Dieses Video wurde am 19.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Mit seinem neuen Buch „Jenseits der Brandmauer – Mein Leben in der ostdeutschen Provinz” sorgt Monchi, Sänger der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet, für Aufsehen weit über seine Stammszene hinaus. Der bekennende Linke aus Mecklenburg-Vorpommern beschreibt darin einen bemerkenswerten Gesinnungswandel: Durch das Leben in der ostdeutschen Provinz und die persönliche Begegnung mit AfD-Wählern aus seinem eigenen Umfeld hat sich sein Blick auf politische Gräben und die sogenannte Dämonisierung von Wählerinnen und Wählern grundlegend verändert.
Vom „Wir sind mehr”-Konzert zur Selbstreflexion
2018 war Monchi noch eine der Galionsfiguren des antifaschistischen Widerstands. Nach dem gewaltsamen Tod eines Chemnitzers und den anschließenden Demonstrationen trat er beim legendären „Wir sind mehr”-Konzert auf – vor 65.000 Menschen. Das Event wurde zum Symbol linker Gegenwehr gegen rechte Mobilisierung.
Acht Jahre später klingt Monchi anders. In seinem Buch schreibt er, er müsse aufpassen, nicht selbst irgendwann sein Kreuz bei der AfD zu setzen – so sehr hat sich die Realität in seinem Alltag verändert. Er teile zwar nicht die politischen Positionen seiner AfD-wählenden Nachbarn, könne deren Motive aber verstehen. Frustration, Perspektivlosigkeit und das Gefühl, von etablierten Parteien nicht mehr vertreten zu werden, trieben viele einstige SPD-, CDU- oder Linke-Wähler zur AfD.
Dämonisierung funktioniert nur im Abstrakten
Einen zentralen Gedanken zieht sich durch das gesamte Buch: Politische Dämonisierung – nicht von Politikern, sondern von einfachen Wählern – funktioniere nur so lange, wie man diese Menschen nicht persönlich kenne. Wer sich einrede, AfD-Anhänger wollten Andersdenkende in Lager stecken oder mit staatlichen Methoden foltern, könne das nur aufrechterhalten, solange er im Abstrakten bleibe.
Sobald man diese Menschen kennenlerne – Leute, die früher alle möglichen Parteien gewählt hätten und ganz normale Alltagsprobleme hätten –, werde Hass und Dämonisierung schwieriger. Monchi schreibt, je näher er diesen Menschen komme, desto schwerer falle es ihm, sie zu hassen. Das sei keine Zustimmung zu deren Positionen, aber ein Zeichen demokratischer Reife.
Kritik an linken Tabus: Islam, Islamismus und Polizeigewalt
Besonders bemerkenswert sind Monchis Aussagen zu Themen, die in linken Kreisen lange als Tabu galten. In seinem Buch spricht er offen über Probleme und Fehlverhalten in migrantischen Milieus. Er schreibt:
- Er wolle Migranten nicht „in Watte packen” und feiere den Islam nicht pauschal ab.
- Freunde von ihm, die Muslime sind, wurden von Islamisten verfolgt.
- Die meisten Opfer islamistischer Gewalt seien selbst Muslime.
- Er ließ den Liedtext „Niemand muss mehr Bulle sein” aus dem Repertoire entfernen – nach dem islamistischen Mord an einem Polizisten in Mannheim 2024.
- Er habe als Jugendlicher ein Polizeiauto angezündet und sei dafür verurteilt worden – heute wolle er Polizisten nicht mehr entmenschlichen.
Damit wendet sich Monchi explizit gegen eine linke Haltung, die aus Angst vor Rassismusvorwürfen jede Kritik an Migration oder am politischen Islam tabuisiert.
NIUS als „einzig ernstzunehmende Informationsquelle” – eine linke Diagnose
Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgt eine Passage aus dem Buch, in der Monchi beschreibt, dass in seiner Region viele Menschen das Nachrichtenportal NIUS als einzig ernstzunehmende Informationsquelle betrachteten. Selbst die Welt gelte manchen bereits als zu progressiv und regierungsnah. Diese Diagnose bewertet er nicht zwingend positiv – er beschreibt sie als gesellschaftlichen Befund: Viele Menschen in der ostdeutschen Provinz fühlen sich von etablierten Medien nicht mehr abgeholt und suchen Anschluss bei alternativen Formaten.
Dahinter steckt laut Monchi eine tiefe Medienentfremdung: Menschen, die er persönlich kenne und schätze – keine Extremisten, sondern frühere Weggefährten aus der linken Subkultur –, teilten ihm Links aus solchen Quellen, weil sie dort ihre Realität eher wiederfänden als in öffentlich-rechtlichen Berichten.
Ausblick: Ein Signal für den politischen Diskurs
Monchis Wandel steht stellvertretend für eine breitere gesellschaftliche Verschiebung. Während die AfD bundesweit bei 25 bis 30 Prozent liegt und in Teilen Ostdeutschlands auf 40 bis 45 Prozent kommt, wird eine pauschale Ausgrenzung ihrer Wählerinnen und Wähler zunehmend unmöglich – statistisch hat mittlerweile fast jede Familie in Deutschland einen AfD-Wähler. Monchis Buch liefert dazu einen seltenen Blickwinkel: den eines überzeugten Linken, der nicht seine Überzeugungen aufgibt, aber lernt, Realitäten anzuerkennen und Menschen zu verstehen, statt sie zu dämonisieren. Ob das Schule macht, wird sich zeigen – der Anstoß jedenfalls ist gesetzt.
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