Trumps Macht nach der Wahl: Was Europa hoffen darf
Demokraten mit Mehrheit in beiden Kongresskammern – wie stark ist Trumps Macht nach der Wahl noch? Was das für NATO, Ukraine und Europa bedeutet.
Dieses Video wurde am 04.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Nach dem Wahlerfolg der Demokraten, die in beiden Kammern des US-Kongresses die Mehrheit errungen haben, stellt sich für Europa eine zentrale Frage: Wie viel Handlungsspielraum hat Donald Trump noch? Die Antwort fällt je nach Politikfeld sehr unterschiedlich aus – zwischen echter Entlastung und weiterhin erheblichen Risiken. Für Deutschland und Europa insgesamt lohnt sich ein nüchterner Blick auf die neuen Kräfteverhältnisse in Washington.
Militärische Alleingänge: Kongress kann Trump nicht bremsen
In einem entscheidenden Bereich bleibt Trumps Macht nach der Wahl nahezu uneingeschränkt: als oberster Befehlshaber der US-Streitkräfte. Konkret bedeutet das, dass weder der Kongress noch der Senat einen möglichen Militärschlag gegen den Iran verhindern könnten, sollte Trump diesen anordnen. Das Verfassungsrecht räumt dem Präsidenten in exekutiven Militärentscheidungen weitgehende Autonomie ein.
Dieser Umstand bleibt ein erheblicher Unsicherheitsfaktor für die internationale Sicherheitslage – und für Europa, das bei einer weiteren Eskalation im Nahen Osten unmittelbar betroffen wäre. Hier kann die demokratische Kongressmehrheit allenfalls politischen Druck erzeugen, aber keinen rechtlich bindenden Riegel vorschieben.
NATO: Deutliche Entspannung dank demokratischer Mehrheit
Anders sieht die Lage beim Thema NATO aus. Trump hatte in der Vergangenheit mehrfach damit gedroht, das Bündnis zu verlassen oder Verbündete nicht zu verteidigen, die seiner Ansicht nach zu wenig in die gemeinsame Verteidigung investieren. Mit einer klaren demokratischen Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses ist dieses Szenario deutlich unwahrscheinlicher geworden.
Die überwiegende Mehrheit der Demokraten steht klar hinter der NATO und bewertet das Bündnis als strategisch wertvoll – auch für die Vereinigten Staaten selbst. Für Europa und besonders für Deutschland ergibt sich daraus ein spürbarer Sicherheitsgewinn: Sollte Trump erneut mit einem NATO-Austritt oder -Boykott drohen, hätte der Kongress nun das politische Gewicht, um gegenzusteuern.
Ukraine-Hilfe: Druck wächst, Veto-Risiko bleibt
Beim Thema Ukraine-Hilfe ist das Bild gemischter. Zwar wächst im Kongress der Druck, die Unterstützung für Kiew fortzusetzen und gesetzlich abzusichern. Doch Trump besitzt weiterhin das Recht, entsprechende Gesetzesinitiativen per Veto zu blockieren. Ein Veto zu überstimmen erfordert eine Zweidrittelmehrheit – eine hohe Hürde, die nicht immer erreichbar ist.
Besonders im Blick behalten müssen Europas Regierungen folgendes Risikoszenario:
- Trump könnte einen Dreiergipfel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und einem weiteren Akteur anstreben.
- Dabei könnte er versuchen, eigenmächtig über das Schicksal der Ukraine zu verhandeln – ohne europäische Beteiligung.
- Solche Alleingänge würden die europäische Sicherheitsarchitektur grundlegend unter Druck setzen.
- Der Kongress kann zwar politischen Gegendruck erzeugen, aber diplomatische Treffen nicht direkt unterbinden.
Für Europa lautet die Devise daher: ruhig Blut bewahren und darauf vertrauen, dass die Demokraten im Kongress Trumps außenpolitische Spielräume beobachten und wo möglich einschränken.
Einordnung: Hoffnung ja, Illusionen nein
Die demokratische Kongressmehrheit ist für Europa kein Freifahrtschein, aber ein wichtiges Gegengewicht zur exekutiven Macht des Weißen Hauses. Die neue Kräfteverteilung in Washington schafft Spielraum für Hoffnung – insbesondere mit Blick auf den Fortbestand der NATO-Bindungen der USA.
Gleichzeitig zeigen die Beispiele Iran und Ukraine-Diplomatie, dass Trumps Handlungsspielraum in zentralen außenpolitischen Fragen weiterhin erheblich ist. Europa täte gut daran, die gewonnene Atempause zu nutzen, um die eigene Verteidigungsfähigkeit und strategische Unabhängigkeit konsequent auszubauen – unabhängig davon, wie stark der Kongress in Washington Trump künftig in Schach hält.
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