Dieses Video wurde am 19.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kein Herz, kein Gehirn, zu fast 95 Prozent aus Wasser – und dennoch die Hauptattraktion eines brandneuen Museums in Pompano Beach, Florida. Das Quallenmuseum gilt als das erste seiner Art in den gesamten USA. Gegründet wurde es von Alex und Jana Janowski, einem ukrainischen Ehepaar, das bereits in Kiew Erfahrung mit dem Betrieb von Quallen-Aquarien gesammelt hatte – bis der russische Angriffskrieg sie 2022 zur Flucht zwang. In Amerika haben sie ihren Neustart gewagt und dabei etwas Einzigartiges geschaffen.
Ein Museum entsteht aus der Not heraus
Die Geschichte hinter dem Museum ist eine Geschichte von Verlust, Mut und Neuanfang. Alex und Jana Janowski betrieben in Kiew bereits ein Geschäft rund um Quallen-Aquaristik, bevor der Krieg in der Ukraine ihr Leben von Grund auf veränderte. Nach ihrer Flucht in die USA ließen sie sich in Florida nieder und verwandelten eine ehemalige Bankfiliale in Pompano Beach in ein faszinierendes Schauaquarium.
Das Konzept ist dabei so simpel wie überzeugend: ein Ort, der ausschließlich der Qualle gewidmet ist – ihrer Biologie, ihrer Vielfalt und ihrer wissenschaftlichen Bedeutung. Was in der Ukraine ein Geschäftsmodell war, wurde in den USA zu einem kulturellen Projekt mit Pioniercharakter.
Die Wahl des Standorts war kein Zufall. Florida mit seiner langen Küstenlinie und seiner Nähe zu den subtropischen Gewässern des Atlantiks bietet ideale Bedingungen, um verschiedenste Quallenarten zu präsentieren und das öffentliche Interesse an Meereslebewesen zu wecken.
Was das Quallenmuseum bietet
Auf rund 900 Quadratmetern verteilen sich insgesamt 21 Schaubecken, in denen Besucherinnen und Besucher rund 20 verschiedene Quallenarten beobachten können – darunter heimische Arten aus Floridas Küstengewässern sowie Exemplare aus aller Welt.
Das Ziel des Museums ist klar formuliert: Die Menschen sollen mit einem tieferen Verständnis für die Quallenpopulation nach Hause gehen. Weltweit sind bislang rund 4.000 Quallenarten bekannt – eine Artenvielfalt, die viele überrascht.
- 900 m² Ausstellungsfläche in einer umgebauten Bankfiliale
- 21 Becken mit rund 20 Quallenarten
- Arten aus Florida und aus internationalen Gewässern
- Wissenschaftliche Begleitinformationen zu Biologie und Ökologie
- Interaktive Vermittlung für alle Altersgruppen
Das Museum setzt dabei nicht nur auf Staunen, sondern auch auf Bildung. Informationstafeln und geführte Erklärungen sollen das Wissen über diese oft unterschätzten Meerestiere in die Breite tragen.
Quallen und die Krebsforschung
Neben dem Schaueffekt hat das Quallenmuseum auch eine wissenschaftliche Botschaft. Laut den Betreibern interessieren sich Forscherinnen und Forscher zunehmend für bestimmte Quallenarten im Rahmen der Krebsforschung. Einige Arten produzieren Proteine und bioaktive Substanzen, die möglicherweise als Schlüssel für die Entwicklung neuer Medikamente dienen könnten.
Die Grundlagenforschung in diesem Bereich steckt noch in den Anfängen, doch das Potenzial gilt als erheblich. Quallen haben sich über Hunderte von Millionen Jahren kaum verändert – ihre biologischen Mechanismen sind robust und evolutionär erprobt. Genau das macht sie für die Wissenschaft interessant.
Indem das Museum dieses Thema aufgreift, schlägt es eine Brücke zwischen populärwissenschaftlicher Vermittlung und aktueller Forschung – ein Ansatz, der dem Projekt weit über die lokale Bedeutung hinaus Relevanz verleiht.
Expansion geplant: Weitere Museen in den USA
Für Alex und Jana Janowski ist das Museum in Pompano Beach erst der Anfang. Die Gründer haben bereits Expansionspläne: Weitere Quallenmuseen in den USA sollen folgen, um das Konzept in andere Städte und Bundesstaaten zu tragen.
Ihr Vorhaben steht sinnbildlich für die Resilienz vieler ukrainischer Geflüchteter, die trotz erzwungener Migration neue Ideen in ihre Wahlheimat einbringen. Was als Flucht begann, entwickelt sich zu einem unternehmerischen und kulturellen Beitrag – einer, der stille, schwebende Meerestiere in den Mittelpunkt stellt und damit offenbar einen Nerv trifft.
Ob das Quallenmuseum zum Vorbild einer neuen Art von Spezialaquarien wird, bleibt abzuwarten. Die Nachfrage scheint jedenfalls vorhanden – und die Faszination für diese außerirdisch wirkenden Tiere dürfte noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht haben.
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