Merz nach Wahlschlappe: CDU vor grundlegenden Fragen
Nach dem dramatischen CDU-Ergebnis bei den Landtagswahlen räumt Friedrich Merz Fehler ein – und kündigt eine tiefgreifende Neuausrichtung der Partei an.
Dieses Video wurde am 21.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Das CDU-Wahlergebnis bei den jüngsten Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hat die Partei in eine ernste Krise gestürzt. CDU-Chef Friedrich Merz sprach von einer „tiefen Zäsur” und einem „dramatischen, einmaligen Ergebnis” – und stellte klar, dass die Ursachen weit über seine eigene Person hinausgehen. Gleichzeitig kündigte er eine intensive Aufarbeitung innerhalb der Partei an und bekräftigte den Willen, die Koalition in Berlin fortzuführen. Die Fragen, die sich die CDU nun stellen müsse, seien grundsätzlicher und langfristiger Natur.
CDU in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag gefallen
Das wohl schmerzlichste Ergebnis des Wahltages kam aus dem Norden: Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde und verlor damit ihre gesamte Landtagsfraktion. Merz sprach von einem „schweren Schlag”, der lange nachhallen werde. Nach seiner Einschätzung wurde die CDU dort zwischen SPD und AfD zerrieben – eine intensive Zuspitzung des Wahlkampfes zwischen diesen beiden Parteien habe der CDU den Raum genommen. Gerade einmal tausend Stimmen hätten zum Wiedereinzug in den Landtag gefehlt.
In Berlin hingegen habe Spitzenkandidat Stefan Evers unter schwierigen Bedingungen ein „beachtliches Ergebnis” erzielt – wenngleich auch die Berliner CDU unter den eigenen Erwartungen geblieben sei. Merz betonte, dass nun SPD und Grüne entscheiden müssten, in welche Richtung die Berliner Regierungsbildung gehe. Rechnerisch sei sowohl eine linke Mehrheit als auch eine CDU-geführte Koalition möglich.
Systemwandel als Erklärung für das schwache Wahlergebnis
Merz räumte ein, dass die Bundespolitik und seine eigene Person bei beiden Landtagswahlen eine Rolle gespielt hätten. Dennoch machte er strukturelle Verschiebungen im politischen System für die Verluste verantwortlich. Deutschland erlebe – wie viele andere Länder – eine tiefgreifende Veränderung der Parteienlandschaft.
Als besonders alarmierend wertete Merz, dass bei der Berliner Wahl mehr als 40 Prozent der Stimmen auf Kräfte entfielen, die er als „destruktiv” bezeichnete und die das parlamentarische System in Frage stellten. Diese Parteien würden mit „radikalen und einfachen Lösungen” um Wählerinnen und Wähler werben – obwohl es, wie Merz betonte, in der Realität keine einfachen Lösungen gebe.
CDU will Kurs und Programm grundlegend überdenken
Im CDU-Präsidium wurde laut Merz vereinbart, die Partei inhaltlich und strukturell neu auszurichten. Konkret nannte er folgende Punkte, über die die CDU nun beraten wolle:
- Die Arbeit und Struktur der Partei auf den Prüfstand stellen
- Das Programm der CDU überarbeiten und schärfen
- Das politische Profil der CDU klarer herausarbeiten
- Kurzfristige Gespräche mit den Ministerpräsidenten über den künftigen Kurs führen
- Antworten auf die Sorgen der Menschen zu Themen wie Arbeitsplätze, Rente und Gesundheitsversorgung liefern
Merz gestand offen ein, dass die CDU „auf zu viele Fragen keine zufriedenstellenden Antworten mehr” habe – und dass sich das ändern müsse.
Bekenntnis zu Europa und westlicher Wertegemeinschaft
Trotz der Niederlage betonte Merz das klare Bekenntnis der CDU zur Europäischen Union und zur westlichen Wertegemeinschaft. Deutschland habe seit acht Jahrzehnten – beginnend mit Konrad Adenauer – den Nationalismus hinter sich gelassen. Diese Verankerung in Europa und im westlichen Bündnis sei nicht geografischer, sondern normativer Natur und müsse auch in Zukunft erhalten bleiben.
Die Koalition in Berlin werde fortgesetzt, so Merz – auch die SPD habe signalisiert, daran festhalten zu wollen. Er sieht es als „historische Aufgabe” der politischen Mitte, dem Erstarken extremistischer Kräfte entgegenzuwirken und die demokratische Zukunft Deutschlands zu sichern. Merz zeigte sich entschlossen, diese Kraftanstrengung anzugehen – gestützt von Präsidium und Bundesvorstand der CDU.
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