Ukraine-Offensive: Geländegewinne, aber hohe Verluste
Die Ukraine erzielt an mehreren Frontabschnitten Geländegewinne – doch die Verluste sind alarmierend hoch. Droht ein Pyrrhussieg im Winter?
Dieses Video wurde am 20.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Ukraine-Offensive zeigt an mehreren Frontabschnitten überraschende Wirkung: Ukrainische Streitkräfte erzielen Geländegewinne im Süden, im Donbass und in der Region Charkiw. Gleichzeitig warnt der polnische Ministerpräsident Donald Tusk vor einem möglichen Pyrrhussieg – denn die monatlichen Verluste der ukrainischen Seite sollen inzwischen bei rund 27.000 Toten und Verwundeten liegen. Parallel dazu griff die Ukraine erneut die russische Hauptstadt Moskau mit Drohnen an – ausgerechnet am letzten Tag der russischen Parlamentswahlen.
Drohnenangriff auf Moskau am Wahltag
Seit Mitternacht wurden nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS mehr als 150 ukrainische Drohnen über Moskau abgefangen. Trümmer stürzten in der Hauptstadt zu Boden, Rettungskräfte waren im Einsatz. Über Opfer war bis zum frühen Morgen nichts bekannt.
Der Zeitpunkt ist politisch brisant: Der Angriff fiel auf den letzten Tag der dreitägigen russischen Parlamentswahl. Nach dem Ausschluss der Opposition will Präsident Wladimir Putin seinen Kriegskurs offiziell durch eine Zweidrittelmehrheit für die Kremlpartei „Einiges Russland” bestätigen lassen – trotz weit verbreiteter Kriegsmüdigkeit und wirtschaftlicher Schwierigkeiten im Land.
Ukraine-Offensive an drei Frontachsen
Abseits der Schlagzeilen über Moskau entwickelt sich die Lage an der Front für die Ukraine überraschend positiv. An gleich drei Frontabschnitten konnten ukrainische Kräfte in den vergangenen Monaten Geländegewinne verbuchen:
- Südukraine: An der Schnittstelle der Provinzen Saporischschja, Dnipropetrowsk und Donezk, rund um den Orientierungspunkt Ternate, setzt sich die ukrainische Offensive weiter fort.
- Lyman (Donezk): Nordwestlich der Stadt Lyman, wo russische Kräfte einen Brückenkopf gehalten hatten, gerät Moskau stark in die Defensive.
- Kupjansk (Charkiw): In der seit Jahren umkämpften Stadt Kupjansk hat die Ukraine Verstärkung herangeführt und geht erneut in die Offensive – mit spürbaren Problemen für die russischen Verbände.
Sowohl russische als auch ukrainische Kriegsblogger bestätigen diese Entwicklungen. Die Geländegewinne werden damit von mehreren unabhängigen Quellen gestützt.
Tusks Warnung: Droht ein Pyrrhussieg?
Am 18. September reiste der polnische Ministerpräsident Donald Tusk in die Westukraine, um sich in den Karpaten mit Präsident Wolodymyr Selenskyj zu treffen. Nach seiner Rückkehr nach Warschau trat Tusk im polnischen Parlament auf und gab alarmierende Zahlen bekannt: Ukrainische Partner hätten ihm mitgeteilt, dass die monatlichen Verluste der ukrainischen Streitkräfte derzeit bei rund 27.000 Toten und Verwundeten lägen.
Diese Zahl ist mit Blick auf frühere Angaben zu russischen Verlusten einzuordnen: Russland soll als angreifende Partei über Monate hinweg monatlich zwischen 30.000 und 33.000 Soldaten verloren haben. Nun, da die Ukraine ihrerseits offensiv vorgeht, erreichen die ukrainischen Verluste eine ähnliche Größenordnung – was militärisch nicht ungewöhnlich ist, da angreifende Einheiten in der Regel höhere Verluste erleiden als verteidigende.
In Tusks Auftritt schwang erkennbar die Sorge mit, dass die ukrainischen Offensivbemühungen im bevorstehenden Winter noch verlustreicher werden könnten. Er deutete an, dass aus den aktuellen Geländegewinnen letztlich ein Pyrrhussieg werden könnte – ein Erfolg, der die Ukraine mehr kostet, als er ihr an strategischem Nutzen einbringt.
Strategische Einordnung: Zwischen Erfolg und Erschöpfung
Die aktuelle Lage verdeutlicht das fundamentale Dilemma der Ukraine: Militärische Geländegewinne sind real und bedeutsam, doch sie werden mit einem hohen Blutzoll erkauft. Die Personalstärke der ukrainischen Streitkräfte ist nach mehr als zwei Jahren Krieg eine der drängendsten Fragen.
Hinzu kommt die Herausforderung des Winters, der erfahrungsgemäß die Kampfbedingungen verschärft und Offensivoperationen deutlich erschwert. Ob die Ukraine ihre Initiative an den drei Frontachsen aufrechterhalten kann, hängt nicht zuletzt von westlichen Waffenlieferungen und der Fähigkeit ab, ausreichend ausgebildete Soldaten nachzuführen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die aktuellen Geländegewinne den Grundstein für eine nachhaltige Trendwende legen – oder ob die Erschöpfung der ukrainischen Streitkräfte die Früchte dieser Offensive zunichtemacht.
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