Dieses Video wurde am 12.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Gen Z gilt als arbeitsscheu und rente-reif mit Mitte 20 – so zumindest das weit verbreitete Klischee. Doch aktuelle Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeichnen ein völlig anderes Bild: Junge Erwachsene sind so häufig im Arbeitsmarkt vertreten wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Erwerbsquote der unter 25-Jährigen ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 7 Prozentpunkte gestiegen – und damit mehr als doppelt so stark wie die Arbeitsmarktbeteiligung der über 25-Jährigen.
Erwerbsquote der Gen Z auf Rekordhoch
Stand 2025 arbeiten rund drei Viertel aller jungen Erwachsenen in Deutschland regelmäßig. Das ist ein bemerkenswerter Wert, der die pauschale Kritik an der jüngeren Generation deutlich relativiert. Besonders auffällig ist, wo die Gen Z beschäftigt ist: Sie arbeitet überdurchschnittlich häufig im Einzelhandel, in der Lebensmittelbranche und in der Gastronomie – Branchen, die als körperlich fordernd und oft wenig glamourös gelten.
Die Daten des IAB legen damit nahe, dass das Bild der faulen, anspruchsvollen Jugend an der Realität vorbeigeht. Vielmehr scheint die Generation Z bereit zu sein, auch in vermeintlich weniger attraktiven Sektoren anzupacken.
Engagement und Leistungsbereitschaft im Vergleich
Doch reicht eine hohe Beschäftigungsquote allein aus? Kritiker könnten einwenden, dass bloße Erwerbstätigkeit noch keine Aussage über den tatsächlichen Einsatz am Arbeitsplatz trifft. Auch dieser Einwand lässt sich mit Blick auf vorliegende Auswertungen entkräften.
Versucht man Engagement und Leistungsbereitschaft messbar zu machen, schneiden die Jüngeren teilweise sogar besser ab als ältere Beschäftigte. Die Gen Z bringt also nicht nur Köpfe in den Arbeitsmarkt – sie bringt auch Einsatz mit.
- Erwerbsquote unter 25-Jähriger stieg in zehn Jahren um über 7 Prozentpunkte
- Rund 75 Prozent der jungen Erwachsenen sind 2025 regelmäßig erwerbstätig
- Engagement-Messungen zeigen teils bessere Werte als bei älteren Beschäftigten
- Starke Präsenz in Einzelhandel, Gastronomie und Lebensmittelbranche
Coronaschock und neue Lebensmodelle prägen die Generation
Um das Verhalten der Gen Z zu verstehen, lohnt ein Blick auf die prägenden Erfahrungen dieser Generation. Der Coronaschock traf viele von ihnen in einer entscheidenden Lebensphase – während der Ausbildung, des Studiums oder beim Berufseinstieg. Diese Erfahrung hat das Verhältnis zur Arbeit nachhaltig verändert.
Hinzu kommt ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel: Das klassische Alleinverdienermodell gehört für die meisten jungen Menschen längst der Vergangenheit an. In der Regel sind heute beide Partner im Arbeitsmarkt aktiv. Das hat direkte Auswirkungen auf die Anforderungen, die junge Beschäftigte an ihren Job stellen – allen voran den Wunsch nach mehr Flexibilität.
Dieser Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten und -modellen wird oft als Beleg für mangelnde Belastbarkeit interpretiert. Tatsächlich spiegelt er jedoch moderne Lebensrealitäten wider, in denen Beruf, Partnerschaft und Privatleben neu austariert werden müssen.
Vorurteile vs. Datenlage: Ein nüchternes Fazit
Die Debatte um die Gen Z am Arbeitsmarkt zeigt einmal mehr, wie hartnäckig sich Generationenstereotype halten – selbst dann, wenn die Datenlage eine klare Sprache spricht. Das IAB liefert mit seiner Auswertung ein wichtiges Korrektiv zu populären Stammtisch-Thesen.
Junge Menschen arbeiten häufiger, engagieren sich ähnlich stark oder stärker als ältere Generationen und passen sich dabei an veränderte gesellschaftliche Bedingungen an. Die eigentliche Frage lautet daher weniger, ob die Gen Z arbeitswillig ist – sondern wie Unternehmen und Politik auf ihre berechtigten Erwartungen an flexible Arbeitsmodelle reagieren. Gelingt diese Anpassung, dürfte die Generation Z noch deutlich stärker zum wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands beitragen.
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