Dieses Video wurde am 08.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
In Strasburg in der Uckermark stehen knapp 200 Sozialwohnungen leer – nicht weil es keine Nachfrage gibt, sondern weil die nötigen Sanierungen schlicht nicht finanzierbar sind. Der Chef der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG), Michael Schiffner, ist für rund 1.000 Wohnungen verantwortlich und bringt das Dilemma auf den Punkt: Was eine Sanierung kostet, lässt sich mit den erzielbaren Sozialmieten nicht refinanzieren. Für eine strukturschwache Kleinstadt mit 4.300 Einwohnern, rund 90 Minuten von Berlin entfernt, ist das eine existenzielle Herausforderung.
Das Fördersystem passt nicht zur Realität auf dem Land
Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert die Sanierung von Sozialwohnungen – aber nur unter einer entscheidenden Bedingung: Nach Abschluss der Arbeiten muss für mindestens 40 Jahre eine Miete von mindestens 6 Euro pro Quadratmeter verlangt werden. Diese Regelung stammt aus dem Jahr 2001 und gilt bis heute unverändert.
Das Problem: Das Jobcenter, das für viele Mieter von Sozialwohnungen die Kosten übernimmt, zahlt lediglich 4,50 Euro pro Quadratmeter. Die Lücke von 1,50 Euro pro Quadratmeter macht eine wirtschaftlich tragfähige Sanierung nahezu unmöglich.
- Fördervoraussetzung des Landes: mindestens 6,00 €/m²
- Jobcenter-Erstattungssatz: maximal 4,50 €/m²
- Monatliche Differenz pro Quadratmeter: 1,50 €
- Bindungsfrist nach Sanierung: 40 Jahre
Schiffner sieht in den bestehenden Förderinstrumenten keine ausreichende Unterstützung für ländliche Regionen: „Die Förderinstrumente, die zur Verfügung stehen, unterstützen unsere Lage auf dem Land definitiv nicht.” Auch Banken zeigen sich bei der Finanzierung von Sanierungsprojekten in Strasburg zurückhaltend.
Familie wartet seit fünf Jahren auf barrierefreie Wohnung
Besonders dramatisch ist die Situation für Tina Schulz und ihre Familie. Ihre 13-jährige Tochter Emily ist auf besondere Pflege angewiesen und benötigt eine behindertengerechte Wohnung. Seit fünf Jahren sucht die Familie in Strasburg nach einer passenden Unterkunft – bislang ohne Erfolg.
Die Stadt hat versucht, eine Übergangslösung zu finden: Eine Erdgeschosswohnung sollte durch den Zusammenschluss von Küche und Bad zu einem behindertengerechten Badezimmer umgebaut werden. Doch der Platzverlust bedeutet, dass der Familie ein Zimmer fehlt. Die vorhandene Wohnfläche reicht für die Bedürfnisse der Familie schlicht nicht aus.
Tina Schulz beschreibt die Lage mit sichtbarer Erschöpfung: Sie will nicht wegziehen – ihre Kinder sind hier geboren und aufgewachsen, haben soziale Bindungen und verlässliche Nachbarn, die bei der Betreuung Emilys helfen. Nach aktuellem Stand bleibt der Familie jedoch kaum eine andere Wahl, als in eine größere Stadt umzuziehen.
Leerstand und Abwanderung bedrohen die Kleinstadt
Strasburg ist kein Einzelfall. Die Plattenbauten aus DDR-Zeiten, die das Stadtbild prägen, wären grundsätzlich sanierungsfähig – es fehlt schlicht das Kapital. Neben den unsanierten Sozialwohnungen gibt es im Ort auch modernere Wohnungen, die für rund 12 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Diese sind für Bezieher von Transferleistungen jedoch unerschwinglich.
Bleiben die Sozialwohnungen dauerhaft unbewohnbar, verliert Strasburg weiter an Einwohnern. Wer keine geeignete Wohnung findet, zieht fort – und mit jedem Wegzug schrumpft die Infrastruktur weiter. GWG-Chef Schiffner bringt die langfristige Perspektive nüchtern auf den Punkt: „Die kleinen Städte werden am Ende dieses Prozesses, wenn sich nichts ändert, nicht mehr da sein.”
Kommunen fühlen sich von Bund und Land alleingelassen
Die Sanierungspläne für die Sozialwohnungen liegen im Rathaus von Strasburg seit Monaten fertig vor. Doch ohne Anpassung der Förderbedingungen oder eine Erhöhung der Jobcenter-Kostensätze bleibt es beim Papier. Weder das Land noch die Banken springen derzeit ein.
Für Schiffner ist der Stillstand mehr als nur ein wirtschaftliches Problem: Sein Auftrag ist es, Wohnungen auf den Markt zu bringen und Mietern ein Zuhause zu geben – beides gelingt derzeit kaum. Strukturschwache Kommunen wie Strasburg brauchen dringend eine Überarbeitung der Förderrichtlinien, die der Realität ländlicher Wohnungsmärkte gerecht wird. Andernfalls droht ein schleichender Verlust an Wohnraum, Bevölkerung und kommunaler Substanz.
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