeiten, weniger Bürokratie und eine berechenbare Energiepolitik. Deutsche Produkte seien weltweit wettbewerbsfähig – die Produktionsbedingungen im Inland hingegen nicht mehr.

Für eine kuriose Note sorgte ein Vorfall im österreichischen Micheldorf: Ein Bezos-Doppelgänger landete dort per Hubschrauber zur Feier eines Amazon-Großauftrags – begleitet von echten Polizeibeamten einer Spezialeinheit, die der Firmenchef über persönliche Kontakte organisiert hatte. Eine dienstrechtliche Prüfung läuft.

Die Häufung der Ereignisse – Fed-Entscheidung, VW-Krise, neue EU-Digitalregeln – verdeutlicht, wie eng wirtschaftliche, politische und technologische Entwicklungen derzeit miteinander verflochten sind. Ob die Fed tatsächlich noch in diesem Jahr erneut die Zinsen anhebt, dürfte die Märkte in den kommenden Wochen in Atem halten.

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