Dieses Video wurde am 13.08.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Kurilen-Streit zwischen Russland und Japan hat eine neue Eskalationsstufe erreicht: Russlands Präsident Wladimir Putin besuchte am Donnerstag die Insel Iturup — eine der vier südlichen Kurilen-Inseln, auf die Japan seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Anspruch erhebt. Es war Putins erster dokumentierter Besuch auf der Insel. Tokio reagierte mit scharfer Kritik: Der Besuch sei „absolut inakzeptabel” und verletze die Gefühle des japanischen Volkes. Der Zeitpunkt ist brisant: Der Besuch fand zwei Tage vor dem 81. Jahrestag der japanischen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg statt.
Was Putin auf Iturup besichtigte
Laut der russischen Nachrichtenagentur TASS besichtigte Putin auf Iturup eine Fischverarbeitungsanlage und traf sich mit Anwohnern der Insel. Die Visite hatte damit offiziell einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Charakter — politisch entfaltete sie jedoch eine erhebliche Signalwirkung.
Iturup gehört zur Inselkette der Kurilen, die sich vom Nordosten Japans bis zur russischen Halbinsel Kamtschatka erstrecken. Die vier südlichen Inseln dieser Kette — auf Japanisch als „Nördliche Territorien” bezeichnet — wurden von der Sowjetunion in den Tagen nach der japanischen Kapitulation im Jahr 1945 besetzt.
Für Russland ist der Besuch des Staatsoberhauptes ein klares Zeichen der Souveränität über das Gebiet. Für Japan ist er eine direkte Provokation.
Japans Reaktion: „Absolut inakzeptabel”
Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaishi verurteilte den Besuch in deutlichen Worten. Sie betonte, die sogenannten Nördlichen Territorien seien „sowohl historisch als auch völkerrechtlich ein fester Bestandteil des japanischen Staatsgebiets”.
Die Erklärung der japanischen Regierung enthielt mehrere zentrale Punkte:
- Der Besuch widerspreche Japans „konsequenter Haltung” in der Territorialfrage.
- Er verletze die Gefühle des japanischen Volkes.
- Er sei „absolut inakzeptabel” und diplomatisch nicht hinnehmbar.
- Japan beharrt auf der Rückgabe der vier Inseln als Bedingung für einen formellen Friedensvertrag.
Ein Friedensvertrag zwischen Russland und Japan wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nie unterzeichnet. Der ungelöste Territorialstreit gilt bis heute als das zentrale Hindernis für eine formelle Normalisierung der bilateralen Beziehungen.
Russland und China stellen sich gemeinsam gegen Japan
Bemerkenswert ist die Reaktion aus Moskau und Peking: Die Botschafter Russlands und Chinas in Japan veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie vor angeblichen Versuchen warnten, die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges zu revidieren. Zudem sprachen sie sich gegen eine Remilitarisierung im asiatisch-pazifischen Raum aus.
Die Formulierung gleicht früheren russischen Positionen, mit denen japanische Gebietsansprüche auf die Kurilen grundsätzlich zurückgewiesen wurden. Dass China diese Sprache nun mitträgt, unterstreicht die enger werdende Koordination zwischen Moskau und Peking in geopolitischen Fragen — auch in einer Region, in der China selbst eigene Territorialinteressen verfolgt.
Der gemeinsame Auftritt beider Botschafter sendet ein klares diplomatisches Signal an Tokio und seine Verbündeten in der Region.
Ein Konflikt ohne Ende in Sicht
Der Kurilen-Streit ist einer der ältesten ungelösten Territorialkonflikte der Nachkriegsordnung in Asien. Trotz wiederholter diplomatischer Annäherungsversuche — zuletzt unter dem früheren japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe — blieb eine Einigung stets aus.
Putins Besuch auf Iturup kurz vor dem Jahrestag der japanischen Kapitulation dürfte die Fronten weiter verhärten. Japan steht vor der Herausforderung, seinen Anspruch auf die Nördlichen Territorien diplomatisch aufrechtzuerhalten, während Russland durch symbolische Aktionen wie diesen Besuch Fakten schafft.
Solange kein Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern existiert und der Territorialstreit ungelöst bleibt, ist eine nachhaltige Entspannung in den russisch-japanischen Beziehungen nicht in Sicht — zumal die globalen geopolitischen Spannungen einer Annäherung zusätzlich entgegenwirken.
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