Alphabet-Aktie bricht ein: Schwacher Search-Umsatz
Die Alphabet-Aktie verliert zweistellig nach enttäuschenden Search-Umsätzen. Was hinter dem Kurseinbruch steckt und wie Analysten die Lage einschätzen.
Dieses Video wurde am 29.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Alphabet-Aktie hat an einem turbulenten Handelstag an der Wall Street rund 12 Prozent an Wert verloren. Auslöser ist ein enttäuschender Quartalsbericht: Besonders der Search-Bereich von Google blieb weit hinter den Erwartungen zurück, und das Management dämpfte auch den Ausblick auf das vierte Quartal. Gleichzeitig gerieten weitere Technologiewerte wie Service Now, Fortinet und Microsoft unter Druck – ein Stimmungstest für den gesamten KI-Sektor.
Alphabet: Search-Umsätze verfehlen die Erwartungen deutlich
Im abgelaufenen dritten Quartal erzielte Google im Suchgeschäft Umsätze von 63,3 Milliarden Dollar – rund eineinhalb Milliarden Dollar weniger als vom Markt erwartet. Auch die YouTube-Umsätze lagen unter den Analystenprognosen. Der Ertrag je Aktie verfehlte ebenfalls die Ziele, was das Unternehmen jedoch vor allem auf einmalige Investmentverluste zurückführt.
Das Management begründet den Umsatzdruck im Suchgeschäft mit mehreren Faktoren:
- Ungünstige Währungsschwankungen, die internationale Einnahmen belasteten
- Der Wegfall der De-minimis-Regelung in der EU, der den Einzelhandelsbereich traf
- Eine größere saisonale Lücke zum zweiten Quartal als in früheren Jahren
Für das vierte Quartal erwartet das Unternehmen erneut Druck auf die Search-Umsätze. Damit nährt Google selbst die Sorge, dass KI-Agenten das klassische Suchmaschinengeschäft strukturell untergraben könnten – ein Risiko, das Investoren seit Monaten beschäftigt.
Cloud-Wachstum als Lichtblick – aber nicht genug
Auf der positiven Seite glänzte der Google Cloud-Bereich mit einem Umsatz von 30,7 Milliarden Dollar und einer Wachstumsrate von über 100 Prozent – die Erwartungen wurden hier klar übertroffen. Auch die Nachfrage nach TPUs (Googles eigenen KI-Chips) fiel stärker aus als prognostiziert.
Dennoch blieb der verfügbare Cashflow negativer als von der Wall Street erwartet, und die Cloud-Margen stagnieren laut Analysten der UBS. Das reichte nicht aus, um die Stimmung zu drehen.
Analysten bleiben überwiegend optimistisch
Die meisten Analysten wurden von der Stärke des Kurseinbruchs überrascht, halten aber an ihren Kaufempfehlungen fest:
- Goldman Sachs senkt das Kursziel auf 385 Dollar, bleibt aber bei „Kaufen” und verweist auf robustes Cloud-Wachstum von 103 Prozent.
- UBS stuft die Aktie weiterhin mit „Neutral” ein und senkt das Ziel auf 382 Dollar; die KI-Monetarisierung brauche mehr Zeit als erhofft.
- Analyst Kent Fitzgerld empfiehlt, die Kursschwäche als Einstiegsgelegenheit zu nutzen.
Der Tenor: Das dritte Quartal bei Alphabet sei gemischt ausgefallen – schwaches Search-Geschäft trifft starkes Cloud-Wachstum. Die langfristige Investmentstory sei intakt, die kurzfristige Unsicherheit jedoch real.
Weitere Verlierer: Service Now, Fortinet und Caterpillar unter Druck
Die schlechte Stimmung am Techsektor erfasste auch andere Werte. Die Aktie von Service Now verlor zeitweise ein Viertel ihres Börsenwertes, nachdem der Ausblick auf das vierte Quartal schwächer als erwartet ausgefallen war. Analysten von JP Morgan, Barclays und der Citigroup sehen darin eine Übertreibung und halten an Kaufempfehlungen fest – mit Kurszielen zwischen 145 und 160 Dollar.
Fortinet verlor ebenfalls über 20 Prozent. Obwohl Erträge und Ausblick die Schätzungen übertrafen, verlangsamte sich das Produktumsatzwachstum spürbar – von 52 auf 37 Prozent. Die Bank of America stufte den Wert auf „Halten” ab.
Auch der Baumaschinenhersteller Caterpillar stand unter Druck: Die Umsatzaussichten für das vierte Quartal liegen nur moderat über dem Vorjahresniveau, während die Wall Street mit fast 14 Prozent Wachstum gerechnet hatte. Dabei ist der Auftragsbestand mit 78 Milliarden Dollar – ein Plus von 96 Prozent – eigentlich beeindruckend. Ein positiver Ausreißer war dagegen Eli Lilly, dessen Aktie rund 7 Prozent zulegte, gestützt von starkem Wachstum im Bereich der Gewichtsreduktionsmedikamente.
Der Rückgang der Capex-Investitionen bei Google und Microsoft sowie das Signal von Oracle, dass die Investitionsausgaben im KI-Infrastrukturbereich ihren Höhepunkt etwa um 2030 erreichen dürften, belasten die gesamte Branche. Im Fokus steht nun der Quartalsbericht von Amazon: Sollten auch dort die Investitionsausgaben die Erwartungen verfehlen, könnte der Druck auf KI-Werte weiter anhalten.
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