Tabaksteuer & Schaumweinsteuer: CDU kritisiert Verbraucherlasten
CDU-Minister Manfred Penz kritisiert die Erhöhung der Tabaksteuer und warnt vor weiteren Verbraucherabgaben wie Schaumwein- und Zuckersteuer in wirtschaftlich schwacher Zeit.
Dieses Video wurde am 16.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Bundestag hat die deutliche Erhöhung der Tabaksteuer beschlossen — der Bundesrat muss dem Vorhaben zustimmen. Manfred Penz, CDU-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Hessen, übte im Vorfeld scharfe Kritik an der wachsenden Steuerbelastung für Verbraucher. Angesichts fehlenden Wirtschaftswachstums und angespannter Haushaltslage stellt er die Frage, ob weitere Verbrauchssteuern das richtige Signal sind — und mahnt die Bundesregierung zu mehr Verlässlichkeit bei Reformen.
Tabaksteuer passiert Bundesrat — Kritik aus Ländern bleibt
Die Erhöhung der Tabaksteuer ist kein zustimmungspflichtiges Gesetz. Der Bundesrat kann zwar den Vermittlungsausschuss anrufen, wird dies nach Einschätzung von Penz jedoch nicht tun. Das Gesetz dürfte damit in Kraft treten.
Penz betont dennoch die grundsätzliche Skepsis der Länder gegenüber höheren Verbrauchssteuern. Aus Hessen heißt es klar: Eine weitere Belastung der Bürger sei gerade jetzt das falsche Mittel. Ministerpräsident Boris Rhein habe diese Position bereits öffentlich formuliert.
Besonders Arbeitnehmer aus handwerklichen Berufen, die Penz zufolge auf ihren Tabakkonsum nicht verzichten wollen, stünden vor der Frage, wo sie im Haushalt sparen müssten — wenn die Steuer kommt.
Schaumweinsteuer und Zuckersteuer: Weitere Belastungen in der Diskussion
Neben der Tabaksteuer stehen weitere Abgaben im Raum, die Penz ebenso kritisch bewertet:
- Schaumweinsteuer: Noch nicht endgültig beschlossen, aber weiter auf der Agenda — Penz sieht sie als Bedrohung für kleine Winzer in Hessen, Rheinland-Pfalz und anderen Weinbauregionen.
- Zuckersteuer: Hersteller bis zu einer Million Liter Jahresproduktion sollen ausgenommen sein — ein Kompromiss, der auf Druck der Getränkelobby zustande kam.
- Plastiksteuer: War zeitweise im Gespräch, scheint laut Penz vorerst vom Tisch zu sein.
Beim Thema Zuckersteuer verweist Penz auf das britische Beispiel: Große Hersteller hätten dort schlicht ihre Rezepturen angepasst und den Zuckergehalt gesenkt. Die erhofften Steuereinnahmen seien dadurch deutlich geringer ausgefallen als geplant — ein Effekt, der auch in Deutschland drohe.
Rentenreform: Streit um die Rente mit 63
Ein weiteres Konfliktfeld ist die Rentenreform. Im Mittelpunkt steht die sogenannte Rente mit 63 — also der abschlagsfreie Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren. Die SPD will diese Regelung beibehalten, während Teile der Union eine Reform anstreben.
Penz zeigt Verständnis für Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben und am Ende keine Rentenabschläge hinnehmen möchten. Gleichzeitig betont er die Notwendigkeit einer fairen Lösung auch gegenüber jüngeren Generationen. Er sieht erste Bewegung in den Gesprächen zwischen Bund und Ländern, ohne konkrete Ergebnisse zu versprechen.
Die Kritik am sogenannten Zickzackkurs der Bundesregierung, die auf dem Deutschlandtag der Jungen Union laut wurde, greift Penz indirekt auf: Er mahnt Verlässlichkeit an — nicht zu viel versprechen, aber alles halten.
Schutz kritischer Infrastruktur: Hessen fordert härtere Strafen
Hessen bringt im Bundesrat eine Initiative zum besseren Schutz kritischer Infrastruktur ein. Das Land beherbergt mit dem Frankfurter Flughafen und dem größten europäischen Datenknotenpunkt besonders schutzbedürftige Einrichtungen.
Penz fordert deutlich schärfere Strafmaßnahmen bei Angriffen auf Infrastruktur wie Flughäfen, Krankenhäuser, Gas- und Wasserversorger. Drohnenangriffe oder vergleichbare Aktionen sollen künftig ähnlich wie schwerer Hausfriedensbruch geahndet werden. Die Initiative soll im Bundesrat eine Mehrheit finden.
Insgesamt zeigt das Interview ein Bild wachsender Spannungen zwischen Bund und Ländern: Während Berlin Steuern erhöht und Reformen verschiebt, pochen die Ländervertreter auf wirtschaftliche Vernunft und politische Verlässlichkeit. Ob die Bundesregierung diesen Kurs korrigiert, wird sich in den nächsten parlamentarischen Wochen entscheiden.
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