Notfallversorgung: Hilfsorganisationen fordern Nachbesserungen
Hilfs- und Rettungsorganisationen drängen kurz vor der Bundestagsabstimmung auf Korrekturen am geplanten Notfallgesetz – besonders bei der Finanzierung.
Dieses Video wurde am 13.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kurz vor der zweiten Lesung im Bundestag haben führende Hilfs- und Rettungsorganisationen eindringlich Nachbesserungen an der geplanten Reform der Notfallversorgung gefordert. Vertreter von Flugrettung, DRK, Malteser Hilfsdienst und weiteren Organisationen versammelten sich am Dienstag in Berlin vor dem Brandenburger Tor, um ihrer Forderung öffentlich Nachdruck zu verleihen. Im Mittelpunkt der Kritik stehen fehlende Garantien für eine stabile Finanzierung des Rettungsdienstes in Deutschland.
Notfallgesetz zwei Tage vor Bundestagsabstimmung in der Kritik
Das geplante Reformgesetz soll unter anderem festlegen, dass der Rettungsdienst künftig als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung gilt. Doch die betroffenen Organisationen sehen in der aktuellen Fassung erhebliche Lücken. Noch kurz vor der Abstimmung lagen Änderungsanträge vor, die nach Einschätzung der Verbände nicht ausreichend geprüft worden seien.
Die Kritik ist deutlich: Das Gesetz in seiner jetzigen Form sei „völlig ungeeignet”, die Finanzierung des Rettungsdienstes dauerhaft zu sichern. Besonders problematisch sei die Kürze der verbleibenden Zeit, um die Anträge inhaltlich zu bewerten und politisch einzuordnen.
Forderungen der Rettungsorganisationen im Überblick
Die Hilfsorganisationen haben konkrete Forderungen formuliert, die sie an die Bundestagsabgeordneten richten:
- Klare und verlässliche gesetzliche Regelungen zur Finanzierung der Notfallrettung
- Beteiligung der Rettungsorganisationen an einem geplanten bundesweiten Fachgremium, das Empfehlungen für die Notfallversorgung erarbeiten soll
- Keine Kürzungen, die den laufenden Betrieb und die Qualität der Notfallversorgung gefährden
- Ausreichend Zeit zur parlamentarischen Prüfung aller Änderungsanträge
Die Organisationen betonen, dass ihre Expertise unverzichtbar sei, wenn es darum geht, praxistaugliche Standards für die Notfallversorgung in Deutschland zu entwickeln.
Drohende Einsparungen gefährden Ausstattung und Ausbildung
Sollten die im Gesetzentwurf angelegten Kürzungen tatsächlich in Kraft treten, rechnen Rettungsdienste mit spürbaren Einschnitten im Alltag. Dabei müsse es nicht zwingend zur Schließung einzelner Stationen kommen – die Auswirkungen könnten subtiler, aber dennoch gravierend sein.
So könnten etwa Investitionen in Ausstattung zurückgestellt oder freiwillige Zusatzausbildungen gestrichen werden, die bislang die besondere Qualität der Rettungsarbeit ausmachen. Fachleute aus den Organisationen verweisen dabei auf einen oft übersehenen wirtschaftlichen Zusammenhang: Wer am Anfang einer medizinischen Versorgungskette richtig handelt, spart dem Gesundheitssystem langfristig erhebliche Kosten.
Dieses Argument – frühzeitige und qualitativ hochwertige Erstversorgung reduziert Folgekosten im gesamten System – findet in der politischen Debatte nach Ansicht der Verbände zu wenig Gehör.
Rettungsdienst als GKV-Leistung: Chancen und Risiken
Die Einordnung des Rettungsdienstes als Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist dem Grunde nach ein politisch gewollter Schritt zur Vereinheitlichung. Kritiker befürchten jedoch, dass damit auch Kostendruck und Budgetierungslogiken aus dem GKV-System auf den Rettungsdienst übertragen werden.
Ob und in welcher Form die Bundestagsabgeordneten auf die Forderungen der Hilfsorganisationen eingehen, entscheidet sich mit der zweiten Lesung des Gesetzes. Die Verbände appellieren an das Parlament, die Reform nicht zu überstürzen und die Stimmen der Praktiker ernst zu nehmen. Für die Zukunft der Notfallversorgung in Deutschland könnte diese Entscheidung weitreichende Folgen haben.
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