KI-Investitionszyklus: Chancen und Risiken in Schwellenländern
DWS-Fondsmanagerin Lilian Hak erklärt, warum der KI-Investitionszyklus Schwellenländer antreibt – und welche Risiken ETF-Anleger dabei übersehen.
Dieses Video wurde am 13.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der globale KI-Investitionszyklus treibt die Aktienmärkte weltweit an – doch besonders in den Schwellenländern schlägt der Technologieboom mit voller Wucht durch. Lilian Hak, Fondsmanagerin bei der DWS, ordnet die aktuelle Marktlage ein: US-Aktien sind ihrer Einschätzung nach bewertungstechnisch bereits sehr teuer, während Schwellenländer denselben Technologietrend zu einem vergleichsweise moderateren Preisniveau abbilden. Die entscheidende Frage lautet, ob der Zyklus noch trägt – oder ob eine Korrektur bereits näher rückt, als viele Anleger wahrhaben wollen.
Taiwan und Korea: Die Hightech-Werkbank der Welt
Was früher China als verlängerte Werkbank der Industrienationen zugeschrieben wurde, gilt heute in der Hochtechnologie für zwei andere Länder: Taiwan und Südkorea. Beide Staaten sind im MSCI Emerging Markets Index stark vertreten und beheimaten Unternehmen, die das Rückgrat der globalen KI-Infrastruktur bilden.
In diesen Ländern produzieren führende Konzerne Speicherchips sowie die für den Ausbau von Rechenzentren essenziellen GPUs und CPUs. Hak beschreibt diese Firmen treffend als Anbieter von „Schaufeln und Hacken” des KI-Zeitalters – also jene Zulieferer, die unabhängig vom Ausgang des KI-Wettbewerbs unverzichtbar bleiben.
Die Gewinne dieser Unternehmen entwickeln sich laut Hak „fantastisch”. Es handele sich um gut unterfütterte Kursgewinne, da die Unternehmensgewinne die Kursentwicklung stützten – kein Casino, sondern fundamentale Substanz.
ETF oder aktiv gemanagter Fonds – was ist sinnvoller?
Viele Privatanleger greifen bei Schwellenländern reflexartig zum Emerging-Markets-ETF. Doch Hak warnt vor einem oft übersehenen Klumpenrisiko: Derzeit machen Taiwan rund 29 Prozent und Südkorea rund 20 Prozent des MSCI Emerging Markets aus.
- Die Hälfte des Index ist damit stark auf KI-getriebene Technologiewerte konzentriert.
- Solange die Gewinne sprudeln, funktioniert dieses Gewicht – doch es birgt zyklisches Rückschlagsrisiko.
- Endet der Investitionszyklus, droht ein ebenso schneller Absturz wie der vorangegangene Aufstieg.
- Aktiv gemanagte Fonds ermöglichen eine differenziertere Titelauswahl innerhalb des Technologiesektors.
Bei der DWS setzt man auf ein Team aus Portfoliomanagern und Analysten, die jeweils eine Doppelrolle übernehmen: Fondsverwaltung und detaillierte Unternehmensanalyse. Denn, so Hak: „Hightech ist nicht Hightech” – die Unterschiede innerhalb des Sektors sind erheblich.
Angebot, Nachfrage und das Ende des Zyklus
Die zentrale Frage für Investoren bleibt: Wie nah ist das Ende des aktuellen KI-Booms? Hak analysiert dies klassisch über das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Derzeit werden weltweit massiv Kapazitäten zur Herstellung von CPUs, GPUs und Speicherchips aufgebaut.
Irgendwann werden sich Angebot und Nachfrage angleichen. Dann entfallen die massiven Preissteigerungen bei Halbleiterprodukten, und die Unternehmensgewinne normalisieren sich. Eine Korrektur wäre die logische Folge – kein Crash, aber ein „Durchatmen”, wie Hak es nennt.
Dennoch bleibt die Fondsmanagerin grundsätzlich optimistisch: Die aktuelle Investitionswelle in künstliche Intelligenz sei noch größer als der Internetboom der späten 1990er-Jahre. Wer selektiv und mit Weitblick investiere, könne weiterhin an diesem Zyklus partizipieren.
Einordnung: Substanz statt Spekulation
Die Debatte rund um eine angebliche „Casino-Mentalität” an den Technologiemärkten, wie sie manche Marktteilnehmer äußern, weist Hak zurück. Die Gewinnentwicklung der relevanten Unternehmen in Asien sei real und nachvollziehbar – kein Strohfeuer der Spekulation.
Dennoch mahnt sie zur Differenzierung: Nicht jedes Technologieunternehmen profitiert gleichermaßen, nicht jeder Markt ist gleich bewertet, und nicht jeder Investitionszyklus läuft ewig. Anleger sollten den aktuellen Boom weder ignorieren noch blind in breite Indexprodukte investieren, ohne die zugrundeliegende Konzentration zu verstehen. Der KI-Investitionszyklus bietet Chancen – aber nur für jene, die seine Struktur wirklich kennen.
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