Ukraine-Offensive bei Lyman: Russland unter Druck
Die Ukraine erzielt Geländegewinne nördlich von Lyman, während Russland Bedingungen für eine Waffenruhe bei Energieangriffen stellt. Alle aktuellen Entwicklungen.
Dieses Video wurde am 16.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Ukraine-Krieg verdichten sich die Frontereignisse: Die ukrainische Armee hat nördlich der Stadt Lyman im Norden der Provinz Donezk einen russischen Brückenkopf unter Druck gesetzt und Geländegewinne erzielt. Gleichzeitig setzen beide Kriegsparteien ihre wechselseitigen Drohnen- und Raketenangriffe auf zivile und wirtschaftliche Infrastruktur fort. Russland signalisiert erstmals Gesprächsbereitschaft für eine begrenzte Waffenruhe bei Energieangriffen — knüpft dies aber an weitreichende Bedingungen, die westliche Partner kaum akzeptieren dürften.
Ukraine-Offensive nördlich von Lyman überrascht Russland
Ukrainische Verbände haben nach Angaben des Kommandeurs des dritten Armeekorps, Andrij Bilezkyj, in einem Gebiet nordwestlich von Lyman russische Einheiten aus Stellungen gedrängt, die Moskau über längere Zeit kontrolliert hatte. Der Offizier bat westliche und ukrainische Medien ausdrücklich um Zurückhaltung bei der Berichterstattung.
Seine Begründung: Je weniger öffentliche Aufmerksamkeit diese Frontabschnitte erhalten, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Kreml seine Generäle anweist, Reserven in die betroffenen Bereiche zu verlegen. Informationsdisziplin wird damit zur taktischen Waffe.
Auch in der Provinz Saporischschja spitzt sich die Lage zu. Die Stadt Orichiw steht nach Berichten russischer Kriegsblogger unter starkem Angriffsdruck. Bestätigte ukrainische Verlustmeldungen liegen jedoch noch nicht vor, weshalb eine Überbewertung russischer Erfolge in diesem Bereich verfrüht wäre.
Kreml knüpft Waffenruhe bei Energieinfrastruktur an harte Bedingungen
Der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow hat signalisiert, dass Moskau eine Waffenruhe bei gegenseitigen Luftschlägen auf Energieanlagen grundsätzlich nicht ausschließt. Ursprünglich wurde erwartet, Russland werde einen solchen Vorschlag — der auf eine Initiative des US-Präsidenten zurückgeht — komplett ablehnen.
Die russischen Forderungen im Überblick:
- Einstellung ukrainischer Angriffe auf russische Ölraffinerien
- Garantie der Sicherheit russischer Transportwege, Schiffe und Tanker
- Aufhebung westlicher Sanktionen im Rohstoffsektor
Peskow machte zudem deutlich, dass selbst ein Angriffsstopp auf Raffinerien kurzfristig keine Entspannung auf dem internationalen Dieselmarkt bringen würde. Russland müsse zunächst eigene Vorräte wieder auffüllen, bevor Lieferungen auf Weltmärkte möglich wären. Angesichts der Komplexität der Forderungen gilt eine baldige Einigung als unwahrscheinlich.
Drohnenangriffe auf Kiew und ukrainische Wirtschaft
Russland attackierte erneut die ukrainische Hauptstadt Kiew. Sichtbare Rauchsäulen in der Innenstadt zeugten von Treffern auf Lagerhallen, die in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten liegen. Solche Angriffe auf Gewerbeobjekte, Fabriken und Logistikzentren folgen nach Einschätzung von Beobachtern einer klaren Strategie.
Der kremlkritische russische Militärexperte Ruslan Levijev prägte dafür den Begriff „Chevauchée” — ein Begriff aus dem Mittelalter, der Reiterangriffe mit dem Ziel des Verwüstens und Brandschatzens bezeichnet. Übertragen auf den modernen Krieg beschreibt er damit das systematische russische Vorgehen gegen die ukrainische Wirtschaftskraft: Nicht allein Energie- und Bahninfrastruktur stehen im Visier, sondern gezielt alle Strukturen, mit denen die Ukraine Steuereinnahmen generieren und wirtschaftlich bestehen kann.
Die Ukraine hat ihrerseits eine russische Ölraffinerie sowie eine Produktionsanlage für Drohnen angegriffen. Russland meldete im Gegenzug Angriffe auf ukrainische Logistikzentren, Häfen und Bahninfrastruktur sowie die Einnahme des Ortes Olkawatka in der Region Charkiw.
Ausblick: Kein Ende der Luftschläge in Sicht
Solange Russlands Bedingungen für eine Waffenruhe bei Energieangriffen — Angriffsstopp, Sanktionsaufhebung, Transportsicherheit — von der Ukraine und ihren westlichen Partnern nicht erfüllt werden, ist eine Entspannung der Lage in der Luft nicht zu erwarten. Die täglichen gegenseitigen Schläge dürften weitergehen.
Der Vorstoß der ukrainischen Armee bei Lyman zeigt, dass Kiew trotz anhaltender Gegenangriffe punktuell offensive Handlungsfähigkeit besitzt. Wie nachhaltig diese lokalen Erfolge sind und ob Russland mit Reserven reagiert, wird die Entwicklung an der Ostfront in den nächsten Wochen maßgeblich bestimmen.
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