Tuesday, 20. October 2026
BNP Paribas

KI-Korrektur: Wie Anleger jetzt reagieren sollten

Die KI-Korrektur hat Anleger teuer getroffen. Experte Stefan Kemper von BNP Paribas erklärt, warum er konstruktiv bleibt und welche Chancen sich jetzt bieten.

Redaktion · 19. October 2026, 17:44 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 19.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die jüngste KI-Korrektur hat Anleger weltweit kalt erwischt: In zwei Verkaufswellen verloren führende KI-Titel teils mehr als 40 Prozent ihres Wertes, US-amerikanische Chip-Aktien büßten laut Bloomberg binnen einer Woche zusammengerechnet mehr als eine Billion Dollar ein. Gleichzeitig belasten Unruhen in Frankreich, Spanien und Italien die europäischen Aktienmärkte. Wie ernst die Lage wirklich ist und welche Strategie für Anleger nun sinnvoll erscheint, ordnet Stefan Kemper, Chief Investment Officer Wealth Management bei BNP Paribas, ein.

Was die KI-Korrektur ausgelöst hat

Auslöser der Verkaufswelle war ein Bericht über die Umsatzzahlen von OpenAI Anfang Oktober. Statt der erwarteten 70 Milliarden US-Dollar an annualisierten Erlösen tauchte plötzlich eine Zahl von 50 Milliarden auf – ein signifikanter Unterschied, der jedoch im Wesentlichen auf unterschiedliche Berechnungsmethoden zurückzuführen ist. Der Vergleich mit den Umsätzen des Konkurrenten Anthropic sorgte zusätzlich für Verwirrung und traf ein ohnehin fragiles Marktumfeld.

Wenige Tage später enttäuschte auch Anthropic mit schwächerem Umsatzwachstum als erwartet. Hinzu kamen steigende Ölpreise und ein hohes Zinsniveau. Das Ergebnis: Der Philadelphia Halbleiterindex verlor acht Handelstage in Folge an Wert – die längste Negativ-Serie seit 2008. Koreanische Chiphersteller wie SK Hynix und Samsung verloren gegenüber ihren Jahreshochs mehr als 50 beziehungsweise 40 Prozent.

Kemper wertet das als Übertreibung: Selbst wenn man die Gewinnschätzungen um 20 Prozent nach unten korrigiert, liegen die Bewertungen dieser Unternehmen noch unter dem historischen Durchschnitt.

Europäische Börsen unter Druck: Frankreich im Fokus

Parallel zur KI-Schwäche belasten politische Unruhen die europäischen Märkte. Was in Frankreich als Schülerproteste begann, eskalierte zu schweren Ausschreitungen mit Plünderungen und Bränden. Premierminister Lecornu ordnete begrenzte Ausgangssperren an, auch in Italien und Spanien gab es Unruhen.

Die Folgen für die Märkte waren spürbar:

  • Der französische Aktienindex CAC 40 verlor rund 1,6 Prozent.
  • Spanische und italienische Indizes gaben 1,9 bzw. 1,8 Prozent nach.
  • Der DAX rutschte um 1,4 Prozent unter die Marke von 25.300 Punkten.
  • Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg auf knapp 4,9 Prozent.
  • Französische Bankaktien gerieten besonders unter Druck, da Banken hohe Anleihebestände halten.

Investoren halten sich bei französischen Anleihen zurück, erwarten aber laut Marktbeobachtern keine neue Eurokrise – vorerst.

Lohnen sich KI-Investitionen langfristig?

Eine Studie des Beratungsunternehmens Gartner verdeutlicht das Kernproblem: Rechenzentrumsbetreiber müssten bis 2030 kumuliert 8,5 Billionen Dollar Umsatz erwirtschaften, um ihre Investitionen bei einer angestrebten Rendite von 12 Prozent zu finanzieren. Die prognostizierten KI-Erlöse dürften jedoch die Marke von 3,6 Billionen Dollar kaum überschreiten – eine erhebliche Lücke.

Kemper sieht dennoch großes Potenzial: Im Durchschnitt geben US-Unternehmen derzeit gerade einmal 12 Dollar pro Mitarbeiter und Monat für KI aus. Das Top-Segment liegt bei über 7.000 Dollar. Von einer Marktsättigung sei man weit entfernt. Zudem stehen KI-Agenten – Programme, die deutlich mehr Rechenleistung benötigen – erst am Anfang ihrer Verbreitung.

Problematisch seien hingegen sogenannte Neocloud-Betreiber, die sich ausschließlich auf den Betrieb von KI-Rechenzentren spezialisiert haben. Hohe Verschuldung und Anleiherenditen von über 15 Prozent – wie etwa bei CoreWeave – stellen deren Geschäftsmodell langfristig in Frage.

Strategie für Anleger: Halten, diversifizieren, Chancen nutzen

Trotz der Turbulenzen empfiehlt Kemper, KI-Aktien nicht zu verkaufen – zumindest nicht für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont. Auf Jahressicht liegen viele der betroffenen Titel trotz der jüngsten Verluste noch deutlich im Plus. Korrekturen gehörten bei hochvolatilen Wachstumssegmenten zum normalen Marktgeschehen.

Wer sein Portfolio breiter aufstellen möchte, könnte laut Kemper folgende Bereiche in Betracht ziehen:

  • Energieversorger: Der stark steigende Strombedarf von Rechenzentren macht US-amerikanische Versorger interessant.
  • Cybersicherheit: Eng mit KI verknüpft und strukturell wachsend – allerdings mit teils hohen Bewertungen, die eher über breite ETFs gespielt werden sollten.
  • Pick-and-Shovels-Ansatz: Zulieferer und Infrastrukturanbieter, die unabhängig vom Ausgang einzelner KI-Wetten profitieren.

Wer noch nicht investiert ist und über freie Mittel verfügt, könne beginnen, einen Einkaufszettel zu schreiben. Die großen Fragen – wie hoch der Return on Investment bei KI-Anwendungen tatsächlich ausfällt und wie viel Rechenkapazität langfristig benötigt wird – bleiben zwar offen. Die strukturelle Wachstumsstory des Sektors sieht Kemper jedoch intakt.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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