Generation Z: Wirtschaftlich wirklich abgehängt?
Ist Generation Z wirtschaftlich schlechter gestellt als frühere Generationen? Ein Faktencheck zu Aufstiegschancen, Wohneigentum, Jobs und Rente.
Dieses Video wurde am 05.11.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
In mehreren deutschen Städten gingen zuletzt über 100.000 vor allem junge Menschen auf die Straße. Organisiert von der Initiative „GenZ regelt”, protestierten sie gegen steigende Mieten, schlechte Aufstiegschancen, ein unsicheres Rentensystem und die wachsende Unsicherheit durch Künstliche Intelligenz. Doch hinter dem Gefühl, die Verlierergeneration zu sein, steckt eine komplexe wirtschaftliche Realität: Ein nüchterner Faktencheck zeigt, wo die Generation Z – geboren zwischen 1995 und 2010 – tatsächlich benachteiligt ist und wo die Datenlage differenzierter ausfällt.
Aufstiegschancen: Der Fahrstuhl fährt langsamer
Beim sozialen Aufstieg hat sich die Lage für jüngere Generationen nachweislich verschlechtert. Laut Zahlen führender Wirtschaftsinstitute hängt seit den 1980er-Jahren das spätere Einkommen von Kindern deutlich stärker vom Einkommen der Eltern ab als noch bei früheren Jahrgängen. In Deutschland kann es bis zu sechs Generationen dauern, bis Nachkommen einer einkommensschwachen Familie das Einkommensniveau einer Durchschnittsfamilie erreichen – in Dänemark sind es nur zwei.
Ein wesentlicher Kanal für Aufstieg ist Bildung. Doch auch hier klafft die Schere: Mehr als 70 Prozent der Akademikerkinder schaffen den Weg an die Universität, bei Kindern aus Haushalten mit geringeren Bildungsabschlüssen sind es nur rund 20 Prozent. Obwohl die Einkommensschere seit der Jahrtausendwende nicht weiter gewachsen ist, hat die Politik es versäumt, strukturelle Nachteile auszugleichen – etwa durch gezielte frühkindliche Förderung oder den Ausbau von Kitaplätzen.
Arbeitsmarkt: Mehr beschäftigt, aber seltener in Vollzeit
Ein weit verbreitetes Vorurteil hält einer Überprüfung nicht stand: Die Generation Z ist nicht faul. Der Anteil erwerbstätiger junger Menschen ist so hoch wie zuletzt Mitte der 1990er-Jahre. Allerdings zeigt sich ein anderes Muster: Vollzeitstellen für 20- bis 29-Jährige lagen zuletzt rund drei Prozent unter dem Niveau von 2022 – stärker als der Rückgang im Gesamtmarkt.
Besonders auffällig: Stellenangebote für Berufseinsteiger sind seit dem Höchststand 2022 um rund zwei Drittel eingebrochen. Gleichzeitig beobachten Experten, dass viele Einstiegsjobs leichter durch KI ersetzt werden könnten als andere Tätigkeiten – statistisch belegen lässt sich dieser Effekt derzeit aber noch nicht eindeutig.
- Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen: aktuell rund 6,3 Prozent – deutlich unter dem Höchstwert von 12,5 Prozent im Jahr 2005
- Vollzeitbeschäftigung junger Arbeitnehmer sank seit 2022 überproportional
- Studierende gehen häufiger Nebenjobs nach als noch vor wenigen Jahren
- Im Handwerk herrscht gleichzeitig Fachkräftemangel – dort werden händeringend junge Menschen gesucht
Die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre trifft Berufseinsteiger besonders hart. Hinzu kommt: Bei betriebsbedingten Kündigungen sind jüngere Beschäftigte oft als erste betroffen.
Wohnen und Vermögen: Das Eigenheim rückt in weite Ferne
Am klarsten ist die Datenlage beim Thema Wohneigentum. Der notwendige Eigenkapitalanteil beim Immobilienkauf hat sich in deutschen Städten seit 1980 ungefähr verdoppelt. Millennials mussten im Schnitt 14 Jahre sparen, um das benötigte Eigenkapital aufzubauen – Babyboomer brauchten dafür nur sieben Jahre.
Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2025 belegt den Rückgang der Eigentumsquote besonders eindrücklich: Bei älteren Geburtsjahrgängen besaßen noch 24 Prozent eine Immobilie, obwohl ihre Eltern zur Miete wohnten. Bei jüngeren Jahrgängen sind es nur noch 8 Prozent. Gleichzeitig wohnen 37 Prozent der Jüngeren zur Miete, obwohl ihre Eltern Eigentümer waren – früher waren es nur 14 Prozent. Besonders WG-Zimmerpreise in Universitätsstädten stiegen seit 2012 um rund 80 Prozent.
Beim Einkommen hingegen ist das Bild gemischter: Verfügbare Daten aus den USA und Großbritannien zeigen, dass die Gen Z im direkten Altersvergleich mehr verdient als Millennials oder Babyboomer zum gleichen Zeitpunkt. Vergleichbare Zahlen für Deutschland fehlen bislang.
Rente und Politik: Wenig Konkretes, aber ein Lichtblick
Das Rentensystem bereitet der jungen Generation große Sorgen: Nur noch 14 Prozent glauben, von der gesetzlichen Rente im Alter gut leben zu können. Zwei Drittel halten das für völlig unrealistisch. Der demografische Wandel belastet die sozialen Sicherungssysteme strukturell – und das wissen auch die Jungen.
Die Bundesregierung plant zwar eine Kapitalrente, bei der zwei Prozent des Rentenbeitrags an den Aktienmärkten angelegt werden sollen. Langfristig könnte das die Rente eines Durchschnittsrentners um bis zu 770 Euro monatlich steigern – und niemand würde davon so stark profitieren wie die junge Generation. Allerdings wurde ein entsprechender Kabinettsbeschluss zuletzt verschoben; bislang sind nur Eckpunkte geplant.
Kanzler Friedrich Merz hat auf die Proteste reagiert und angekündigt, sich für bezahlbaren Wohnraum, Startup-Förderung und wirtschaftliche Bildung in Schulen einzusetzen. Konkrete Maßnahmen stehen jedoch noch aus. Der Soziologe Heinz Bude beschreibt die aktuelle Lage treffend: Erstmals in der Geschichte Deutschlands blickt eine junge Generation pessimistischer in die Zukunft als ihre Elterngeneration – ein Befund, der politischen Handlungsdruck erzeugt, dem bislang kaum ausreichend begegnet wird.
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