Dieses Video wurde am 07.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Ostseefischerei steckt in einer tiefen Krise. An der Küste Rügens kämpfen Fischer wie René Sprayer ums wirtschaftliche Überleben: Die Netze kommen immer öfter leer aus dem Wasser, die Fangquoten sind drastisch gesunken, und der Heringsbestand hat sich seit Jahren nicht erholt. Gleichzeitig arbeiten Meeresforscher fieberhaft daran, die Ursachen zu verstehen und Grundlagen für eine Erholung der Bestände zu schaffen. Ob das rechtzeitig kommt, ist ungewiss – doch ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt.
Von 50 Tonnen auf zwei Tonnen: Der Einbruch der Fangmengen
Die Zahlen sind ernüchternd. Fischer René Sprayer durfte früher in einer Saison bis zu 50 Tonnen Hering fangen. Heute sind es maximal ein bis zwei Tonnen pro Jahr. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm: Von zwei Tonnen Fang bleiben gerade einmal rund 2.000 Euro Erlös – zu wenig, um eine Familie zu ernähren oder einen Betrieb am Leben zu halten.
Um überhaupt über die Runden zu kommen, arbeitet Sprayer inzwischen nebenberuflich für die Meeresforschung. Er sammelt auf seinen Fahrten Wasserproben und betreibt Sensormessungen, deren Daten direkt ins Labor übertragen werden. Was früher ein reiner Fischereibetrieb war, ist heute ein Mischbetrieb aus Tradition und Wissenschaft.
Auch bei der Herbstheringsaison lief zuletzt alles schief. Leere Netze gehören zum Alltag – Tage, an denen man genug für einen ganzen Monat fängt, sind die seltene Ausnahme geworden, an der sich Fischer wie Sprayer emotional festhalten.
Sauerstoffmangel und Erwärmung: Was der Ostsee schadet
Die Ursachen für den Rückgang der Fischbestände sind komplex. Wissenschaftler des Thünen-Instituts beobachten seit Jahren einen besorgniserregenden Zustand der Ostsee. Laut Forscher Sascha Winkler ist Sauerstoffmangel ein generelles Problem – sowohl in der freien Ostsee als auch in den flachen Boddengewässern rund um Rügen.
Erhöhte Wassertemperaturen verschärfen die Lage zusätzlich. Untersuchungen zeigen, dass Heringsbrut Herzrhythmusprobleme entwickelt, wenn die Wassertemperatur zu schnell auf über 17 bis 18 Grad Celsius steigt. Das macht die Reproduktion der Fische anfällig für den Klimawandel.
- Sauerstoffarme Bodenschichten beeinträchtigen Laich- und Aufwuchsgebiete
- Zu rascher Temperaturanstieg schädigt Heringslarven direkt
- Überfischung in der Vergangenheit hat die Bestände nachhaltig geschwächt
- Kühlere Winter können die Überlebensrate der Larven verbessern
Der zurückliegende kalte Winter weckt deshalb vorsichtige Hoffnung: Bleibt das Wasser lange genug kühl, steigen die Chancen für eine erfolgreiche Heringsbrut erheblich.
Wissenschaft als Rettungsanker: Heringslarven unter der Lupe
Rund 30 Kilometer südlich von Rügen sind Forscher um Patrick Polte seit Jahrzehnten damit beschäftigt, Heringslarven an festen Probenpunkten zu zählen. Die Heringslarven sind kaum sichtbar – kleine, transparente Würmchen, die stichprobenartig aus dem Wasser gefischt und anschließend im Labor ausgewertet werden.
Die zentrale Frage lautet: Erholt sich der Heringsbestand? Die Antwort darauf entscheidet über die künftigen Fangquoten und damit über das Schicksal der verbliebenen Küstenfischer. Fischer und Forscher arbeiten hier ungewohnt eng zusammen – auch Fischereikapitän Sebastian Erler verdient sich als Forschungskapitän etwas dazu.
Erler bringt die Lage auf den Punkt: Die Kleine Küstenfischerei wurde kürzlich zum UNESCO-Kulturerbe erklärt – für viele Betroffene klingt das weniger nach Ehrung als nach einem Nachruf. Er hofft, dass Forschungsergebnisse bald zu höheren Fangquoten führen, bevor die letzten traditionellen Betriebe aufgeben müssen.
Zwischen Resignation und Zuversicht: Die Zukunft der Küstenfischerei
Zurück bei René Sprayer auf Rügen: Als die Netze an diesem Tag geholt werden, ist die Ausbeute minimal. Ein paar kleine Plötzen, ein Barsch – alles wandert zurück ins Wasser. Die Stimmung an Bord ist gedämpft.
Dennoch gibt Sprayer nicht auf. Wenn in diesem Jahr viele Heringslarven überleben, könnten die kommenden Fangsaisons deutlich besser werden. Das ist kein sicheres Versprechen, aber ein realistischer Ausblick. Die Verbindung von traditioneller Fischerei und moderner Meeresforschung könnte langfristig der einzige Weg sein, die Ostseefischerei zu erhalten – als lebendige Praxis und nicht nur als Kulturerbe im Museum.
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